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Pattensen Pächter und Nabu gegen Kahlschlag
Umland Pattensen Pächter und Nabu gegen Kahlschlag
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16:49 10.01.2019
70 Jahre in Ruhe gewachsen: Die Stadt will viele Bäume in den Kleingärten im Schasses'schen Land entfernen oder kürzen lassen. Quelle: Kim Gallop
Pattensen-Mitte

Die 120 Pächter der Kleingärten im sogenannte Schasses’sches Land in Pattensen leben weiter in Ungewissheit. Die sehr individuell gestalteten Flächen zwischen dem Lüderser Weg beim Wasserwerk und der Straße Auf dem Horne hatten im vergangenen Jahr überraschend Post von der Stadt Pattensen erhalten, die das Land an die Nutzer unterverpachtet hat. In dem Schreiben wurde angeordnet, dass ab Oktober und bis Ende 2018 alle Bäume außer Obstbäume komplett entfernt werden sollten. Alle anderen Bäume sollten auf maximal acht Meter Höhe gekappt werden. Ein Schock für die Pächter – besonders, weil die von der Stadt verpachteten Flächen wohl seit 70 Jahren kaum beachtet wurden und sich dort ein hoch gewachsener und vielfältiger Baumbestand befindet.

Die Stadt hatte auf Anfrage mitgeteilt, dass die Fläche Grabeland ist und sich die erlaubte Bepflanzung nach dem Bundeskleingartengesetz richtet. Die zu hohen Bäume würden eine Gefahr darstellen.

Einige der Pächter wandten sich an den Ortsrat Pattensen-Mitte, um ihre Probleme zu schildern Außerdem sprachen sie beim Nabu Pattensen vor, bei der Region, bei Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann und haben Protestunterschriften gesammelt. Mündlich sagte ihnen Schumann zu, dass die Frist zur Fällung und Kürzung der Bäume verlängert wird. Doch seitdem haben die Pächter nichts mehr gehört.

Über allen Wipfeln ist Ruh’ – noch. So hohe Bäume sollen gefällt werden. Quelle: Kim Gallop

„Wir warten ab“, sagte auf Anfrage Rolf Stuckenberg, einer der Pächter. Es seien 300 Unterschriften zusammengekommen. Unterschrieben hätten nicht nur viele Kleingärtner, sondern auch Nachbarn und Spaziergänger, die sich an den sehr unterschiedlich gestalteten Parzellen und den großen Bäumen erfreuen. Die Unterschriften sollen demnächst an Bürgermeisterin Schumann übergeben werden.

Zur Freude der Pächter hat sich der Sprecher der neuen Nabu-Ortsgruppe, Dr. Thomas Volkert, in der Sache an die Bürgermeisterin gewandt. Er hat schon Ende November an die Stadt geschrieben, aber bis jetzt noch keine Antwort erhalten.

Er bittet die Stadt, mit Außenmaß vorzugehen. Nach Darstellung Volkerts sind private Gärten und Kleingartenflächen wie im Schasses’schen Land wichtige Lebensräume für Tiere, besonders Vögel und Insekten. Gerade angesichts der vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen in der näheren Umgebung erfüllten die naturnahen Gärten auch für Menschen eine wichtige Funktion als Naherholungsgebiet.

Volkert schildert zudem, dass noch im Herbst Dieter Wendt vom Nabu-Regionalverband die Flächen im Schasses’schen Land besichtigt und kartiert hat. Er habe dabei die Anzahl und Art der Bäume, ihre Höhe und das Gefährdungspotenzial erfasst. Der Experte habe dabei zu seiner Freude zahlreiche Obstbäume unterschiedlichen Alters vorgefunden, auch einige ältere und größere Stämme, die bedeutende Lebensräume für Tiere bieten. Es seit das Anliegen des Nabu, solche Bäume zu erhalten. Nur, wenn sich zuviel Totholz in den Kronen entwickelt habe, sollten die Kronen aus Sicherheitsgründen reduziert werden, lautet die Empfehlung von Wendt.

Außerdem erklärt er, dass neben den Obstbäumen auch heimische Nadelbäume wichtige Sauerstofflieferanten seien und Vögeln, etwa den Waldohreulen, Nahrung, Schutz und Schlafplätze bieten. Er habe mehrere Nadelbäume von mehr als 10 Metern Höhe entdeckt, führt Wendt aus. Diese könnten auf 8 Meter gestutzt werden, schlägt er vor. Die vielen mittelgroßen Koniferen, die Pächter als Sichtschutz und Abgrenzung ihrer Parzellen gepflanzt haben, sind nach Wendts Ansicht weniger erhaltenswert. Bäume wie Zeder, Zypresse oder auch Wacholder könnten auf 5 Meter eingekürzt werden.

Nabu-Experte Wendt bittet die Stadt Pattensen, beim Umgang mit dem Schasses’schen Land ihren Ermessensspielraum zu nutzen und die Interessen der Pächter und des Naturschutzes zu berücksichtigen. Er schlägt vor, dass die Pächter künftig selbst die Einhaltung von neu definierten Regeln kontrollieren. Zur Vermittlung zwischen Stadt und Pächtern bietet Wendt seinen fachlichen Rat und seine Hilfe an.

Von Kim Gallop

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