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Pattensen Burgmannshof: Grabung bestätigt Standort
Umland Pattensen Burgmannshof: Grabung bestätigt Standort
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16:24 24.07.2018
Archäologin Ute Bartelt (von links), Regionssprecher Klaus Abelmann und Grabungsleiter Markus Brückner stellen die Ergebnisse vor. Quelle: Kim Gallop
Pattensen-Mitte

Wichtige Erkenntnisse zur Geschichte von Pattensen haben Grabungen an der Talstraße 5 im Herzen der Altstadt gebracht. Die Region Hannover stellte am Dienstagvormittag die Ergebnisse bei einem Pressetermin vor. „Wir können jetzt tatsächlich nachweisen, dass wir hier einen der Burgmannshöfe hatten“, sagte Ute Bartelt, Archäologin beim Fachbereich Bauen der Region Hannover. Sie präsentierte einen Teil der mehr als 1000 dukumenterten Funde gemeinsam mit Grabungsleiter Markus Brückner von ArchaeoFirm. Die Fachfirma mit Sitz in Isernhagen hatte die Grabungen im Auftrag der Region unternommen.

„Bauen im Stadtkern ist immer schwierig“, sagte Bartelt. „Wir sind eben nicht die ersten, die hier siedeln.“ Die Fläche liege in der Nähe der ehemaligen Burganlage, deren Wall teilweise noch vorhanden ist. Die Burg wurde Ende des 12./ Anfang des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Hallermund errichtet. Hufeinsenförmig um die Burg angeordnet lagen acht sogenannte Burgmannshöfe. Sie hatten die Versorgung der Burg mit Lebensmitteln sicher zu stellen und wurden den Adeligen als Lehen gegeben.

Der ehemalige Standort eines historischen Hofs an der Talstraße 5 in Pattensen-Mitte soll bebaut werden. Vorher haben Archäologen der Region den Boden untersucht und mehr als 1000 Funde gesichert.

Die frühe Stadtgeschichte der Pattensenser Kernstadt sei nur lückenhaft dokumentiert, sagte Bartelt, weil die Stadt so häufig zerstört wurde, wie kaum eine im Calenberger Land. „Pattensen wurde allein drei bis vier Mal wegen der Hildesheimer Siftsfehde zerstört, dazu kamen drei große Brände – zuletzt der in 1733.“ Dabei seien natürlich auch Karten und Urkunden und andere frühe Dokumente komplett zerstört worden. „Die Archäologie kann Puzzleteile zur Stadtgeschichte liefern.“

Gefunden wurde etwa ein kugelförmiger Reibestein, mit dem Getreide gemahlen wurde. Mehrere der jetzt dokumentierten Fund bestätigen, dass der Hof an der Talstraße einer der Burgmannshöfe war. Zu diesen Fundstücken gehört ein eiserner Reitersporn –das sind die Sporen, die adelige Reiter eingesetzt haben. „Das war nichts für den Umgang mit Ackergäulen“, betonte Bartelt. Außerdem wurden Reste von Ofenkacheln aus dem 13./14. Jahrhundert gefunden. „Das deutet auf adelige Wohnkultur hin.“

Ein Reitersporn, wie sie adelige Reiter trugen Quelle: Kim Gallop

Zur Überraschung der Archäologen wurden insgesamt 15 Brunnen aus unterschiedlichen Jahrhunderten gefunden. Dazu gehören sogenannte Baumstammbrunnen aus ausgehöhlten Stämmen, ein hölzerner Kastenbrunnen und vier Brunnen aus dem 17./18. Jahrhundert mit einer aus Stein gemauerten Brunnenröhre. Einer dieser Brunnen war bei dem Pressetermin zu sehen. Die gut zu erkennenden Reste werden vor dem Beginn der Bauarbeiten abgetragen. Gegraben wurde auf der Fläche bis zu maximal drei Metern Tiefe, erläuterte Bartelt. „Wir graben so tief, wie die Baumaßnahme eingreift.“ Gibt es weitere historische Relikte, bleiben sie im Boden erhalten.

Wohn- und Geschäftshaus entsteht

Die Hofanlage mit der aktuellen Adresse Talstraße 5 wurde 1836 von Georg Heinrich Louis Weidemann gegründet. Sie wurde über mehrere Generationen landwirtschaftlich genutzt und 2013 von den Nachkommen der Familie Weidemann an die Stadt Pattensen verkauft. Als sich der Plan zerschlagen hatte, dort das neue Rathaus zu errichten, kaufte das Unternehmen CP Immobilien GmbH das Gelände. Nun sollen 27 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten errichtet werden sowie eine Tiefgarage. Der fehlende Raum für oberirdische Parkplätze in der eng bebauten Altstadt ist ein Grund, dass dort das Rathaus nicht verwirklicht werden konnte.

Bei der Vorstellung der Grabungsergebnisse am Dienstag waren auch die Geschäftsführer von CP Immobilien anwesend, Timo Mertesacker und Timo Kosien. Das Unternehmen musste während der archäologischen Grabungen praktisch einen Baustopp von insgesamt fünf Monaten hinnehmen. „Wir respektieren die Arbeit, die hier gemacht wird“, sagte Mertesacker. „Wir freuen uns aber auch, dass wir jetzt loslegen können.“ Sein Unternehmen habe darauf geachtet, dass der Entwurf des geplanten Baus die historische Form des sogenannten Weidemannschen Hofes, der ein Drei-Seiten-Hof war, wieder aufnimmt, sagte Kosien, sowohl in der Form als auch bei der Höhe des Gebäudes. „Es sollte etwas werden, das ins Stadtbild passt“, bestätigte Mertesacker, „und das bezahlbaren Wohnraum bietet.“ Damit habe sich das Unternehmen während der Verkaufsverhandlungen zum Grundstück mit der Stadt gegen Mitbewerber durchgesetzt. gal

Von Kim Gallop

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