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Ronnenberg Schüler lernen über Ablenkung per Handy
Umland Ronnenberg Schüler lernen über Ablenkung per Handy
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13:52 09.01.2019
Birgit Bögeholz (links) und Heike de Boer moderieren die Veranstaltung in der Aula der Marie Curie Schule. Quelle: Uwe Kranz
Empelde

Es ist eine Gratwanderung. Mit sehr emotionalen Bildern und Schilderungen von Beteiligten versuchen Beamte der Polizeiinspektion Garbsen, Schüler für Gefahren zu sensibilisiert, die aus der Handynutzung im Straßenverkehr entstehen. Die Filme und Schilderungen von Augenzeugen unter dem Titel „Abgelenkt ... ist neben der Spur“ sind dabei teilweise sehr belastend. „In der Gesellschaft wird oft unterschätzt, wie Jugendliche darauf reagieren, Themen emotional präsentiert zu bekommen“, sagt Katharina Thormann, Lehrerin an der Marie Curie Schule in Empelde. „Ich halte es trotzdem für den richtigen Weg.“

Richtig, weil die Organisatoren auf die möglichen Reaktionen der Schüler gut vorbereitet sind. 125 Mädchen und Jungen des 11. Jahrgangs verfolgen in der Aula die zum Teil schwer verdaulichen Beiträge. Ein großes Kreuz mit Grabkerzen auf der Bühne erzeugt dazu bei gedämpftem Licht eine bedrückende Stimmung. „Ihr seid informiert worden, dass ihr mit schockierenden Inhalten konfrontiert werdet“, sagt Thormann zur Einführung. Sie erwarte, dass die Schüler ganz unterschiedlich darauf reagieren, denkbar seinen sowohl Lach- als auch Weinkrämpfe. Notfalls könne jeder den Raum jederzeit verlassen. Ein Refugium für diese Schüler ist im Raum neben der Aula eingerichtet. Die Hilfe der Schulsozialarbeiter Sophia Franke und Boris Löchtemann nehmen während der Veranstaltung dann auch gleich mehrere Teilnehmer in Anspruch.

125 Mädchen und Jungen mit ihren Lehrern sind von den Filmen und Berichten sichtlich beeindruckt. Quelle: Uwe Kranz

Dabei sind die Szenen in den Filmen an sich eher wenig schockierend. Keine Effekthascherei mit spektakulären Unfallszenen, blutverschmierten Opfern oder Leichen. Es geht vielmehr um die Schicksale der Menschen die unmittelbar oder auch nur mittelbar beteiligt sind, die durch eine Unaufmerksamkeit radikal verändert werden. „Nach einem Unfall mit nur einem Todesopfer sind einer Studie zufolge durchschnittlich 113 Menschen mit tiefen Einschnitten in ihrem Leben betroffen: Angehörige, Freunde, Bekannte, Zeugen, Einsatzkräfte“, rechnet Moderatorin Heike de Boer vor.

Zu Beginn kleben Schüler ihre Wünsche auf einen Ballon, der später auf der Bühne platzen wird. Quelle: Uwe Kranz

Gemeinsam mit Birgit Bögeholz visualisiert sie dies mit einem einfachen Effekt: Ein Ballon, den die Schüler zu Beginn Zettel mit ihren Wünschen beklebt haben, lassen sie ohne Vorankündigung zerplatzen. Plötzlich, wie bei einem Unfall. Und immer wieder stellen die Referenten – Feuerwehrleute, Notfallseelsorger, Polizisten, Unfallzeugen und Angehörige von Opfern – Fragen wie: „Ist es das Checken einer Nachricht oder ein Telefonat wirklich wert, dass es ein Leben kosten kann?“

Menschen könnten keine zwei Dinge gleichzeitig mit gleicher Aufmerksamkeit erledigen, erklärt Bögeholz. Die Gefahren im Straßenverkehr lauern deshalb für Handynutzer überall. Im Film ist es die junge Fußgängerin, die die herannahende Stadtbahn nicht hört, weil sie Kopfhörer trägt. Oder der Autofahrer, der seinen Vater verliert und selbst schwer verletzt wird, weil der entgegenkommende Autofahrer telefonierend auf die falsche Fahrspur gerät.

Angebot steht allen Schulen offen

Die Polizeiinspektion Garbsen, zu der auch das Kommissariat in Ronnenberg zählt, bietet Veranstaltungen zu „Abgelenkt ... ist neben der Spur“ für alle Schulen in ihrem Einzugsgebiet an. Allerdings müssen sich die Schulen selbst um das Angebot bemühen, wegen des organisatorischen Aufwands möglichst mit einigem zeitlichen Vorlauf. Zielgruppe sind Jugendliche, die gerade oder bald einen Führerschein machen, also der 11. oder 12. Jahrgang. Ansprechpartner ist Karsten Schröder vom Präventionsteam der Inspektion Garbsen, Telefon (05131) 7014543 oder Email karsten.schroeder@polizei.niedersachsen.de. Auch Schulen aus anderen Bereichen dürfen sich dort melden. Sie werden dann an die zuständigen Stellen delegiert. uwe

Die Fälle sind echt genau wie die Verzweifelung der Mutter im Film, die fragt, wie es sich mit der Schuld leben lässt, wenn man „wegen so einer Kleinigkeit, ein Menschenleben auf dem Gewissen hat“.

Am Ende scheinen die meisten Schüler sichtlich beeindruckt zu sein. Sie sei sehr gespannt auf das Feedback in den kommenden Tagen, aber auch in einem halben Jahr, sagt Lehrerin Thormann. Die Frage ist, ob die Schüler nach diesem Erlebnis ihr Verhalten dauerhaft ändern werden.

Von Uwe Kranz

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