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1050 Jahre Ronnenberg – Ende des Streits?

Ronnenberg 1050 Jahre Ronnenberg – Ende des Streits?

Ronnenberg steht ein Jubiläum ins Haus: Offenbar haben sich die Historiker auf die urkundliche Ersterwähnung des Ortes im Jahr 968 geeinigt. 1050 Jahre feiern und dann die weitere Vergangenheit gemeinsam aufarbeiten – das ist der Plan von Bürgermeisterin Stephanie Harms.

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Karl Seemann (rechts) übergibt die Ergebnisse seiner Recherchen an die Ronnenberger Bürgermeisterin Stephanie Harms.

Quelle: Uwe Kranz

Ronnenberg.  “Den Weg zur historischen Wahrheit“ über Ronnenberg hatte Karl Seemann seinen Zuhörern am Montagabend in der Lütt Jever Scheune versprochen. Erreicht hat der Vorsitzende des Heimatbundes mit seinem Vortrag über die Ergebnisse seiner Recherchen zur Geschichte seines Heimatortes nicht alle der rund 50 Zuhörer, dafür aber eine Art Versöhnung mit der Stadtverwaltung. Der lange währende Streit über das Alter der Kernstadt scheint zunächst begelegt. 

Und mehr noch: Offenbar sind sich die Historiker nun einig über die älteste urkundliche Erwähnung Ronnenbergs, die auf das Jahr 968 zurückgehen soll. Demnach kann die Kernstadt in diesem Jahr ihr 1050. Bestehen feiern. Auch wenn der Referent zudem noch nicht bewiesene Thesen in den Raum stellte, wonach Ronnenberg schon vor Christi Geburt besiedelt worden sei. Damit erregte er nicht nur die Aufmerksamkeit der überwiegenden Mehrheit seiner Zuhörer, sondern auch die von Bürgermeisterin Stephanie Harms. 

Mit deren Vorgänger Wolfgang Walther hatte Seemann einen langen Streit ausgefochten über das Alter und die Bedeutung Ronnenbergs in der früheren Vergangenheit. Die Einigung auf 968 als älteste Beurkundung sieht Harms nun als gutes Zeichen dafür an, „dass man jetzt gemeinsam nach vorn schauen kann, bei der Aufarbeitung der Vergangenheit“. Interessiert nahm sie die schriftliche Zusammenfassung von Seemanns Ergebnissen entgegen, denen er nach eigenem Bekunden rund 1000 Quellenangaben beigefügt hat. 

Darin und in seinem Vortrag verteidigte der ehrenamtliche Historiker seine Ansicht, dass Ronnenberg schon früh ein wichtiges Zentrum in der Region gewesen sei. Seemann führte unter anderem Belege an für die Christianisierung mit ersten Hinweisen auf die Bonifatiuskapelle aus dem Jahr 1073, die erste Erwähnung der Michaeliskirche 1293, sowie dem Auftrag zur Schulgründung 1543 an. 

Ronnenberg sei zudem zentraler Begräbnisplatz, Blutgerichtsstandort und Namensgeber einer großen Vogtei gewesen. Hinweise gäbe es zudem auf einer Erstbesiedlung auf dem Haller Hof im Zentrum etwa zur Zeit von Christi Geburt. Etwa zu dieser Zeit sei auch eine Zollstation auf heutigem Ronnenberger Gebiet errichtet worden. Diese Thesen müssten allerdings noch bewiesen werden, räumte Seemann ein. 

Nach Meinung von Timo Fleckenstein von der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Ronnenberg stünden sich vor Prüfung von Seemanns Belegen zumindest zwei Historikermeinungen gleichwertig gegenüber. Der Hannoversche Professor Carl-Heinz Hauptmeyer hatte nämlich 2005 Ronnenberg eine besondere historische Bedeutung abgesprochen und dem Ort eine landwirtschaftliche Vergangenheit zugeordnet.

Karl Seemann (Mitte) präsentiert den Zuhörern die früheste belegbare Jahreszahl zum Alter Ronnenbergs

Karl Seemann (Mitte) präsentiert den Zuhörern die früheste belegbare Jahreszahl zum Alter Ronnenbergs.

Quelle: Uwe Kranz

Das bedeute aber nicht, dass die Stadt den Ausführungen Seemanns nicht offen gegenüber stehen würde, so Fleckenstein. Und Verwaltungschefin Harms ging noch ein Stück weiter: Da das Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung nicht mehr strittig sei, könne sie sich vorstellen, das daraus resultierende Jubiläum im letzten Quartal des Jahres auch gebührend zu begehen – im Rahmen der Möglichkeiten des im März zu beschließenden Haushalts. 

Und auch die Geheminisse, die sich möglicherweise rund um den Haller Hof im Boden verbergen, könnten bald gelüftet werden: Dort plant die Stadt nämlich  gerade ein Neubaugebiet.

Von Uwe Kranz

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