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Umland Ronnenberg Nachrichten Bundestag: Besucher blicken hinter die Kulissen
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00:28 29.03.2018
Neue Einblicke in die Arbeit der Bundespolitiker haben die Besucher aus der Region Hannover in Berlin erhalten. Quelle: Uwe Kranz
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 „Ach, du bist auch hier?“ Schon am Treffpunkt auf dem Hauptbahnhof in Hannover zeigt sich, dass die Region zwar groß ist, viele Menschen sich aber doch häufiger über den Weg laufen. Zumal dann, wenn sie wie die meisten der Reisegruppe bereits älteren Jahrgangs sind. Viele Teilnehmer erscheinen etwas aufgeregt. Der Grund: Es geht nach Berlin ins Zentrum der Macht in der Bundespolitik. 

Eingeladen zu der Reise hat das Büro des Abgeordneten Matthias Miersch (SPD). Wie jedes Mitglied des Bundestags darf er auf Kosten des Bundes drei Besuchergruppen pro Jahr empfangen. Wer hier mitfährt braucht aber kein Parteibuch. Ehepaare aus Barsinghausen, Ortsratsmitglieder aus Arpke, eine größere Gruppe der Flüchtlingshilfe in Ingeln-Oesselse, ein Schüler aus Gehrden mit seiner Freundin aus Empelde und den beiden dazugehörigen Vätern. Die Gruppe ist bunt gemischt. 

Jüngere Menschen zu den Fahrten in die Hauptstadt zu bewegen, sei nicht so einfach, erklärt Frauke Meyer-Grosu, die für das Büro des Abgeordneten die Fahrt betreut. Viele scheuten es, die Möglichkeit zu nutzen, Bildungsurlaub für die Fahrt nach Berlin zu beantragen. Ihnen entgeht ein Blick hinter die Kulissen der nationalen Parlamente. Von vorn herein außen vor sind dagegen alleinreisende Minderjährige. 

Von der Ankunft am Berliner Hauptbahnhof bis zur Rückfahrt rund zwei Tage später durchlaufen die Besucher ein eng getaktetes Programm mit seltenen Einblicken, etwa in ein kleines, wenig bekanntes Stasigefängnis in Potsdam. Wo die Gruppe ihren ersten Halt macht. Finanziert vom Bundespresseamt lernen sie vom Bus aus das politische Berlin kennen. „Das Programm ist anstrengend. Aber es soll wirklich etwas geboten werden“, sagt Miersch über den Charakter der Fahrten. 

Selbst die obligatorische Stadtrundfahrt am Morgen des zweiten Tages zeigt wenig von Fernsehturm und Stadtschlossbaustelle. Reiseleiterin Monika Kleiner führt die Gäste aus der Region Hannover stattdessen in die Stadtteile Marzahn und Hellersdorf, wo rund 300.000 Einwohner in schier unüberschaubaren Plattenbausiedlungen wohnen. Viel erinnert hier den Sahlkamp in Hannover. Dass es in Marzahn und Hellersdorf kaum soziale Brennpunkte geben soll, erstaunt deshalb die Besucher aus Niedersachsen genauso wie die Ausmaße der riesigen Siedlungen. 

Am Bundestag folgt auf die Sicherheitsüberprüfung die Einweisung in den Verhaltenskodex im Plenarsaal, wo gerade die Bundestagsdebatte läuft. „Sie dürfen sitzen, atmen und zuhören“, sagt der Sicherheitsmann mit ernstem Blick. Interessiert verfolgen die Gäste hier nicht nur die Reden. Wer kommt, wer geht und die Reaktionen auf den Abgeordnetenplätzen sind genauso spannende Unterhaltung und werden am abend noch viel diskutiert. Es sei schon etwas besonderes, „wirklich an einer Debatte teilzunehmen“, sagt Claus Siebert aus Empelde, der sich auch über das politische Interesse seiner mitgereisten 14-jährigen Tocher freut. 

Viele Besucher kommen nach Berlin

Der Bundestag in Berlin ist ein sehr beliebtes Reiseziel für politisch interessierte Bürger. Mit dem Besuchsdienst des deutschen Bundestages empfängt allein die CDU-Abgeordnete Maria Flachsbarth aus dem Wahlkreis 47 in der südlichen Region Hannover jährlich rund 25 Gruppen, wie ihre Büromitarbeiterin Laura Storch bilanzierte. Darunter sind Schulklassen genauso wie Kegelklubs oder Seniorenbeiräte. Diese Fahrten werden in begrenztem Maße finanziell bezuschusst. „Das ist aber nicht zu vergleichen mit dem All-Inclusive-Paket der Reisen die das Bundespresseamt anbietet“, sagt Storch. Jeder Abgeordnete hat bei diesem Angebot nach der aktuellen Regelung jährlich dreimal die Möglichkeit eine 50-köpfige Gruppe aus seinem Wahlkreis zu empfangen. Anmelden könne sich „jeder, der ein politisches Interesse offenbart und im Wahlkreis wohnt“. Eine Parteizugehörigkeit ist bei der Vergabe der Plätze unerheblich. Die Teilnahme kann beim Arbeitgeber als Bildungsurlaub geltend gemacht werden. Es kommt auch vor, dass ehrenamtliche Arbeit mit Einladungen zu diesem Reisen „belohnt“ wird. 

Deren Freund Sebastian Weschen aus Lenthe hatte die Tour für die kleine Gruppe eingefädelt. Bei einem Wahlkampfauftritt Mierschs kam er mit seinen Fragen nicht recht zum Zug – nach einer Stunde im Plenarsaal sollte seine Stunde nun in Berlin kommen: das Treffen mit dem Abgeordneten. Doch auch diesmal bleiben für den 15-Jährigen einige Fragen offen. „Es hätte länger dauern können“, fasste er zusammmen. 

Letztlich hatten viele der 50 Mitglieder der Reisegruppe Fragen an den Abgeordneten, beispielsweise über die Groko, eine mögliche Zusammenarbeit der SPD mit der Linken, die Zukunft der SPD im Jahr 2030 und den Familiennachzug von Flüchtlingen. Dazu gab Miersch einen Einblick in den Alltag eines Abgeordneten mit Wahlkreiswochen und den Parlamentswochen in Berlin mit „festgetaktetem Stundenplan“. „Erstaunlich, dass er so viel arbeiten muss“, sagte der Empelder Jörg Pöhler anerkennend. „Familienleben ist da nicht viel drin“, ergänzte Siebert. Ein kurzer Abstecher auf die Reichstagskuppel, dann wartet schon bald wieder der Bus. 

Rund 50 Besucher aus seinem Wahlkreis sind der Einladung von Matthias Miersch nach Berlin gefolgt. 

Am Schlusstag macht der Fahrer auf dem Weg vom Hotel zum Bahnhof noch zwei größere Schlenker: In der bundeseigenen Willy-Brandt-Stiftung hören die Besucher einen Vortrag über das Leben des frühern Bundeskanzlers – mit „vielen neuen Erkenntnissen“, wie Carsten Weschen zufrieden feststellte. Als letzte Station wartete schließlich ein Besuch im Bundesratsgebäude. „Ich wusste gar nicht, dass der so selten tagt“, wunderte sich Frank Meyer nach einer kurweiligen Führung mit vielen Details zu den Abstimmungen in der Länderkammer. „Davon bekommt man auch viel zu wenig mit“, monierte Carsten Weschen.

Auf dem Heimweg im ICE in Richtung Hannover haben die Berlin-Fahrer dann wenig später zum ersten Mal Zeit, die Erlebnisse der vergangenen zwei Tage ein bisschen sacken zu lassen. „Ein Glück, dass mein Schulleiter der Fahrt zugestimmt hat. Ich kann das nur weiter empfehlen“, schärmte Sebastian Weschen. „Man merkt, dass Politik für die Menschen wieder interessanter wird“, hatte hatte Reiseleiterin Kleiner zuvor festgestellt. Wenn das stimmt, dann lohnen sich die Fahrten der Bürger aus der ganzen Republik nach Berlin. 

 

Von Uwe Kranz

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