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00:15 20.07.2017
Museumsleiter Peter-Michael Köhler (links) erklärt einer Besuchergruppe die Arbeit der Bergleute. Quelle: Marcel Sacha
Empelde

Der Bergbau habe in Ronnenberg eine lange Tradition und sei epochemachend gewesen, sagt Vereinsvorsitzender Peter-Michael Köhler. 65 Jahrelang war in den drei Schächten im Stadtgebiet Kalisalz gefördert worden. In den Hochzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg waren dort mehr als 1100 Menschen beschäftigt gewesen. Ab den sechziger Jahren ging die Fördermenge jedoch rapide zurück, sodass die Produktion in Ronnenberg im Jahr 1973 eingestellt wurde.

In acht Räumen mit rund 300 Quadratmetern können im Museum die Vielfalt der damals bis zu drei Tonnen schweren gewonnenen Mineralien, die Gerätschaften und Arbeitskleidungen der Bergmänner sowie Zeitdokumente begutachtet werden. "Die Interessen der Besucher sind völlig unterschiedlich", erzählt Museumsleiter Köhler. Gemeinsam mit vier weiteren der rund 100 Vereinsmitglieder bietet er sonntags von 10 bis 14 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung 90-minütige Führungen durch das Kalisalzmuseum an. Während die einen Gruppen neugierig sind auf die wissenschaftlichen Aspekte, ziehe Familien mit Kindern eher die praktische Arbeit unter Tage an, sagt Köhler.

Für die jüngeren Besucher hat der Verein eine Aktivitätszone eingerichtet, in der die Jungen und Mädchen in die Fußstapfen der Bergleute treten können. Ein Streckenvortrieb und ein Blindschacht wurden originalgetreu nachgebaut. Die jungen Besucher können zum Beispiel einen mit Salz gefüllten Förderwagen auf Schienen auf- und abschieben. Auch Hammer und Meißel liegen bereit, mit denen sie Salz zerklopfen können. "So besteht für die Kinder zumindest im Ansatz die Möglichkeit, zu erahnen, was für eine schweißtreibende Arbeit die eines Bergmanns war", sagt Köhler.

Ein anderer Teil des Museums beschäftigt sich mit dem Grubenrettungswesen. Dort stellt der Verein unter anderem ein Exemplar der berühmten Dahlbusch-Bombe aus, mit der im Jahr 1963 in Lengede nach 14 Tagen noch ein Dutzend verschüttete Bergleute durch eine Bohrung gerettet werden konnten.

In regelmäßigen Abständen baut der Museumsverein seine Räumlichkeiten für Sonderausstellungen um, die sich intensiv mit einzelnen Teilaspekten der Kalisalzförderung, wie zum Beispiel dem Transport, auseinandersetzen. An besonderen Tagen wie Halloween oder der Walpurgisnacht verwandeln die Ehrenamtlichen für die kleinen Besucher das Museum in eine Geisterbahn oder rufen eine Hexenjagd aus. "Wir setzen vermehrt auf den spielerischen Ansatz der Wissensvermittlung", sagt Köhler. Das umfassende Angebot aufrechtzuerhalten, falle dem Verein jedoch nicht leicht, fügt der Museumschef hinzu. Neben den Mitgliedsbeiträgen sei der Verein insbesondere auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen, um den Umfang der Ausstellung zu halten.

Besuchergruppen können sich telefonisch unter (0511) 4340744 oder per E-Mail an kalisalzmuseum@gmail.com für Führungen anmelden.

Die Geschichte der Ronnenberger Kalisalzförderung

Die industrielle Kaliproduktion begann im Jahr 1894 mit ersten Erkundungsbohrungen auf dem Benther Salzstock. Nach dem Spatenstich zum Schacht Hansa I im Jahr 1896 erfolgte zwölf Jahre später die Aufnahme der der eigentlichen Produktion. Schnell folgte ein zweiter Schacht und die Fördermenge stieg in den zwanziger Jahren exponentiell an. Im Dezember 1936 erfolgte der erste Spatenstich für Hansa III, der 1959 seine Endteufe von über 1000 Metern erreichte.

Zum Produktionsablauf gehörten neben dem Abbau unter Tage auch mehrere Werkstätten, ein Kraftwerk zur Strom- und Dampferzeugung sowie eine Fabrik über der Erdoberfläche. Im Jahr 1966 stieg die Fördermenge in Ronnenberg auf 1,2 Millionen Tonnen und markierte damit den Höchstwert in der örtlichen Geschichte der Kalisalzproduktion.

Dann gab es einen rapiden Einbruch. Innerhalb von vier Jahren sank die Fördermenge um 75 Prozent - eine Entwicklung, die sich nicht mehr aufhalten ließ. Die Folge war, dass 1973 die Produktion eingestellt und das Werk stillgelegt wurde.

Fotostrecke Ronnenberg: Damit die Geschichte lebendig bleibt

Von Marcel Sacha

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