Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Abschied vom geliebten Gotteshaus
Umland Ronnenberg Nachrichten Abschied vom geliebten Gotteshaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:18 22.01.2016
Von Kerstin Siegmund
Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger feiert mit den Gläubigen in der voll besetzen Kirche den letzten Gottesdienst. Quelle: Kerstin Siegmund
Empelde

"Die Kirche ist toll, sie soll stehen bleiben". Mit diesem Eintrag, einem der letzten im Gästebuch der Gemeinde, fasst ein Besucher zusammen, was am Freitagabend in der katholischen Kirche an der Berliner Straße in Empelde zu spüren war: Viele Gemeindemitglieder verstehen die Entscheidung des Bistums Hildesheim als Eigentümer nicht, dass im März 1960 geweihte Gotteshaus aufzugeben und zu verkaufen.

Auf die Trauer der Gläubigen weisen Grablichter vor der Eingangstür hin - und der stille Protest einer Kirchenbesucherin. Sie hält während der Zeremonie ein Schilder mit der Aufschrift "Warum?" in die Höhe. Zumal die Kirche an den Sonntagen so voll gewesen sei wie an ihrem letzten Tag, sagt Pfarrer Clemens Teichert in seiner Begrüßung -und der Besucher an dem im März 1960 geweihten sakralen Bau keinen Makel erkennen kann.

Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger, der die letzte Eucharistiefeier in der Kirche leitet, geht auf "den Kummer und den Zorn" ein, der in der Gemeinde spürbar sei. Er spricht die Veränderungen in der Gesellschaft hin, die es mit sich brächten, dass eine Kirche aufgegeben werden müsse, "die den Empeldern ans Herz gewachsen" sei. Der Vertreter des  Bistums versucht Trost zu spenden. "Unser Zuhause ist das Wort Gottes, wenn wir aus dieser Kirche weggehen", ruft Schwerdtfeger den Besuchern zu. Er wolle den Schmerz nicht kleinreden, aber "Gott geht weiter mit uns mit."

Die Gemeinde verliert ihre Heimat, ob die Worte des Weihbischofs trösten können? Er versucht es mit einem Hinweis auf die Heilige Familie - Maria, Josef und das Jesuskind. "Diese Familie ist selbst weggegangen, nach Ägypten geflohen", sagt Schwerdtfeger. Damit verweist er auf die neue Nutzung des Gebäudes, das vom Bistum verkauft wird. In der am Freitagabend entwidmeten Kirche sollen vorübergehend Flüchtlinge einziehen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll das Gotteshaus abgerissen und auf dem Grundstück Wohnungen für alte und behinderte Menschen gebaut werden.

Ein Stück Heilige Familie ist am Freitagabend in die evangelische Kirche gewandert. Nach dem letzten Gottesdienst wurde die Marienfigur in einer feierlichen Prozession zur Hallerstraße getragen.

Mit Grablichtern drücken die Empelder Katholiken ihre Trauer über die Schließung der Kirche aus. Quelle: Kerstin Siegmund
Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wasserschaden und Versorgungsausfall: Nach einem Rohrbruch an der Hauptversorgungsleitung ist an der Staßfurter Straße in einem Reiheneckhaus der gesamte Keller überflutet worden. Damit das im Erdreich versickert Wasser nicht noch weitere Schäden anrichtet, wurde für eine ganze Häuserzeile die Wasserzufuhr abgestellt.

Ingo Rodriguez 22.01.2016

Die Bedeutung von Tagesmüttern und -vätern im Ronnenberger Stadtgebiet nimmt zu. 56 Jungen und Mädchen werden in fünf Ortsteilen betreut.

24.01.2016

Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger feiert am morgigen Freitag um 18 Uhr den letzten Gottesdienst in der katholischen Kirche Heilige Familie. Das Bistum Hildesheim gibt die Kirche auf. Das Grundstück und die Kirche an der Berliner Straße 20 werden verkauft.

Kerstin Siegmund 20.01.2016