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Nachrichten Erster Einsatz in Uniform: Ein Tag mit Polizeianwärterin Jana Homann 
Umland Ronnenberg Nachrichten Erster Einsatz in Uniform: Ein Tag mit Polizeianwärterin Jana Homann 
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12:18 26.02.2018
Der Weg zur Uniform: Jana Homann ist zum ersten Mal auf Streife. Begleitet wird sie vom erfahrenen Kollegen Thomas Kastelitz. Quelle: Lisa Malecha
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Ronnenberg

„Ich glaube, das ist er“, sagt Jana Homann, als der Streifenwagen langsam an dem glatzköpfigen Mann vorbeirollt, der an der Bushaltestelle steht und an seiner Zigarette zieht. Dann folgt ein Moment des Zögerns, ein Blick zum Sitznachbarn. „Kannst du die Personenkontrolle übernehmen?“, fragt die junge Frau ihren Kollegen Thomas Kastelitz mit Blick auf den Mann, den die Polizei bereits seit dem frühen Mittag sucht. Ab jetzt hält Homann, 25 Jahre alt und Polizeianwärterin, sich im Hintergrund, beobachtet die Situation genau. Später sagt sie: „Der sah für mich so aus, als sollte er besser von einem erfahrenen Kollegen angesprochen werden.“  

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Jana Homann schaut sich die Schäden am Fahrzeug an, dass die Anruferin touchiert hat.

Begonnen hat der Tag für Homann und Kastelitz bereits vor fast fünf Stunden im Polizeikommissariat Ronnenberg. Umziehen, Teambesprechung und schon wurde der erste Einsatz gemeldet: Besuchern aus Österreich wurde der Autoschlüssel gestohlen. Doch als Homann und Kastelitz am Tatort ankommen, fehlt von den Betroffenen jede Spur. Während sie noch ihre Kreise auf dem Parkplatz des Empelder Supermarkts drehen, erzählt Homann, warum Polizistin überhaupt ihr Traumberuf ist: „Der Job ist wahnsinnig vielfältig, und ich merke immer mehr, wie sehr er mich begeistert“, schwärmt die 25-Jährige. Jeder Tag sei anders, man wisse nie, was einen erwartet und man hilft jeden Tag auch noch vielen Menschen. „Und es freut mich einfach, wenn ich dazu beitragen kann, dass eine Straftat aufgeklärt wird.“ 

Bereits als Schülerin hat Homann ein Praktikum bei der Polizei gemacht. Doch erst mit 18 sei ihr klar geworden, dass sie Polizistin werden will. „Vorher habe ich eine Lehre angefangen, doch die musste ich aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.“ Während Homann erzählt, folgt die nächste Alarmierung. Für Außenstehende sind die Informationen, die durch das Funkgerät zu hören sind, kaum verständlich. „Eine Frau hat angerufen, ihr Mann sei betrunken mit dem Auto weggefahren“, erklärt Homann, was die Buchstaben und Zahlenfolgen sowie die zahlreichen Abkürzungen bedeuten. 30 Minuten sei das ganze schon her – jetzt zählt jede Minute. 

Während Kastelitz wendet und in Richtung Adresse der Anruferin fährt, drückt Homann einen bestimmten Knopf auf dem Funkgerät, das sich immer wieder mit Stimmen, Knacken und Rauschen meldet. „Ich gebe an, dass wir auf dem Weg sind und somit für andere Einsätze ausfallen“, sagt sie. Das Auto – ein Dacia – des mutmaßlich betrunkenen Mannes wird zur Fahndung ausgeschrieben. Wie das Fahrzeug aussieht, googelt die junge Frau mit dem blonden Zopf nebenbei auf dem Handy. Wenige Minuten später parkt der Streifenwagen vor einem Mehrfamilienhaus. Die Tür wird mit einem Summen geöffnet, Homann und Kastelitz betreten den Flur und blockieren die Tür, damit sie nicht zufällt. „Das dient der Eigensicherung – wir wissen ja nie, ob man mal schnell Verstärkung braucht“, sagt Kastelitz. „Die sollen dann schnell hoch kommen können, ohne dass einer von uns noch die Haustür öffnen muss.“ 

In der Wohnung werden die beiden von einer sichtlich aufgelösten Frau begrüßt. Sie wischt sich die Tränen aus dem Gesicht und fängt an zu erzählen. „Wir hatten Streit, er kam betrunken nach Hause – dann ist er mit dem Auto weg.“ Im Hintergrund steht ihre kleine Tochter, die die ganz Aufregung um den verschwunden Vater mitnimmt. Immer wieder muss Homann die Frau beruhigen, das Kind anlächeln, signalisieren, dass alles wieder gut wird. Dann sagt die Frau plötzlich: „Er hat mit seiner Tochter telefoniert und gesagt, er fährt gegen den nächsten Baum.“ Sofort müssen Homann und ihr Kollege reagieren. „In so einem Fall können wir eine Handyortung beantragen“, sagt Kastelitz. 

„Welche Voraussetzungen müssen für die Ortung erfüllt sein?“, fragt Homann, als die beiden wenige Minuten später wieder im Streifenwagen sitzen und die Umgebung auf der Suche nach dem Dacia des Vermissten abfahren. „Unter anderem die Gefahr für Leib und Leben“, antwortet Kastelitz. Konzentriert schaut Homann aus dem Fenster, immer auf der Suche nach dem Fahrzeug. Im Hintergrund rauscht das Funkgerät, immer wieder werden die Kollegen zu Einsätzen gerufen – doch dafür haben die beiden jetzt keine Zeit. Zunächst werden die Straßen in der Umgebung abgefahren. Erfolglos. Schließlich melden sie sich wieder bereit zum Einsatz – die Handyortung lässt auf sich warten, der Telefonanbieter meldet Probleme. Die Suche nach dem Vermissten wird das Team noch ihren ganzen Dienst über beschäftigen. 

Nur wenige Minuten nachdem Homann signalisiert hat, dass ihr Wagen wieder einsatzbereit ist, kommt auch schon der nächste Auftrag: ein Unfall. Eine Frau hat ein parkendes Auto gestreift. „Willst du?“, fragt Kastelitz, der 48-jährige Polizeioberkommissar ist seit 19 Jahren bei der Polizei und weiß, wann er der Anwärterin etwas mehr Verantwortung geben kann – ja sogar muss, damit sie etwas lernt. „Dafür sind wir ja da.“ 

Natürlich sei es immer etwas anderes, mit einem Anwärter auf Streife zu sein. „Da muss man schon genau gucken“, sagt Kastelitz. Man dürfe nie vergessen, dass jemand mit einem im Auto sitzt, der noch lernt. „Da passieren nun einmal Fehler – da redet man dann drüber und dann passieren sie nicht mehr.“ Doch bei dem Unfall passieren heute keine Fehler. Jana Homann übernimmt ohne zu zögern die Führung. Sie belehrt die Unfallverursacherin, nimmt die Personalien auf, schreibt den Hergang auf und prüft, ob die Spuren an den Autos sich mit den Schilderungen der Frau decken. Dabei wirkt sie erstaunlich routiniert – immerhin ist sie erst seit wenigen Wochen aktiv im Einsatz. 

Das war nicht immer so, gesteht sie später im Streifenwagen. „Bei meinem ersten Unfall war ich mega aufgeregt“, erinnert sich Homann. Die Stimme war zittrig, sie habe sich unsicher gefühlt. „Du darfst nicht vergessen: Für die Bürger bist du eine ganz normale Polizistin“, beruhigt Thomas Kastelitz. „Die sehen den Unterschied zwischen Anwärter und Hauptkommissar nicht.“ Dennoch – oder vielleicht gerade weil die Bürger es nicht sehen – hat die 25-Jährige anfangs noch klargestellt, dass sie noch in der Ausbildung ist. „Natürlich nur gegenüber Zeugen – einem Straftäter hätte ich das so nicht auf die Nase gebunden.“ 

Sie habe schnell gemerkt, dass man die Unsicherheit verbergen muss. „Manchmal muss man einfach sein Pokerface aufsetzten“, sagt Homann. Manchmal, aber manchmal dann eben auch nicht. Dann sei es besser, den erfahrenen Kollegen den Vortritt zu lassen. Und genau das macht sie dann auch, als nach stundenlanger Suche der Vermisste vom Mittag gefunden wird. Zunächst erhalten Homann und Kastelitz die Meldung, dass das Auto des Mannes gesichtet wurde. Mit Blaulicht und Martinshorn beginnt die Fahrt von Arnum, wo sie als Einbruchsprävention durch ein Wohngebiet gefahren sind, zurück nach Empelde. Die Kollegen sind mit einem weiteren Streifenwagen bereits vor Ort – doch von dem Auto und dem Vermissten fehlt jede Spur.

„Der muss hier noch ganz in der Nähe sein“, sagt Homann aufgeregt. Sofort fahren sie und ein weiterer Streifenwagen die Gegend systematisch ab. „Wir haben das Auto“, verkünden die Kolleginnen im zweiten Streifenwagen wenige Minuten später. Und als Homann und Kastelitz bei ihren Kolleginnen ankommen, entdeckt Homann direkt um die nächste Ecke auch den Besitzer des Fahrzeugs. Der Mann wirkt abwesend, die roten Augen fallen Homann bereits aus dem Streifenwagen heraus auf. 

Während ihr Kollege die Personalien feststellt und dem Vermissten die Lage erklärt, hält sich Homann zurück, beobachtet den erfahrenen Kollegen. Der Mann wird nun auf die Wache gefahren. Dass er sich umbringen wollte, dementiert er. Die ganze Aufregung, die Fahndung, jetzt die Fahrt zur Wache – das alles kann er nicht nachvollziehen. „Auch wenn er sich nichts angetan hat, solche Hinweise muss man immer ernst nehmen“, sagt Kastelitz. Denn am Ende sei es besser, 99 Mal umsonst raus zu fahren, solange man das eine Mal, das zählt, vor Ort ist. 

Auf der Wache beginnt dann das Warten. Der spezielle Atemalkoholtest, den sie auf der Wache machen und dessen Ergebnis vor Gericht zulässig ist, zeigt nur einen Wert von unter 0,5 Promille. Dennoch wird ein Arzt gerufen – auch um den psychischen Zustand des Mannes einzuschätzen. Für Homann beginnt nun der Papierkram. Alle Einsätze müssen aufgeschrieben und abgeheftet werden. Und auch, nachdem der Arzt erscheint, ist ihr Dienst noch nicht zu Ende. „So ist das eben, die Arbeit am Schreibtisch gehört auch dazu – und das kann jetzt noch dauern.“

So läuft das Bewerbungsverfahren und die Ausbildung

Insgesamt 1665 Interessenten haben sich für 2018 bei der Polizeidirektion Hannover beworben. Für nur etwa 300 von ihnen wird sich der Traum vom Job als Polizist erfüllen. Dazu kommen noch etwa 40 angehenden Fachoberschüler (271Bewerbungen), die über diesen "Umweg" 2019 oder 2020 eingestellt werden. Doch wer es in diesem Jahr nicht geschafft hat, der kann sich schon jetzt für die nächste Runde bewerben. Noch bis Ende Oktober werden Bewerbungen entgegengenommen. Wer Polizist werden will, der muss zudem einige Voraussetzungen erfüllen: Vorausgesetzt ist ein Realschulabschluss oder ein höherwertiger Schulabschluss für den den Fachoberschulweg, wer direkt ins Studium einsteigen will, der muss sogar die Fachhochschulreife haben. Außerdem dürfen Bewerber maximal 31 Jahre alt sein.

Einstellung in den Polizeivollzugsdienst erfolgt in Niedersachsen "regionalisiert", daher bewerben sich alle Interessierte schon mit Hinblick auf ihren späteren Dienstort – auch wenn das Studium zentral abläuft. Zunächst müssen die Bewerbungsunterlagen, die auf der Homepage unter polizei-studium.de heruntergeladen werden können, ausgefüllt werden, im Anschluss gibt es eine medizinische Vorprüfung. Bis zu 20 Prozent der Bewerber werden dabei schon wegen Polizeidienstuntauglichkeit abgelehnt. Einige Wochen nach dem Eignungstest und der Sportüberprüfung werden die Bewerber dann zu einem Auswahlgespräch eingeladen. „Dabei werden einem schon Sachverhalte dargelegt und man muss spontan sagen, wie man mit der Situation umgehen würde“, sagt Homann. Für alle, die die Bewerbungsphase überstehen folgt dann die Ausbildung. Das Studium ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Zunächst werden den Studenten die Grundlagen des Berufs nähergebracht, es folgt ein sechsmonatiges Fachstudium sowie zwei dreimonatige Praktika. „Das spannendste für mich war bisher der Bereich Grund- und Eingriffsrecht“, sagt Homann. Dabei lernen die Anwärter, was sie rechtlich gesehen dürfen und was nicht. „Da muss man sich sehr sicher sein.“ Doch auch die praktischen Trainingseinheiten seien sehr wichtig. „Am Ende hat man vor Beginn des Praktikums noch Respekt vor dem Job, aber keine Angst mehr – immerhin wurden einem alle Grundlagen gut vermittelt.“ Nach dem Praktikum geht es für weitere 12 Monate in eine Vertiefungsphase. „Da geht es dann auch um Spurensicherung, Täterbild und vieles mehr.“

Von Lisa Malecha

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