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Ronnenbergs Geschichte: Wie geht die Stadt damit um?

Ronnenberg Ronnenbergs Geschichte: Wie geht die Stadt damit um?

In Bezug auf das historische Erbe ihrer Stadt tun sich viele Ronnenberger schwer. Neue Quellen, die Karl Seemann laut eigenem Bekunden am Montag vorgelegt hat, sollen auf eine über 2000-jährige Vergangenheit hindeuten. Was macht die Stadt mit diesen Informationen und welche Möglichkeiten hat sie?

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Karl Seemann (Mitte) trägt in der Lütt Jever Scheune den Zuhörern seine Erkenntnisse über Ronnenbergs frühe Geschichte vor.

Quelle: Uwe Kranz

Ronnenberg.  Die Forderung, die Karl Seemann am Ende seines Vortrags stellte, ging einigen im Raum ein bisschen über das Ziel hinaus: Ronnenberg solle in Zukunft den Beinamen „Tempelbergstadt“ im Namen tragen, erklärte der Referent. Trotz seines Vortrages, der viele seiner 50 Zuhörer in Bezug auf das historische Erbe der Stadt hellhörig gemacht hatte, erschien dies aber auch Stephanie Harms zu forsch. Die Bürgermeisterin nahm den Abend aber zum Anlass um in Zukunft gemeinsam mit Seemann die Geschichte Ronnenbergs unter die Lupe zu nehmen. 

Der Vorsitzende des Heimatbundes hatte seinen Heimatort als „ein vermutlich vieltausendjähriges spirituelles Zentrum auf dem Tempelberg, dem späteren Kirchenhügel“ bezeichnet. 1000 Jahre als Kirchenzentrale mit den beiden Gotteshäusern Bonifatius Kapelle und Michaeliskirche, einem Amtshof, dem Gerichts- und Richtplatz und eine Vogtei sowie 475 Jahre mit einer Mittelpunktschule seien belegt, waren das Fazit seines Vortrages in der Lütt Jever Scheune. Eine entsprechende Drucksache mit rund 1000 Quellenangaben legte er dazu vor. 

Timo Fleckenstein von der Unteren Denkmalbehörde der Stadtverwaltung war gebremst optimistisch: „Belege sind noch keine Beweise“, sagte er. Allerdings stünde er auch dafür, „nach allen Richtungen zu schauen“. Man müsse nun sehen, was von den Informationen Seemanns für die Stadt nutzbar sein könnte. „Mit einem Blutgericht im Briefkopf lasse sich sicher nicht punkten“, scherzte die Bürgermeisterin, die eine erforschte Geschichte gern auch für touristische Zwecke verwenden würde, wie sie einräumt. Das Interesse an diesem Thema sei bei der Stadt in jedem Fall vorhanden, sagte sie.

Urkundlich erwähnt wurde Ronnenberg erstmals im Jahr 968. Alles, was Seemann in der Zeit davor vermutet, bedarf zusätzlicher Beweise, möglicherweise durch Grabungen oder Recherchen, beispielsweise in ungesichteten Fundstücken, die im Landesmuseum aufbewahrt werden. „So etwas ist aber nicht mit 2000 Euro zu machen“, dämpfte Harms die Erwartungen. Geprüft werden soll stattdessen, ob möglicherweise mithilfe von Studien- oder Doktorarbeiten auf Grundlage einer Kooperation mit der Universität Göttingen die Suche nach Beweisen für die frühzeitliche Besiedlung Ronnenberg vorangetrieben werden könnte.

Vielleicht hilft auch der Zufall, Licht in die geschichtlichen Schatten zu bringen. Bereits jetzt würden alle Grundstücke im Stadtgebiet vor dem Start einer Neubebauung archäologisch untersucht, erklärte Fleckenstein. Zuletzt sei dies am Dienstag während einer Sondierung auf dem Grundstück Hirtenstraße 14 in Empelde geschehen.

Und dann sind da ja noch die Umgestaltung des Ortskerns und das Neubaugebiet Im Sacke/Meiergarten, beides direkt in der Wiege des Ortes Ronnenberg. Mit Seemanns Ausführungen dürfte die Neugier deutlich angestiegen sein, was bei den dafür nötigen Arbeiten zutage gefördert wird und welchen Namenszusatz sich die Stadt dann möglicherweise tatsächlich gibt. 

Von Uwe Kranz

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