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Ronnenberg Am neuen Hirtenbach wächst giftiges Kraut
Umland Ronnenberg Am neuen Hirtenbach wächst giftiges Kraut
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15:54 12.07.2018
Nicolet Flore zeigt in ihrem Garten unweit des renaturierten Hirtenbaches das wuchernde Jakobs-Kreuzkraut Quelle: Ingo Rodriguez
Ronnenberg

Auslöser von allergischen Hautreaktionen, aber auch eine Gefahr für Tiere und Insekten: Am Ufer des renaturierten Hirtenbaches und in angrenzenden Gärten breitet sich derzeit das giftige Jakobs-Kreuzkraut aus. Auch bei Anwohnerin Nicolet Flore wuchert das Gewächs mit den auffälligen gelben Blüten hinter ihrem Haus – nur einen Steinwurf vom früheren Bett des Hirtenbach-Altarmes entfernt und nahe dem vor etwa zwei Jahren neu angelegten Bachbett mit ökologisch wertvollen Bepflanzungen.

Nicolet Flore zeigt in ihrem Garten unweit des renaturierten Hirtenbaches das wuchernde Jakobs-Kreuzkraut. Quelle: Ingo Rodriguez

„Es ist das erste Mal, dass ich in unserer 40 Jahre alten Siedlung dieses Kraut bei mir entdeckt habe“, sagt Flore. Als langjährige Pferdebesitzerin weiß sie um die Gefahr, die von der hübsch anzusehenden Pflanze ausgeht. „Auf Weiden wird das giftige Kraut regelmäßig mit dem gesamten Wurzelwerk ausgestochen, weil die Tiere die Blüten sonst fressen und dann Leberschäden die Folge sein können“, weiß Flore. Ihr Problem: Die Pflanze ist sehr anspruchslos und breitet sich rasend schnell aus. „Problematisch ist das Kraut aber auch für Imker und die Honigproduktion, wenn Bienen die Blüten anfliegen“, sagt Flore. Für sie ist die Ausbreitung des Krauts in erster Linie mit viel Arbeit verbunden. „Sieht ja schön aus, aber es ist schwer, das Zeug wieder los zu werden“, sagt Flore. Immerhin werde dazu angeraten, das gesamte Wurzelwerk zu entfernen und dabei möglichst Handschuhe zu tragen, um Hautreaktionen zu vermeiden.

Merkwürdig findet die Anwohnerin jedoch den Zeitpunkt ihrer Entdeckung: Immerhin sei ja vor gut zwei Jahren erst die Renaturierung des Hirtenbachs und die dazu gehörige Bepflanzung abgeschlossen worden. „Möglicherweise wurden dabei falsche Saatmischungen verwendet“, spekuliert Flore. In Ufernähe seien im dichten Böschungsbereich mehrfach auffällige gelbe Blüten zu sehen, sagt die Anwohnerin und zeigt auf eine Stelle hinter ihrem Garten in der schwer zugängigen Böschung am Altarm des Hirtenbachs.

Auch entlang der Uferböschung des renaturierten Hirtenbaches ist stellenweise das gelb blühenden Kraut zu sehen (im Hintergrund, Bildmitte) Quelle: Ingo Rodriguez

Die Ronnenberger Stadtverwaltung weist die Vorwürfe einer versehentlichen Aussaat von Jakobs-Kreuzkraut zurück. Die Renaturierung hatte die Stadt gemeinsam mit dem Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere Leine umgesetzt. „Dabei sind regional zertifizierte Mischungen einer Saatgutfirma benutzt worden, die penibel darauf achtet, dass keine Samen des giftigen Krauts darin enthalten sind“, sagt Astrid Wendt vom kommunalen Team Ökologie und Klimaschutz der Stadt. Aus den Saatmischungen seien die gelben Pflanzgruppen am Hirtenbach nicht hervor gegangen. Vielmehr vermute sie in China produziertes Vogelfutter aus Supermärkten als Ursache. „In den Produkten sind regelmäßig auch Jakobs-Kreuzkrautsamen von verunreinigten Sonnenblumenfeldern enthalten, die von den Vögeln beim Fressen aussortiert werden“, sagt Wendt.

Renaturierung ist Gemeinschaftsprojekt

Die großangelegte Renaturierung des Hirtenbachs ist vor gut zwei Jahren vom Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere Leine (UHV) in Kooperation mit der Stadt Ronnenberg umgesetzt worden. Am nördlichen Rand der Kernstadt wurde großzügig ein neuer Lauf für den Hirtenbach angelegt. Entstanden ist auf einer Fläche von rund 9000 Quadratmetern zwischen dem Regenrückhaltebecken Wilhelm-Humbeck-Straße und der Empelder Straße ein ökologisches Profil für den Bachlauf in einem Korridor von 18 Metern Breite. Am früheren Bett des weiterhin bestehenden Hirtenbach-Altarmes und damit an den Grundstücksgrenzen dient ein Wall als Hochwasserschutz. Die Halbinsel wurde mit Obstbäumen bepflanzt. Aufschüttungen und kleine Mauern sollen Erdinsekten eine Heimat bieten. Ein speziell konzipierter Bereich soll außerdem Kindern den Zugang zum Spielen am Wasser erleichtern. Die ökologische Aufwertung des Gewässers wurde als externe Kompensation dem naturschutzrechtlichen Ausgleichsbedarf für den Bohrplatz der GHG Gasspeicher Hannover GmbH zugeordnet und dementsprechend finanziert. An den Gesamtkosten von rund 140 000 Euro war die Stadt Ronnenberg mit 70 000 Euro beteiligt.

Sie hält die Ausbreitung jedoch auch für völlig natürlich. „An der Kückenmühle in Ronnenberg und an vielen anderen Standorten wächst das Kraut auch, weil die flugfähigen Samen durch den Wind verbreitet werden“, sagt Wendt. Ihre Empfehlung: Mit Handschuhen rausrupfen. Nur bei sehr empfindlichen Menschen könne es nach Kontakt zu allergischen Hautreaktionen kommen. Auch für die Honigproduktion sei das Kraut nicht problematisch. „Nur bei Pferden und Tieren, die Jakobs-Kreuzkraut fressen, kann die Wirkung sehr gefährlich sein, deshalb ist ja auch Heu von Feldern, auf denen auch stellenweise die gelben Blüten wachsen, schwer zu vermarkten“, weiß Wendt.

Anspruchslos und widerstandsfähig

Das Jakobs-Kreuzkraut, latainisch Senecio jacobaea, ist eine mehrjährige Pflanze mit einer Wuchshöhe von bis zu einem Meter. Gefürchtet ist es wegen der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA. Diese schädigen die Leber von Tieren, die die Pflanzen fressen, allen voran Pferde und Kühe, aber auch Schafe und Ziegen. Gelegentlich kann der Kontakt auch bei Menschen zu Hautreizungen und anderen allergischen Reaktionen führen. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Blattrosette aus. Im zweiten entwickelt sich der Stängel, auf dem die Blütenstände sitzen. Die gelben Blütenkörbchen entfalten sich ab Juni. Nach der Blüte bildet die Pflanze flugfähige Samen, die durch den Wind verbreitet werden. Sie ist anspruchslos, dafür aber sehr widerstandsfähig. Das Wurzelsystem des Krautes ist von der Pfahlwurzel ausgehend büschelartig verzweigt. Aus diesen Wurzelverzweigungen kann die Pflanze erneut austreiben.

Nahe der Uferböschung des renaturierten Hirtenbaches ist an mehreren Stellen das gelb blühende Kraut zu sehen. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez

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