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Ronnenberg Der Seniorenbeirat drückt aufs Tempo
Umland Ronnenberg Der Seniorenbeirat drückt aufs Tempo
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12:07 12.10.2018
Äußerst kurze Grünphase: Doris Eickemeyer und Udo Witt müssen sich bei ihrem Selbstversuch an der Ampel beeilen, um vor dem Signalwechsel die andere Straßenseite zu erreichen. Quelle: Ingo Rodriguez
Ronnenberg

Es ist ein Selbstversuch mit einer ernüchternden Erkenntnis: Doris Eickemeyer und Udo Witt vom kommunalen Seniorenbeirat der Stadt sind extra nach Ronnenberg gekommen, um am Knappenweg eine von älteren Bürgern mehrfach kritisierte Ampelschaltung zu überprüfen. Nachdem Eickemeyer auf den Knopf für Fußgänger gedrückt hat, geht alles sehr schnell: Bis die Fußgängerampel auf Grün springt, vergeht kaum Zeit. Dann macht sich das Duo auf den Weg, betritt die Fahrbahn – muss aber plötzlich aufs Tempo drücken und die Straße auf den letzten Metern im Laufschritt überqueren. „Das Signal springt wirklich schnell auf Rot um – viel zu schnell für ältere Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind“, sagt Eickemeyer.

Das Experiment des Vorstandsduos passt ins Bild: Der Seniorenbeirat hat seit seiner Einführung vor eineinhalb Jahren mächtig aufs Tempo gedrückt, um sich für die Belange von älteren Bürgern einzusetzen. Die Liste der angeschobenen und umgesetzten Projekte ist lang: Sich bei den zuständigen Verkehrsbehörden für längere Grünphasen an schlecht getakteten Fußgängerampeln stark zu machen, ist nur ein Arbeitsschwerpunkt.

In Benthe wurde nach dem Einwirken des Beirates am Dorffriedhof sogar ein mobile Toilette aufgestellt, weil zuvor immer wieder ältere Friedhofsbesucher auf ihrer vergeblichen Suche nach einem Klo notgedrungen bei Anliegern geklingelt hatten. Außerdem hat der Beirat im Stadtgebiet auf Fußwegen eine Bestandsaufnahme von „Stolperfallen“ und fehlenden Bordsteinabsenkungen gemacht. „Die Standorte werden jetzt von der Stadt teilweise unbürokratisch abgearbeitet, für weitere Stellen haben wir Anträge gestellt“, sagt die Vorsitzende Eickemeyer.

Obwohl das Gremium mit seinen Aktionen immer wieder in die Öffentlichkeit geht – wie etwa bei einer Unterschriftensammlung für eine bessere Hausarztversorgung – hält es der Vorstand für notwendig, die öffentliche Wahrnehmung zu verbessern. „Wir werden noch oft gefragt, was wir denn so machen würden“, sagt Schriftführer Udo Witt. Auch deshalb präsentiert das im April 2017 per Briefwahl abgeordnete Gremium nach der Hälfte der Amtsperiode eine Halbzeitbilanz: Die Unterschriftenliste sei zum Beispiel mit 777 Einträgen der Kassenärztlichen Vereinigung übermittelt worden – mit dem Verweis auf überfüllte Wartezimmer in Empelde. „Man hat uns die Unterversorgung bestätigt und immerhin eine Dringlichkeit registriert“, sagt Eickemeyer.

In ihrer Auflistung stehen auch die Bemühungen um die Beleuchtung einer Bushaltestelle an der Bundesstraße 217 . Nach einer Eingabe des Seniorenbeirates soll an dem Haltepunkt nahe der Kreuzung Ihmer Tor spätestens bis 2019 eine Laterne installiert werden. Weitere Leistungen des Gremiums: In Weetzen wurde eine Sitzbank aufgestellt, entlang der renaturierten Ihme sollen weitere folgen, in Supermärkten wurden Kummerkästen für Senioren aufgehängt, dazu kommen Informationsveranstaltungen sowie die Einführung eines Klönnachmittages. Angesichts der bislang kurzen Amtszeit und angesichts eines überschaubaren jährlichen Budgets von 5000 Euro für Aktionen und Investitionen hoffen die elf ehrenamtlichen Beiratsmitglieder, mit ihren Leistungen künftig stärker wahrgenommen zu werden.

Aufmerksamkeit benötigt der Seniorenbeirat auch für sein nächstes Projekt. „Wir wollen einen ehrenamtlichen Handwerkerservice als Nachbarschaftshilfe für kleinere Reparaturen aufbauen“, kündigt Eickemeyer an.

Der Seniorenbeirat der Stadt Ronnenberg Quelle: Archiv

Interessenvertretung für rund 6500 Senioren

Im Frühjahr 2017 hatten 6585 Ronnenberger Einwohner einen Monat lang Zeit, per Briefwahl über die Zusammensetzung des elfköpfigen ehrenamtlichen Seniorenbeirates abzustimmen. Wahlberechtigt waren alle Einwohner über 60 Jahre. Die Wahlbeteiligung lag bei 33 Prozent. Das Gremium soll – auch angesichts des demografischen Wandels – noch mehr die Interessen, Sorgen, Ängste und Wünsche von älteren Menschen im Stadtgebiet vertreten. Die Beiratsmitglieder erhalten kein Sitzungsgeld, das Gremium verfügt aber über ein jährliches Budget von 5000 Euro für Aktionen und Investitionen. Die Mitglieder treffen sich zu etwa zwölf Sitzungen pro Jahr: Die Hälfte der Treffen sind öffentlich, die weiteren intern. Die Mitglieder engagieren sich aber auch noch zusätzlich in vier Arbeitsgruppen des Seniorenbeirates. Die Schwerpunkte sind „Mobilität und Verkehr“, „Sport, Gesundheit, Pflege“, „Stadtentwicklung, Wohnen, Umwelt“ sowie „Kultur und Bildung“. Desweiteren gehören einzelne Beiratsmitglieder auch in beratender Funktion verschiedenen kommunalen Fachausschüssen an. Die Amtsperiode des Seniorenbeirats endet im Frühjahr 2020. Dann stehen Neuwahlen an.

Von Ingo Rodriguez

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