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Ronnenberg Rund 400 Ronnenberger protestieren gegen Haldenabdeckung
Umland Ronnenberg Rund 400 Ronnenberger protestieren gegen Haldenabdeckung
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00:16 03.12.2018
Vor und im Gemeinschaftshaus protestieren rund 400 Ronnenberger mit Bannern, Tröten und Schildern sowie mit ablehnenden Wortbeiträgen gegen die geplante Abdeckung der Kalihalde mit Bauschutt. Quelle: Ingo Rodriguez
Ronnenberg

Ablehnung, Widerstand, Empörung, Wut und Unverständnis: Der Protest gegen die geplante Abdeckung der Kalihalde in Ronnenberg nimmt erhebliche Ausmaße an. Im Gemeinschaftshaus haben rund 400 Anwohner und Bürger aus der Umgebung lautstark ihre Ablehnung gegen die Pläne des Entsorgungsunternehmens Menke Umwelt Service zum Ausdruck gebracht. Die Ronnenberger wollen einen jahrelangen Abdeckprozess der Halde mit Bauschutt neben ihrem Wohngebiet nicht hinnehmen – trotz der umweltschonenden Wirkung einer späteren Begrünung des salzhaltigen Bergbauaushubs.

Aufgeheizte Stimmung im Publikum

Schon vor der Informationsveranstaltung hatten etwa 60 Mitglieder der Bürgerinitiative (BI)„Bauschuttdeponie –Nein Danke“ die Projektplaner mit Bannern, Plakaten, Atemschutzmasken und Tröten empfangen. In der etwa dreistündigen Versammlung kam es später zu entrüsteten Wortbeiträgen – nicht immer fair, teilweise mit anfeindenden Zwischenrufen und angedeuteten Drohungen. „Ich werde alles dafür tun, was in meiner Macht steht, um ihre Pläne zu verhindern. Mir werden viele Dinge einfallen, um Sie aufzuhalten“, sagte etwa ein Anwohner, der nach eigenen Angaben nur etwa 30 Meter neben der geplanten Großbaustelle wohnt.

Rund 400 Ronnenberger haben bei einer Infoveranstaltung lautstark und verärgert gegen eine geplante Abdeckung der Kalihalde mit Bauschutt protestiert. Die Projektfirma stieß auf ungeahnten Widerstand.

Der Auftakt im überfüllten Gemeinschaftshaus war noch entspannt. Stefan Entrup von der Projektfirma und Michael Franke vom beauftragten Planungsbüro hatten den Betreiber der bereits begrünten Empelder Kalihalde, Frank Nickel, mitgebracht. „Das Verfahren der Rekultivierung soll eins zu eins nach dem Vorbild von Empelde übertragen werden“, warb Nickel als Ideengeber für das Projekt in Ronnenberg. Das Trio und Moderator Ralf Losert wirkten anfangs entspannt. „Wir sind überzeugt von dem Projekt. Viele kursierende Informationen sind nicht richtig, deshalb wollen wir zur Versachlichung beitragen“, kündigte Menke-Geschäftsführer Entrup an.

Renaturierung dient dem Umweltschutz

Die Projektleiter stellten einleitend ihre Pläne vor: Sie wollen beim zuständigen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie eine Abdeckung und Rekultivierung der Kalirückstandshalde beantragen. Das Gelände einer Nachfolgegesellschaft der früheren Kali-Chemie soll gepachtet werden, um die Halde über einen Zeitraum von etwa 20 bis 30 Jahren erst mit wiederverwertbarem Bauschutt zur Verfestigung abzudecken und danach zu begrünen. Ziel der Rekultivierung ist es, stark salzhaltiges Sickerwasser zu reduzieren und eine Einleitung in die inzwischen bereits abgestorbene Fösse zu stoppen.

Die Projektinitiatoren Frank Nickel (links), Stefan Entrup und Michael Franke stoßen auf Ablehnung mit ungeahnten Ausmaßen. Quelle: Ingo Rodriguez
Die Karte zeigt mögliche Anfahrtswege von Süden über die Bundesstraße und über Weetzen. Quelle: Ingo Rodriguez

Nur: Damit ist eine jahrelange Anlieferung von Bauschutt verbunden: täglich etwa 25 Lastwagenladungen, rund 120.000 Tonnen pro Jahr, von Süden her über noch einzurichtende Anlieferungsstraßen in der Verlängerung der Tilsiter Straße und des Weetzer Kirchwegs. Im Gegensatz zur Renaturierung in Empelde soll das aber in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Wohngebiet geschehen. Das behördlich zu führende und notwendige Planfeststellungsverfahren erfordert jedoch eine Umweltverträglichkeitsprüfung und Gutachten über einzuhaltende Richtlinien für Lärmschutz sowie Gesundheitsrisiken.

Anlieger befürchten Gesundheitsschäden und Lärm

Diese öffentlichen Belange wollen die Ronnenberger mit offiziellen Stellungnahmen in das Verfahren einbringen. Sie fürchten sich vor gefährlichen Altlasten, Lärm, Dreck und einen Wertverlust ihrer Grundstücke. Eine weitere Sorge: gesundheitliche Schäden in der gesamten näheren Umgebung durch verwirbelten Feinstaub. Das waren wiederkehrende Vorwürfe der Anlieger. Außerdem warfen viele dem Entsorgungsunternehmen Profitgier vor. „Sie wollen sich auf Kosten unserer Lebensqualität mit der Entsorgung von Abrissmaterial die Taschen vollstopfen“, sagte etwa der BI-Sprecher Marc Bierhance. Es sei „ein Wahnsinn“, so etwas so nah am Ortsrand zu machen, fasste Grünen-Ratsherr Jens Williges die Sorgen zusammen. Auch Vertreter der SPD, der CDU und der FDP in Ronnenberg sprachen sich entrüstet gegen die Pläne aus.

Bürgermeisterin will Anwohnerinteressen vertreten

Den Projektführern gelang es nicht, Sorgen zu zerstreuen – obwohl sie immer wieder Gutachten und das Einhalten aller Richtlinien versprachen. Ronnenbergs Bürgermeisterin Stephanie Harms bezog nach lautstarken Aufforderungen notgedrungen Stellung: „Sie vertreten die Interessen Ihrer Gesellschaft. Ich vertrete die Interessen der Ronnenberger“, sagte Harms zu Entrup unter lautem Applaus. Dieser hatte zuvor einen Verzicht auf die Pläne nicht ankündigen wollen. Harms kündigte an, dass sich die Stadt am Planfeststellungsverfahren mit einer Stellungnahme beteiligen werden.

Grünen-Ratsherr Jens Williges spricht sich deutlich gegen die Pläne aus. Quelle: Ingo Rodriguez

Von Ingo Rodriguez

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