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Seelze Grundschüler versuchen sich an der Orgel
Umland Seelze Grundschüler versuchen sich an der Orgel
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17:19 18.09.2018
Die Kinder der Klasse 2b der Astrid-Lindgren-Schule haben sich in St. Martin die Orgel vorführen lassen. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze

Die Orgel aus dem Jahr 1777 in der Kirche St. Martin hat 28 Register und 1776 Pfeifen. Dies haben die Kinder der Klasse 2b der Astrid-Lindgren-Schule aus Lohnde am Dienstag in Erfahrung bringen können. Im Mittelpunkt des Orgelentdeckertages der Jungen und Mädchen stand aber das beeindruckende Klangerlebnis des Instruments, das von Christoph Slaby präsentiert wurde, sowie die Möglichkeit, selbst einmal in die Tasten zu greifen.

Christoph Slaby präsentiert Jungen und Mädchen der Klasse 2b der Astrid-Lindgren-Schule die Orgel.

Der Kirchenmusiker Slaby erklärte den Jungen und Mädchen die einzelnen Bestandteile des Instruments, ließ die Klangveränderungen durch unterschiedliche Register hören und demonstrierte, dass auch allein mit den Fußpedalen noch Melodien gespielt werden können. Am Beispiel des Liedes „Bruder Jakob“ verdeutlichte er die vielfältigen Möglichkeiten der Orgel –und wurde dabei von dem begeisterten Gesang der Lohnder Grundschüler begleitet.

Überrascht waren die Kinder von dem Alter der Orgel, die aus dem Jahr 1777 stammt. Zwar hatte Seelzes Kirche bereits im 16. Jahrhundert eine Orgel, die 1670 offenbar ihre besten Zeiten bereits hinter sich hinter. In seinem „Kleinen Wegweiser rund um die Seelzer Martinskirche“ schreibt Stadtarchivar Norbert Saul, dass das Instrument als „unnütz und verlähmt“ bezeichnet und 15 Jahre später zwecks Reparatur von einem hannoverschen Orgelbauer begutachtet wurde. Allerdings brannte diese Orgel beim großen Brand in Seelze 1755 mitsamt der Kirche ab, berichtete Slaby den Schülern. Zwar wurde die Kirche 1767/1769 neu gebaut, für eine neue Orgel reichte das Geld aber nicht. Doch die Gemeinde hatte Glück: Wenige Jahre später kehrte Cord Hinrich Marcs, ein nach Südamerika ausgewanderter Seelzer, als reicher Mann in seine Heimat zurück und schenkte 1775 der Kirchengemeinde 700 Goldtaler für die Anschaffung einer neuen Orgel. Doch nach Sauls Recherchen erlebte der Spender den Klang des Instruments nicht mehr: Er starb bereits im Mai 1776, die Orgel war jedoch erst im Sommer 1777 fertig. An den Spender erinnert noch heute ein Schild an der Orgel-Empore.

„Die Orgel gibt es zwar bereits seit über 200 Jahren, doch sie ist längst nicht so alt“, erklärte Slaby den Besuchern der Astrid-Lindgren-Schule. Werde das Instrument ständig gespielt, ermüde das Material, die Orgel „verbrauche sich“. Das Innenleben sei deshalb immer wieder repariert und erneuert worden. Auch die Zahl der Register sei nach und nach erhöht worden. Tatsächlich seien die meisten Teile der Orgel zwischen 30 und 100 Jahren alt, sagte Slaby. Für die Schüler immer noch beeindruckende Jahresangaben.

Die Jungen und Mädchen zeigten sich von Slabys Orgelspiel begeistert und applaudierten nach jedem Stück. Schließlich konnten sie das Instrument auch für sich selbst entdecken und in kleinen Gruppen einmal in die Tasten greifen. „Irgendwann könnt ihr an meiner Stelle hier sitzen“, warb Slaby für das Instrument. Als Erinnerung gab es für jeden Gast einen Bastelbogen für eine Modellorgel.

Die Grundschüler aus Lohnde waren der Abschluss der Orgelentdeckertage in St. Martin. Bereits am Montag waren dort die Kindertagesstätten St. Martin und Lindenstraße sowie Klassen der Regenbogenschule zu Gast. Der Kirchenmusiker hat sich für die Aktion Urlaub genommen. „Wenn wir die Kinder nicht für die Orgel begeistern, geht das Instrument möglicherweise verloren.“

Von Thomas Tschörner

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