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Seelze Heimatmuseum veröffentlicht letztes Kalenderblatt
Umland Seelze Heimatmuseum veröffentlicht letztes Kalenderblatt
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14:10 09.11.2018
"Das Leiden war damals noch nicht zu Ende": Knut Werner (links) und Norbert Saul vom Heimatmuseum Seelze zeigen den Ausstellungsplatz der Kalenderblätter im Treppenhaus. Quelle: Linda Tonn
Seelze

Im November 1918, vor einhundert Jahren, endete der Erste Weltkrieg – mit knapp 20 Millionen Toten, mit Zerstörung, Hunger und Verzweiflung. Und auch für das Heimatmuseum Seelze geht in diesen Tagen der Erste Weltkrieg zu Ende: Stadtarchivar Norbert Saul hat sein letztes Kalenderblatt zu den Kriegsgeschehnissen veröffentlicht. Seit November 2014 hat er Monat für Monat, quasi in Echtzeit, die schrecklichen Ereignisse vor 100 Jahren aus Seelzer Sicht dargestellt. Er hat Feldpost gelesen, sich auf die Spuren von Familien begeben und verfolgt, wie immer mehr junge Seelzer an die Fronten geschickt wurden. „Für mich war es ein Experiment“, sagt er. „Ich wollte mich auf die Dauer einlassen und spüren, wie lange dieser Krieg für die Menschen war.“ Wie in vielen anderen Museen gab es zum 100-jährigen Beginn des Weltkriegs auch im Heimatmuseum eine Ausstellung zum Krieg und seinem Verlauf.

Doch das reichte Saul nicht. „Irgendwann war die Ausstellung beendet, aber der Krieg ging doch weiter“, sagt Saul. Deswegen hat er sich auf eine Zeitreise begeben, wollte herausfinden, was die Menschen in den Seelzer Dörfern damals bewegte, was ihre Söhne, Ehemänner, Väter, Verlobten und Freunde an den Fronten in Flandern, Galizien und Russland nach Hause schrieben – und auch, welche Verluste zu betrauern waren. Aus Sauls Recherchen sind 49 Kalenderblätter entstanden, die im Treppenhaus des Museums ausgestellt und auf der Internetseite des Heimatmuseums veröffentlicht wurden.

Seit November 2014 hat das Heimatmuseum Monat für Monat ein Kalenderblatt zu Ereignissen des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren aus Seelzer Sicht veröffentlicht.

Viele Tote auch nach 1918

Mit dem Kriegsende vor einhundert Jahren geht auch für Saul eine intensive Zeit zu Ende. Der Archivar hat Einzelschicksale intensiv in den Blick genommen, immer wieder die Briefe und Karten von Seelzern gelesen und musste auch hinnehmen, dass seine Quellen dünner wurden. „Die Absender der Feldpost sind nach und nach verstorben“, erzählt Saul der auf seinen Kalenderblättern versucht, die Perspektive der Menschen damals einzunehmen. „Ich habe im Präsens geschrieben und so, als wüsste ich auch nicht, wie lange der Krieg noch dauern wird.“ Auf eine gewisse Art sei auch er „erleichtert“, dass der Erste Weltkrieg jetzt auch für ihn zu Ende sei, sagt Saul. Doch mit dem Waffenstillstand im November 1918 war in Deutschland der Krieg nicht von einem auf den anderen Tag vorbei.

„Das Leiden ging nach Kriegsende weiter“, sagt der Archivar. „Wenn man sich in die Situation hineindenkt, dann kann man eigentlich nicht einfach aufhören.“ Auch in den Folgejahren seien Seelzer an ihren Kriegsverletzungen verstorben, Familien warteten auf Vermisste, es herrschten Hunger und Zerstörung. Auch wenn er die Serie der Kalenderblätter beendet hat, will Saul weiter recherchieren und den Geschichten nachgehen. In seiner Sammlung hat er eine Heimkehrerliste aus Letter, die er sich vornehmen will. Außerdem hofft er, herausfinden zu können, wo die Witwen der Kriegstoten gelebt haben. „Ich möchte allen Toten gerecht werden“, sagt Saul. Bei den Seelzern seien die Kalenderblätter auf eine breite Resonanz gestoßen, sagt Knut Werner, der erste Vorsitzende des Museumsvereins. „Sie werden viel gelesen, das ist Seelzer Geschichte.“

Im Jahr 1920 entstand in Lathwehren das erste Kriegsdenkmal im Landkreis. „Da wurde im Dorf gesammelt und jeder hat etwas gegeben“, erzählt Saul. „Man brauchte einen Ort zu trauern.“ Dieses Ereignis will der Archivar zum Anlass für eine weitere Ausstellung nehmen. Wie sie aussehen wird, weiß er allerdings noch nicht.

Von Linda Tonn

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