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Seelze Wanderung steht bevor: Kröten an der B 441 in Gefahr
Umland Seelze Wanderung steht bevor: Kröten an der B 441 in Gefahr
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00:19 15.03.2019
Friedhelm Ilse vor dem Krötentunnel an der B441 auf Höhe des Motorrad Clubs Wild Lions MC. Quelle: Mario Moers
Seelze

Wenn das Thermometer steigt, wird es wieder Tote geben auf der B 441. 340 Kröten, Frösche und Molche, schätzt der Vorsitzende der Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu) in Seelze Friedhelm Ilse sind 2018 bei dem Versuch die Bundesstraße am Zweigkanal zu überqueren überfahren worden. Eine ähnliche Anzahl dürfte es in den Jahren davor getroffen haben. Die Ursache ist ein fehl geplanter Amphibien-Tunnel auf Höhe des Motorrad-Clubs „Wild Lions MC“ – mitten in der unübersichtlichen Kurve.

Wenn das Wetter sich bessert, geht sie wieder los, die Krötenwanderung an der B 441. Auch dieses Jahr könnten auf der Bundesstraße wieder viele Tiere bei Seelze sterben.

Weil die Leitzäune, die dort vor allem Erdkröten den Übergang erleichtern sollen, zu kurz sind, geraten viele Tiere trotz Schutzmaßnahme auf die Fahrbahn. Für die Tiere wird der Weg von den Kleingärten am Kanal zu dem kleinen Tümpel südlich der Straße zum lebensbedrohlichen Unterfangen. „Die Straße ist hier so gefährlich, dass auch unsere Leute die Kröten nicht zu Fuß auf die andere Seite tragen sollten“, sagt Ilse. Wenn der Naturschützer in den letzten Jahren trotzdem morgens und abends die Eimer voller Kröten übergesetzt hat, zog er sich seine orangefarbene Warnweste an. Von denen hat er gleich mehrere im Auto. In den vergangenen Jahren waren es immer etwa fünf Freiwillige, die bei der Frühlingswanderung der Amphibien halfen.

Um 2017 angelegt, ist die Krötenmauer an der B441 bei Seelze bereits stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Quelle: Mario Moers

Behörde will nicht zahlen

Um ein erneutes Krötensterben zu verhindern, hat die Stadt Seelze in Absprache mit dem Nabu im vergangenen Herbst die Verlängerung der Schutzzone bei der zuständigen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr gestellt. „Die Ablehnung kam zehn Tage später“, sagt Stadtsprecher Carsten Fricke. Der Schutztunnel sei im Zuge einer Straßensanierung von der Behörde als „freiwillige Leistung“ angelegt worden. Für den Ausbau sei nun kein Geld vorgesehen. Aus Sicht des Nabu kann aber langfristig nur diese bauliche Lösung das Problem lösen. Eigenhändiges Umsetzen sei an der Stelle unverantwortlich, sagt Ilse.

Bei der Stadt ist man sich nicht sicher, ob ein eigenes Eingreifen an der Stelle überhaupt zulässig ist. Für den Artenschutz verantwortlich ist in dem Bereich die Naturschutzbehörde der Region Hannover. Von der gab es zu Redaktionsschluss keine Rückmeldung. „Wir haben allerdings auf unsere Kosten Warnschilder aufgestellt“, sagt Stadtsprecher Fricke. Er räumt ein, dass dieses Behörden-Wirrwarr für die Naturschützer und Bürger unverständlich ist. „Es scheint, als sei das unser Stadtgebiet, aber es fällt nicht in unsere Zuständigkeit“, sagt er.

Der Krötenzaun endet direkt vor der Einfahrt zum Motorradclub Wild Lions MC. Quelle: Mario Moers

Helfer gesucht

Wer den Kröten nun über die Straße hilft, wenn in Kürze die Frühjahrswanderung beginnt, bleibt also weiter ungewiss. Klar ist, wann es losgeht. „Wenn die Temperaturen nachts auf 15-16 Grad steigen, dann kommen sie“, sagt Ilse. Schätzungsweise 500-600 Erdkröten, Grasfrösche und Teichmolche hüpfen dann aus den Gärten in Richtung des Laichteichs. Nur wenige Tage dauert der große Ansturm. Etwa einen Monat darauf ziehen die Eltern und ihr Nachwuchs dann wieder in die umgekehrte Richtung zurück. Ohne menschlische Hilfe werden viele es nicht schaffen. Der Nabu freut sich deshalb sich über Vorschläge zur langfristigen Lösung des Problems und Helfer. Die Koordination übernimmt Ilse unter Telefon (0151) 287 356 81.

Von Mario Moers

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