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Umland Seelze Nachrichten Droht dem Sohnreyweg die Umbenennung?
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12:48 18.02.2012
Wurde der Sohnreyweg nach einem Nazi-Dichter benannt? Quelle: Heußinger
Letter

Garagen, ein neuer Spielplatz und einige wenige Wohnhäuser – unscheinbar liegt er da, der Sohnreyweg in Letter. Über den Namenszug dürften wohl wenige Passanten stolpern, doch er hängt offensichtlich mit einer braunen Vergangenheit zusammen.

Der Göttinger Literaturwissenschaftler Frank Möbus belegt in seinem Aufsatz „In Sachen Sohnrey“ die nationalsozialistische Vergangenheit des Autors. Der Sollingdichter sei zwar kein Parteimitglied gewesen, habe jedoch den Nazis zumindest nahegestanden. So habe er 1933 mit 87 einflussreichen Literaten das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“ unterzeichnet.

Laut Möbus lasse sich das nationalsozialistische Gedankengut auch in Sohnreys Texten belegen. So habe er 1924 die Zeilen verfasst: „Wer nicht will betrogen sein, halte das Haus von Juden rein.“ Hitler habe Sohnrey 1939 das Adlerschild des Deutschen Reiches verliehen.

Im November war Sohnrey bereits in Hannover Thema. Dort ist eine Straße in der Südstadt nach ihm benannt. Der lettersche Ortsrat hat sich ebenfalls schon mit ihm beschäftigt. „Wir haben eine solche Information schon im vergangenen Jahr erhalten“, sagt Ortsbürgermeister Rolf Hackbarth (SPD). Er wolle aber nicht entscheiden, ohne mit den Anwohnern gesprochen zu haben. Ähnlich sieht es sein Stellvertreter Hubertus Gärtner (CDU): „Es ist schwierig, eine Straße einfach so umzubenennen.“ Frank Joosten (Grüne) betont dagegen: „Wir können das gerne diskutieren.“

Die Anwohner reagieren unterschiedlich. „Ich kann dieses Thema nicht mehr hören“, sagt ein Mann, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Ich habe viele der Werke gelesen“, erzählt der Anwohner Walter Brandes. Er habe darin keine Nazi-Bezüge entdecken können.

Gerrit Pfennig

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