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Konzept für Altes Rathaus nur schwer realisierbar

Seelze Konzept für Altes Rathaus nur schwer realisierbar

Die Jury hat ihre Entscheidung gefällt: Die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen erhält den Zuschlag für das Alte Rathaus nebst Grundstück und kann dort ihre Pläne verwirklichen. Indes mehren sich Stimmen, die die Entscheidung der Jury in Frage stellen. 

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Immer mehr Stimmen äußern Kritik an der Entscheidung zur Jury. 

Quelle: Benjamin Behrens

Letter.  Zwischen 36 und 42 Wohnungen in dreigeschossiger Bauweise will die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen (WGH) auf dem Grundstück am Bürgermeister-Röber-Platz errichten und dafür das Alte Rathaus abreißen. Das eingereichte Konzept für das Alte Rathaus hat die Jury überzeugt und das Konzept der WGH auf Platz eins der Bewertungsmatrix katapultiert. Doch nicht jeder kann die Entscheidung des Gremiums nachvollziehen. In Letter kommt immer mehr Kritik am WGH-Konzept auf. 

Jury war nicht richtig informiert

„Das Konzept beeinhaltet erhebliche Risiken in der Realisierbarkeit, darauf hätte die Stadt die Jury hinweisen müssen“, sagt Martin-Andreas Thater. Eine dreigeschossige Bebauung werde an dieser Stelle nicht einfach so genehmigt werden, glaubt der Rechtsanwalt, der als Anlieger unmittelbar von dem Projekt betroffen ist. „Man muss nur mal durch den Ort gehen und sich umsehen. Mehr als zweieinhalb Geschosse sind hier noch nie genehmigt worden“, erklärt Thater. Solche dreigeschossigen Klötze würden komplett aus dem Rahmen fallen. Auch an der Realisierbarkeit der geforderten Parkflächen hegt er Zweifel. „Der Entwurf der WGH sieht zwischen 36 und 42 Wohnungen vor, keine davon kleiner als 50 Quadratmeter. Das bedeutet, dass die WGH zwischen 54 und 63 Parkflächen schaffen muss“, rechnet der Jurist vor und fragt sich, wo die denn hinsollen. „Gemäß Paragraf 19 BauNVO müssen Garagen und Stellplätze inklusive Zufahrten sowie bauliche Anlagen unterhalb der Gebäudeoberfläche bei der Ermittlung der Grundflächenzahl mit berücksichtigt werden. Es ist davon auszugehen, dass die in Paragraf 17 Baunutzungsverordnung (BauNVO) geforderte Grundflächenzahl von 0,4 nicht eingehalten werden kann“, erläutert Thater. Wenn die Jurymitglieder auf diese Fakten hingewiesen worden wären, hätten sie womöglich anders entschieden. „Für mich hat es den Eindruck, als wenn die Stadt den Entwurf der WGH protegiert hat“, sagt der Rechtsanwalt und kündigt an, seinen Anliegerrechten im Bebauungsplan- und Baugenehmigungsverfahren Geltung zu verschaffen. „Erfahrungsgemäß können sich solche Verfahren über Jahre hinziehen“, ergänzt der Jurist 

Nach Ansicht von Wolfgang Schulze hat die WGH dem Ortsbürgermeister das Wasser abgegraben

Nach Ansicht von Wolfgang Schulze hat die WGH dem Ortsbürgermeister das Wasser abgegraben.

Quelle: Sandra Remmer

Auch Verein „Letter-fit:Miteinander-Füreinander“ zweifelt an Entscheidung

„Die WGH ist eine etablierte Wohnungsbaugesellschaft, die Planungs-GbR Altes Rathaus ein Bauherrenmodell, dem die Stadt offensichtlich trotz Bankzusagen nichts zutraut“, meint Petra Scholl vom Verein „Letter-fit: Miteinander-Füreinander“. Ein Beweis dafür sei, dass die Planungs-GbR für das Bewertunskrtiterium „Realisierbarkeit des Konzepts“ nur einen Punkt, die WGH jedoch fünf erhalten hat. Der Verein hat zu weiteren kritischen Punkten der Jury eine Vergleichsmatrix erstellt, die das Angebot der erstplatzierten WGH mit dem der Planungs-GbR aus Letter, die auf Rang drei landete, vergleicht.  „Beide Angebote erfüllen nicht die geforderten 1,5 Stellplätze pro Wohnung. Dennoch bekommt die WGH dafür vier Punkte, die Planungs-GbR aber nur zwei. Noch unverständlicher erscheint dem Verein die Bewertung beim Punkt der Barrierefreiheit. „Die Planungs-GbR bietet Aufzüge und damit Barrierefeiheit in allen Häusern an, die WGH in drei Häusern nicht.“ Außerdem bleibe die WGH vage bei der Auskunft über die Anzahl der geplanten Eigentumswohnungen, die Planungs-GbR spricht dagegen von maximal 16 selbst genutzten Eigentumswohnungen, alle anderen gehen in einen Mietwohnungspool. Warum die WGH für diesen Punkt fünf, die Planungs-GbR aber nur einen bekommt, verstehen die Vereinsmitglieder nicht. „Es bleibt ein ungutes Gefühl angesichts der offensichtlichen Fehler im Konzept, der offenen Fragen und der ungerechten und nicht nachvollziehbaren Bewertung“, ergänzt Scholl. 

Mit ihrem Vorhaben, das Alte Rathaus zu erhalten, steht die Planungs-GbR nicht allein: Im Ausschuss für Bau und Umwelt hatte Romy Fonk von der Gruppe 1200 Unterschriften für den Erhalt des Gebäudes an die Stadtverwaltung übergeben.

Mit dem Verkauf des Alten Rathauses samt Grundstück beschäftigt sich der Ortsrat Letter in einer öffentlichen Sitzung am Dienstag, 20. Februar, ab 18.30 Uhr im Alten Rathaus. Über das Projekt entscheidet dann der Rat der Stadt Seelze am Donnerstag, 22.Februar. 

Von Sandra Remmer

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