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Umland Seelze Nachrichten Kirche lässt Friedhof am Seelzer Rathaus vermessen
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00:40 18.05.2018
Julia Schneider (von links), Heike Altrogge, Ortwind Brand und Frank Schmidt auf dem Friedhof. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze

 Die evangelische Kirchengemeinde St. Martin lässt derzeit von der Firma Datalog aus Voerde ihren rund 13.500 Quadratmeter großen Friedhof neben dem Seelzer Rathaus vermessen. Ziel ist die Erarbeitung eines digitalen Friedhofsplanes. „Bislang gibt es keinen maßstabsgetreuen Plan des Friedhofes“, sagt Julia Schneider vom Kirchenvorstand, die Vorsitzende des Friedhofsausschusses ist. Über den Friedhof existierten nur handschriftliche Aufzeichnungen, die jeweils Teilabschnitte umfassten.

Ortwind Brand, Heike Altrogge (Mitte) und Julia Schneider setzen auf eine behutsame Modernisierung, bei der historische Grabmale wie dieser Stein von 1936 erhalten bleiben sollen. Quelle: Thomas Tschörner

„Eine Gesamtübersicht fehlt“, sagt Pfarrsekretärin Heike Altrogge, die auch für die Friedhofsverwaltung zuständig ist. So sei derzeit ohne aufwändige Recherche nicht erkennbar, wie viele Menschen auf dem kirchlichen Friedhof beerdigt sind, und wie viele Grabstellen frei sind. Julia Schneider spricht von einem Blindflug, der nun beendet werden soll. „Das kommt durch unterschiedliche Führungsstile und ist historisch gewachsen“, sagt Pastor Ortwin Brand. 

Bei der Neuvermessung des Friedhofes werde die gesamte Topografie exakt eingemessen, erklärt Julia Schneider. Dazu gehörten neben den Gräbern auch die Wege, Rasenflächen, Hecken und Bäume sowie Versorgungseinrichtungen. Weil der Seelzer Kirchenfriedhof einen parkähnlichen Charakter hat, ist die Gesamtübersicht schwierig. „Im Norden sind die Friedhöfe übersichtlicher“, sagt Frank Schmidt von Datalog, der in den vergangenen Jahren rund 1000 Friedhöfe vermessen hat. In Seelze arbeitet erndeshalb mit Zwischenpunkten, die dank GPS zentimetergenau eingemessen werden können. „Die Herausforderung ist hier, dass das Messgerät immer wieder an einen anderen Ort gestellt werden muss.“ Trotz moderner Technik müssten Abstriche in Sachen Genauigkeit gemacht werden. „Es lässt sich nicht immer genau festlegen, wo ein Grab anfängt und wo es aufhört.“ Schuld daran seien unter anderem Hecken, die die genaue Grenzziehung erschwerten, sagt Schmidt.

Nach der Vermessung sollen die einzelnen Grabstätten in einem Kataster erfasst und mit einem Belegungsplan verknüpft werden, sagt Julia Schneider. So könnte etwa abgelaufene Grabstätten mit einem Blick erfasst werden. Auch für die Friedhofsentwicklung und die Gebührenkalkulation sei ein Belegungsplan unerlässlich, da Daten über die Art der Grabstätte, Nachveranlagungen und Einebnungen dargestellt werden können. „Zurzeit werden diese Daten in von Hand geführten Listen erfasst.“ Der Friedhof habe einen eigenen Haushalt, sagt Brand. Im Schnitt gebe es 60 bis 70 Beerdigungen im Jahr. Zwar ist es ein kirchlicher Friedhof für Angehörige von St. Martin und der katholischen Kirche Heilige Dreifaltigkeit, doch werde mit Augenmaß gearbeitet – die Zugehörigkeit zu einer der beiden Gemeinden ist nicht zwingend Voraussetzung. „Der Friedhof wird mit Fingerspitzengefühl geführt“, sagt Altrogge. Dieses Fingerspitzengefühl wolle die Gemeinde auch bei der Optimierung walten lassen, sagt der Pastor. Der Charakter des Friedhofes solle erhalten bleiben. Allerdings führe an der Digitaliserung der Unterlagen kein Weg vorbei. 

Friedhof besteht seit 1859

Der kirchliche Friedhof an der Hannoverschen Straße wurde 1859 angelegt. Zuvor wurde auf dem Kirchhof rund um die Kirche St. Martin beerdigt. Doch wegen gestiegener Einwohnerzahlen reichte der Kirchhof nicht mehr aus.  Aus der Zeit der Gründung des Friedhofes stammen die Hofgrabstellen. „Die Bauern haben Land zur Verfügung gestellt und dafür die Hofgrabstellen bekommen“, sagt Julia Schneider, Vorsitzende des Friedhofsausschusses und Angehörige des Kirchenvorstandes von St. Martin. Auf dem Kirchhof seien bereits im 19. Jahrhundert die Grabstellen nach ihrem Ablauf eingeebnet und die Grabsteine entfernt worden, bis auf einige noch heute dort stehende besonders erhaltenswerte Steine. Die Kapelle wurde erst 1936 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Nationalsozialisten gebaut, berichtet Schneider. Allerdings gehörte das Gebäude nicht der Kirche und wurde erst in den fünfziger Jahren für einen Anerkennungsbeitrag gekauft. Weil nach dem Zweiten Weltkrieg die Bevölkerungszahl weiter anstieg, reichte der Friedhof nicht mehr und wurde um einen kommunalen Friedhof am östlichen Ortsausgang ergänzt. „Die Politik wollte damals, dass der alte kirchliche Friedhof geschlossen wird“, sagt Schneider. Letztlich entschied das Innenministerium, dass der kirchliche Friedhof bleibt. tom 

Von Thomas Tschörner

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