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Böllerschützen haben sich der Tradition verschrieben

Seelze Böllerschützen haben sich der Tradition verschrieben

Die Böllerschützen der Schützengesellschaft Letter von 1834 sind detaillverliebt: Die Waffen sind mindestens 100 Jahre alt, die übrige Ausstattung handgefertigt. Der große Aufwand, der für wenige Gelegenheiten im Jahr betrieben wird, beschert der Gruppe dafür stets große Aufmerksamkeit.

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Ralf Systermans (von links), Hans-Peter Scheibe, Helge Fromhagen und Manfred Bremer in der vollen Ausstattung der Böllerschützen.

Quelle: Thomas Tschörner

Letter.  Die französische Muskete mit Steinschloss aus dem Jahr 1777 sieht beeindruckend aus –wohl der Grund, warum sich die Böllerschützen der Schützengesellschaft Letter von 1834 für das Vorderladergewehr entschieden haben. Bei den Waffen handelt es sich um originalgetreue Nachbauten, sogenannte Replika. Doch die Vorderlader mit Steinschlosszündung haben einen Haken. „Wir haben irgendwann festgestellt, dass sie nicht richtig funktionieren“, sagt Hans-Peter Scheibe von den Böllerschützen. Der Hauptfeind des Schwarzpulvers, mit dem die sogenannte Pfanne zur Zündung per in den Hahn geschraubten Feuerstein befüllt werden muss, ist Feuchtigkeit. „Wegen Regens mussten wir schon mal aus dem Rathausfenster schießen“, beschreibt Böllerschütze Manfred Bremer das Problem.  Das war nur eine Notlösung. Denn die Böllerschützen mit ihrer dekorativen Ausrüstung sind für den Schützenverein ein Aushängeschild: Sie schießen Salut bei der Eröffung des Schützenfestes, beim Kastanienfest, Ehrungen und Hochzeiten. Die Idee zur Gründung der Böllerschützen als Abteilung des Vereins entstand 1994 bei einer Hochzeit, als die Gruppe erstmals Salut schoss. 

Repetiergewehre kommen für schlechtes Wetter dazu

Zwar blieben den Böllerschützen ihren dekorativen Vorderladern treu, die als voll funktionsfähige Waffen auch für Meisterschaften geeignet sind. Sie ergänzten 1996 ihre Ausstattung gewissermaßen als Schlechtwetterwaffe mit Repetiergewehren. Die als Schweden-Mauser bekannt gewordenen Gewehre mit Kaliber 6,5 mal 55 wurden in Lizenz von der Carl Gustaf Gevärsfactori in Schweden hergestellt. 1996 waren die Waffen noch zum Schnäppchepreis von 100 Mark oder im Bestzustand für 150 Mark zu haben. Mittlerweile kosten diese allesamt über 100 Jahre alten Gewehre allesamt zwischen 650 und 700 Euro.

Der schwedische Karabiner mit Mauser-System wurde 1902 hergestellt

Der schwedische Karabiner mit Mauser-System wurde 1902 hergestellt.

Quelle: Thomas Tschörner

Ausrüstung ist in solider Handarbeit gefertigt

„Ein bisschen verrückt muss man schon sein“, sagt Ralf Systermans. Denn jeder der sieben Angehörigen der Gruppe müsse zwei Waffen haben. Dazu kommt die Ausrüstung. „Wir haben jeder Brottasche, Munitionstasche, Pulverflasche für die Pfanne, ein Säbel mit Gurtzeug und einen Tschako“, sagt Helge Fromhagen. Alle Utensilien wurden seinerzeit von Gründungsmitglied Manfred Zielke, der als Orthopädieschuhmachermeister das nötige Geschick hatte, in Handarbeit hergestellt. 

Das Ledergehänge für den Säbel ist ebenfalls handgefertigt

Das Ledergehänge für den Säbel ist ebenfalls handgefertigt.

Quelle: Thomas Tschörner

„Der Aufwand lässt sich mit Geld nicht beziffern, es macht eben Spaß“, sagt Systermans. Und zumindest beim Abfeuern der Vorderlader dürfen die Schützen nicht zu empfindlich sein. „Schwarzpulver ist mit viel Dreck verbunden“, sagt Scheibe. Der Lauf werde am besten mit heißem Wasser in der Badewanne gereinigt, auch wenn das erfahrungsgemäß bei der Hausfrau für wenig Begeisterung sorge.

Zur Ausrüstung gehören neben einer Munitionstasche und einer Pulverflasche auch ein Tschako und ein Säbel - fast alles sind handgefertigte Unikate

Zur Ausrüstung gehören neben einer Munitionstasche und einer Pulverflasche auch ein Tschako und ein Säbel - fast alles sind handgefertigte Unikate.

Quelle: Thomas Tschörner

Munition wird selbst laboriert

Die Munition – Papierpatronen für die Vorderlader und Platzpatronen für die Karabiner –werde selbst laboriert. Dafür werden präzise Gerätschaften und eine Feinwaage benötigt. Die Papierpatronen würden denen des alten preußischen Heeres nachempfunden. Zum Schießen wird die Patrone aufgerissen und das Pulver ins Rohr geschüttet. Anschließend kommt das Papier als Dämmung hinterher und wird mit dem Ladestock fest gestopft. Weil es ums Salutschießen geht, wird eine Kugel nicht benötigt.  

Die Zündung per Steinschloss ist bei schlechtem Wetter nicht zuvlerässig

Die Zündung per Steinschloss ist bei schlechtem Wetter nicht zuvlerässig.

Quelle: Thomas Tschörner

 Schweden-Mauser sind präzise Gewehre

Trotz ihres Alters seien die Schweden-Mauser sehr treffsicher. Dies zeige sich immer wieder beim jährlichen Carl Gustaf Gevärschießen, das die Schützengesellschaft ausrichtet. Allerdings werde in Letter wegen des nicht für die volle Leistung zugelassenen Standes nur reduzierte Munition verwendet. „Dies tut der Präzision aber keinen Abbruch“, sagt Scheibe. In Skandinavien sei der Gewehrtyp immer noch bei Jägern beliebt, die damit auch Elche schießen würden. Das Carl Gustaf Gevärschießen ist eine der seltenen Gelegenheiten, die alten Waffen auf ihre Treffsicherheit zu testen. Sportlich sind die Mitglieder der Gruppe mit der Pistole aktiv.

Der schwedische Karabiner mit Mauser-System wurde 1902 hergestellt

Der schwedische Karabiner mit Mauser-System wurde 1902 hergestellt.

Quelle: Thomas Tschörner

Von Thomas Tschörner

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