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Umland Seelze Nachrichten Mehr als 400 Jahre alte Glocke wird saniert
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16:35 24.02.2018
Klaus Weiland sammelt weiter Spenden für das Geläut der Dreieinigkeitskirche. Quelle: Thomas Tschörner
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Almhorst

 Der Förderverein der Dreieinigkeitskirche hat Großes vor: Die Glocke aus dem Jahr 1612 soll saniert werden, die Aufhängung im Turm erneuert und zudem eine zweite Glocke beschafft werden. Dafür sammelt der Vorsitzende Klaus Weiland unermüdlich Spenden und wirbt um Sponsoren. Mit Erfolg. Inzwischen ist die auf mehr als 70.000 Euro kalkulierte Finanzierung weitgehend gesichert.

Mehr als 400 Jahre alt ist die Glocke in der Dreieinigkeitskirche. Quelle: Thomas Lunitz

Im Jahr 2012 ist in Kirchwehren das 400-jährige Glockenjubiläum der Dreieinigkeitskirche in Kirchwehren gefeiert worden. Die von Meister Joachim Schrader gegossene Glocke, die immerhin vier Jahrhunderte ohne nennenswerte Störung ihren Dienst versehen hatte, wurde aus diesem Anlass unter die Lupe genommen. „Dabei wurde festgestellt, dass die Glocke sehr marode ist“, sagt Weiland. Die Aufhängung zeigte sich als ebenso sanierungsbedürftig wie der Hammer, der die Stunden schlägt. Das Material der Glocke war in den Jahrhunderten porös geworden. Voraussichtlich am Montag soll ein Kran die 300 Kilogramm schwere Glocke mit einem Durchmesser von 82 Zentimetern aus dem Kirchturm herausheben. Im Glockenschweißwerk in Nörtlingen wird dann ein neuer Schlagring eingesetzt, bevor sie in einer Glockengießerei in der Eifel grundüberholt wird. In Kirchwehren wird dann erst einmal Stille einkehren. Der Förderverein rechnet damit, dass die Gemeinde für rund sechs Monate keine Glocke haben wird. So lange wird es dauern bis die Glocke wieder einsatzbereit ist.

Die Glocke der Dreieinigkeitskirche stammt aus dem Jahr 1612, im Turm wäre noch Platz für ein zweites Geläut.  Quelle: Sandra Schütte

„Wir werden auch einen neuen Glockenstuhl bekommen“, sagt Weiland. Die bisherige Eisenkonstruktion soll von einer aus Eichenholz ersetzt werden. Diese soll drei Glocken aufnehmen können. Denn der Förderverein habe nicht nur für die Restaurierung der historischen Glocke Sponsoren gefunden, sondern auch für eine zweite Glocke. Damit werde lediglich der Status Quo wieder hergestellt: In Kirchwehren habe es jahrhundertelang zwei Glocken gegeben. „Teilweise gab es sogar eine dritte Glocke“, berichtet Weiland. Doch während des Ersten Weltkrieges musste die Gemeinde, zu der heute neben Kirchwehren und Lathwehren auch Almhorst gehört, die Zweitglocke im Jahr 1917 für die Kriegsproduktion abgeben. Erst 1935 konnte eine neue Glocke geweiht werden. Die Freude darüber währte allerdings nicht lange: Nach 1940 wurde die Glocke erneut für die Kriegsproduktion beschlagnahmt. „Die zweite Glocke soll auf FIS gestimmt werden“, sagt Weiland. 

Die Kirchengemeinde zählt etwa 1000 Angehörige, der 2003 gegründete Förderverein hat 65 Mitglieder. „Wir leben von Beiträgen und Spenden.“ In den vergangenen Jahren seien rund 36.000 Euro in die Kirche investiert worden. Das Glocken-Projekt stellt die bisherige Leistung jedoch in den Schatten. „Das ist ein ehrgeiziges Projekt“, sagt auch Weiland. Seit 2012 sei er am Verhandeln. Wichtige Sponsoren seien die Hannoversche Volksbank und die Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Weiland sammelt aber weiter Geld für die Glocken. Er hofft, dass die Glocken im Jahr 2021 zum 800-jährigen Jubiläum der Kirche (siehe Kasten) im neuen Glockenstuhl hängen. 

Kirche wurde erstmals 1221 urkundlich erwähnt

Die Kirche in Kirchwehren ist laut der Broschüre zum 400-jährigen Glockenjubiläum im Jahr 1221 erstmals urkundlich erwähnt worden. Wie das Gebäude aussah, kann nicht gesagt werden. Um 1500 gab es einen Großbrand in Kirchwehren, bei dem möglicherweise auch die alte Kirche zerstört wurde. Zwischen 1500 und 1540 wurde dann die Dorfkirche neu gebaut, gestiftet durch die Familie Ketelhodt. Bereits vor 1550 gab es Belege für eine Schlaguhr, deren Baujahr jedoch unbekannt ist. Im 16. Jahrhundert trat auch Lathwehren der Kirchengemeinde bei. Die Kirche in ihrer heutigen Form entstand aber erst in den Jahren 1753 bis 1755 als das Kirchenschiff wegen Baufälligkeit abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. 1755 wurde auch der Kanzelaltar von Hofbildhauer Johann Friedrich Zieseniß geschaffen, der vermutlich auch den Taufengel gefertigt hat. Im Januar 1791 wurde Generalmajor Ernst Adam von Alten im Turm der Kirche beigesetzt, aus dessen Erberlass 1793 die Orgel gestiftet wurde.  Die Grablege von Altens wurde 1875 wieder aufgelöst. 1896 wurde ein Ofen beschafft, 1913 zwei Öfen mit Schornstein an der Nord- und Südseite eingebaut. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Turm bei einem Tieffliegerangriff beschädigt. Almhorst trat 1960 der Kirchengemeinde bei. 

 

Von Thomas Tschörner

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