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18:56 22.09.2013
Drei Tage hat Randy (von links) den Fahneneid auswendig gelernt und ihn selbstbewusst vorgetragen. Papa Dirk Schütz und Bruder Maverick (7) spielen auch mit.Chadde (2) Quelle: PATRICIA CHADDE
Seelze

Zweimal wurde geprobt, Freitagabend wandelten sich dann die Wiesen hinter dem Bürgerhaus mittels Wäscheleine, Holzzuber und Tierstimmen in das Seelze des Dreißigjährigen Krieges.

1625 kam Reitergeneral Hans Michael Elias von Obentraut tatsächlich vorbei, heuerte die männliche Bevölkerung als Söldner an und kämpfte auf Seiten der Protestantischen Union gegen den Katholiken Tilly. Vor 388 Jahren, am Morgen des 25. Oktober 1625, hauchte Obentraut sein Leben am Darstellungsort aus. Doch Freitagabend turnte er in Gestalt des Schauspielers Rainer Künnecke quicklebendig durch die Szenerie und schreckte als erstes den Popen Norbert Nitsch hoch. „Was sind Sie“, schreit Obentraut-Künnecke. Und der Pope antwortet „äääh vangelisch“. Diese Mischung aus Improvisation, Kostümierung, Erinnerung und Witz lockte ein paar Hundert Zuschauer ins Freie. Von Fackeln erleuchtet, bekamen sie eine Ahnung von Obentrauts letzten Stunden. Denn Darsteller wie Katja Kuhnt als „verwirrte Frau“ vermittelten eindrucksvoll, dass Raub, Folter und Vergewaltigung im Dreißigjährigen Krieg keine Ausnahme waren und viele Existenzen vernichteten. Die Brüder Maverick (7) und Randy (9) ließen sich dagegen von der abenteuerlichen Seite der Geschichte mitreißen. Drei Tage lernte Randy den Fahneneid auswendig, um ihn dann mit fester Stimme vor großem Publikum zu deklamieren. Die herbstliche Witterung ließ dabei ahnen, dass spätmittelalterliches Lagerleben mit feuchter Kälte und Dunkelheit schon allein durch die äußeren Umstände eine Herausforderung waren. Doch Pfadfinder Alf Guckes sorgte mit sechs Helfern für eine schützende Jurte mit wärmendem Lagerfeuer. So saßen Darsteller und Publikum gegen 21 Uhr vereint bei Stockbrot, Bratwurst und Gesang friedlich vereint beieinander. Und Stefan Scheiben stimmte das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ an, das Matthias Claudius etwa 153 Jahre nach Obentrauts Untergang in den Sinn kam. So wird das grausame Gemetzel zu einer Art Seelzer Halloween mit historischem Hintergrund, was beim Publikum prima ankam. Ursula und Lothar Pietrek fanden die Idee „sehr schön“ und Karin Wiechmann „hatte so etwas noch nie erlebt“.

Patricia Chadde

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