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Umland Seelze Nachrichten So heftig wirken sich Drogen aufs Autofahren aus
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00:42 27.05.2018
Joshua Jeynes berichtet Schülern vom tragischen Verkehrsunfall mit Todesfolge. Der Fahrzeugführer hatte 2,77 Promille. Quelle: Patricia Chadde
Seelze

Mit Warnungen vor Alkohol und Drogen können Polizei und Feuerwehr nicht früh genug beginnen. Neben legalen Rauschmitteln, werden Schüler immer häufiger in ihrem Alltag auch mit illegalen Drogen konfrontiert. Das ist ein Grund, weshalb Polizeihauptkommissar Karsten Schröder vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Garbsen regelmäßig Informationsveranstaltungen für angehende Fahranfänger organisiert. Seit 2007 reist Schröder durch die Region, am Mittwoch und Donnerstag machte er an der Mühlenstraße in Seelze Station – und bekam Unterstützung von Seelzes Ortsfeuerwehr.

148 Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und der Gesamtschule lauschten den berührenden Schilderungen von Ersthelfern. Zu diesen erfahrenen Kräften zählt seit 45 Jahren auch Dirk Battermann. Er gehört bei der Freiwilligen Feuerwehr zu den 98 Aktiven und zeigte den Schülern, neben typischen Unfallgeschichten aus Seelze, auch das 25 Kilo schwere hydraulische Rettungsgerät. Damit lässt sich selbst dickes Metall auseinander spreizen.

Wie leistungsfähig bin ich eigentlich nüchtern? Iris Stolzenburg, Sabine Balke und Carina Bruckner vom Schulservice-Team der AOK boten jedem Schüler einen Sehtest an und maßen die Reaktionsschnelligkeit beim Tritt aufs Gaspedal. Sie wiesen zudem auf die Gefahr der Ablenkung beispielsweise durch das Smartphone hin. Unaufmerksamkeit sei immer häufiger eine Unfallursache.

„Ja“ zum Führerschein mit 17

Sehr deutlich wurde Polizeihauptkommissar Schröder: Von allen Verkehrsteilnehmern würden 18 bis 24-Jährige am häufigsten bei Unfällen sterben. Er fände den Führerschein mit 17 großartig, weil Fahrzeuglenker in Begleitung schon ein paar tausend Kilometer Erfahrung sammeln könnten, bevor sie sich alleine hinter das Steuer setzten. „Ich kann mir auch den Führerschein mit 16 sehr gut vorstellen“, sagte Schröder. „Worüber wollen wir sprechen – Cannabis oder Alkohol?“, fragte er in die Runde. Viele Schüler interessierten sich vor allem für die Konsequenzen des Kiffens.

Feuerwehrmann Marcel Klose kam mit zehn Jahren zur Feuerwehr und gehörte selbst schon zu einer Schülergruppe, die an der Präventionsveranstaltung teilnahm. Haben den 22-Jährigen die Erfahrungen während der Einsätze verändert? „Ja, sehr“, erklärt er den Jugendlichen. „Man geht verantwortungsbewusster durchs Leben.“

Marcel Klose von Seelzes Feuerwehr und iris Stoluenburg vom Schulservice der AOK bieten Versuche zur Reaktionsgeschwindigkeit an. Quelle: Patricia Chadde

Unachtsam für nur zwei Sekunden

Ein kurzer Blick aufs Smartphone riskieren viele Autofahrer, während sie mit Tempo 50 durch die Ortschaft fahren. „Wieviele Meter legt man eigentlich in zwei Sekunden zurück?“ fragt Iris Stolzenburg von der AOK und schlägt fünf, zehn und dreißig Meter vor. Die richtige Antwort schockiert die Schüler, denn es sind beachtliche 30 Meter die man quasi „blind“ gefahren ist. Doch Stolzenburg hat auch gleich einen Tipp parat: „Ich lege meine Handtasche immer in den Kofferraum, dann kann es da klingeln, solange es will. Ich werde jedenfalls nicht verführt, kurz ranzugehen“. Eine Filmvorführung veranschaulicht die Gefahren durch Ablenkung zusätzlich. cha

Joshua Jeynes schildert einen dramatischen, Unfallhergang, der abei ihm und seinen Feuerwehrkameraden Spuren hinterlässt. Quelle: Patricia Chadde

Mitfahrer tragen eine Mitschuld

Der eine fährt angetrunken Auto und nichts passiert – nicht einmal eine Polizeistreife hält ihn auf. Der andere fährt genauso betrunken und hat nach wenigen Kilometern zwei Menschenleben auf dem Gewissen. Was Polizei und Feuerwehr bei schlimmen Unfällen vorfinden, schilderte Joshua Jeynes eindrucksvoll. Das Präventionsangebot appellierte auch an die Eigenverantwortung der Schüler. Wer berauscht am Straßenverkehr teilnimmt, aber auch die Mitfahrer, die zu einem Betrunkenen ins Auto steigen, verlieren ihren Versicherungsschutz. Über die möglicherweise lebenslangen Folgen dieser Dummheit denken viele Leute wenig nach. cha

Wer durch diese Rauschbrille blickt, erlebt die Einschränkung der Sehtüchtigkeit durch Alkohol und andere Drogen. Quelle: Patricia Chadde

Jährlich 75.000 Alkoholtote auf den Straßen

Ginge es nach Polizeihauptkommissar Karsten Schröder dürfte Alkohol in der Bundesrepublik weder so günstig, noch so einfach zu haben sein. „Wir haben in der Bundesrepublik jährlich 75.000 Tote durch Alkohol“, sagt er. Nach seinem Rechenbeispiel würde eine 16-Jährige nach drei Bieren à 0,3 Liter und bei einer Größe von 1,58 Metern und einem Gewicht von 63 Kilo auf 0,6 Promille kommen. Damit sei sie absolut fahruntüchtig. Für Fahranfänger gilt 0,0 Promille und das empfehlen die Beamten des Polizeikommissariats Seelze jedem Verkehrsteilnehmer. Wie eingeschränkt das Sichtfeld bei Alkohol ist, zeigten sie mit der Rauschbrille. cha

Von Patricia Chadde

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