Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Dietmar Kaul hat Seelzes Ratten im Blick
Umland Seelze Nachrichten Dietmar Kaul hat Seelzes Ratten im Blick
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:24 25.02.2018
Seelzes SChädlingsbekämpfer präpariert einen Mischwasserschacht mit Rattengift. Quelle: Patricia Chadde
Seelze

  Dietmar Kaul kümmert sich um vierbeinige Stadtbewohner, die nicht erwünscht sind. Als Seelzes Schädlingsbekämpfer forscht er nach Rattenkot oder Spuren von Wühlmäusen. „Wer eine Ratte entdeckt, melde seine Beobachtung mit der Angabe der Straße bei der Stadt Seelze“, bittet Kaul um Unterstützung. Gegenmittel kennt er auch. Das wichtigste kommt in jedem Haushalt vor und heißt Spaghettisieb. „Ob man Kassler mit Sauerkraut kocht oder eine Nudelsuppe, wer anschließend die Kochreste ins WC schüttet, füttert die Ratten“, berichtet Dietmar Kaul. Am Ende kann man also froh sein, wenn die Ratten nicht durch die Abwasserleitung in die Wohnung vordringen, was der Mitarbeiter der Seelzer Stadtverwaltung schon mitansehen musste.

Unterwegs mit Seelzes Schädlingsbekämpfer Dietmar Kaul, der Lieblingsplätze und Lebensgewohnheiten der heimischen Nagetiere genau kennt.

Doch die Ratten-Vorsorge hat jeder selbst in der Hand. „Wer die Feststoffe des Essens mittels Spaghettisieb auffängt und nur die reine Flüssigkeit in der Toilette entsorgt, bietet den Nager dagegen nichts zu beißen. So wird der Standort für die Tiere unattraktiv“, erläuertert Dietmar Kaul. Großartige Festessen bieten dagegen zu früh herausgestellte Müllsäcke oder wild entsorgte Lebensmittelreste. 

Mäuse im Kindergarten fängt Kaul lebend

Aber: wo Menschen sind, sind auch Ratten. „Auch der Klimawandel macht sich bemerkbar, inzwischen überlebt rund 60 bis 70 Prozent des Rattennachwuchses“, hat Dietmar Kaul festgestellt. Er fährt in mit dem einzigen elektrobetrieben Fahrzeug der Stadtverwaltung in eine Wohnstraße, holt einen Haken aus dem Heck des Transporters und schiebt den Deckel eines Mischwasserschachtes an die Seite. Dann leuchtet er mit der Taschenlampe den Boden des Schachtes aus und kann Nahrunsgreste ebenso wie Rattenkot identifizieren. An einem Draht lässt Dietmar Kaul einen Köder hinab. Der Inhaltsstoff blockiert die Blutgerinnung von Säugetieren, die nach dem Fressen am Köder innerlich verbluten werden. „Schöner wäre es ja, man würde den Nagern nichts zu fressen bieten, damit man sie hinterher nicht töten muss“, findet Kaul. Er schaut sich jeden seiner Einsatzorte genau an und überprüft auch angrenzende Straßen. Hat sich aber mal eine Maus in Kindergarten oder Hort geschlichen, dann setzt Seelzes Schädlingsbekämpfer lieber eine Lebendfalle als eine Schnappfalle ein. Zweimal täglich kontrolliert er sie dann, denn „Mäuse bekommen schneller Herzinfarkt, als man denkt“, weiß Kaul inzwischen. Ist die Maus gefangen, wird sie von ihm am Leineufer wieder frei gelassen. „Im Stadgebiet gibt es mehr Ratten, als in den ländlich geprägten Orten, wo auch viele Katzen die Nagetierpopulation in Schach halten“, so Kauls Erfahrung. Doch wer sich von Schädlingen geplagt fühlt und Hilfe sucht, bekommt sie gerne und kostenlos von der Stadtverwaltung angeboten. 

Abwasserröhren sind wie Autobahnnetz für Ratten

Nach einem Mischwasserschacht, in dem Brauch- und Regenwasser zusammen laufen, fährt Dietmar Kaul in ein weiteres Wohngebiet, wo beide Wasserarten getrennt in Schächte fließen. Auch hier zeigt schon ein kurzer Blick in die geöffneten Schächte, dass sich offenkundig zahlreiche Ratten unterhalb der Straßendecke tummeln. „Die Abwasserröhren sind ja wie ein riesiges Autobahnnetz“, erklärt Dietmar Kaul und fährt als nächstes zu einem Gartengrundstück, wo er zuletzt oberirdisch eine Köderbox platziert hatte. Warnschilder weisen auf die mögliche Gefährung von Tiren und menschen durch den Giftköder hin. Kaul öffnet die schwarze Kiste und freut sich, dass sie leer ist. „Hier sind die Ratten weg“, lautet sein zufriedenes Fazit. 

 Kaul berät auch Bürger bei Problemen mit Ratten und Wühlmäusen

„Man muss gut allein arbeiten können“, beschreibt Kaul seinen Arbeitsalltag. Seine wichtigsten Hilfsmittel sind Telefon und Kugelschreiber, denn selbstverständlich werden Schädlingsvorkommen dokumentiert und für die genaue Bestimmung der  Köderboxen-Standorte müssen Lageskizzen angefertigt werden. „Ich berate die Leute auch gerne, die Probleme mit Ratten, Wühlmäusen oder Mäusen haben“, so Dietmar Kaul, der dafür extra eine Infobox mit allen Hilfsmitteln zusammen gepackt hat. Falls er mal krank sein sollte oder in Urlaub fährt, hat er in Maik Buchholz inzwischen einen Stellvertreter, damit die Ratten nicht ungebremst durch Seelzes Abwasserkanäle toben, sondern ihre Anzahl limitiert bleibt. Da die Nager zahlreiche Krankheiten übertragen, arbeitet Kaul immer mit Handschuhen und hat sogar im Auto Desinfekrtionsmittel griffbereit. Gegen Hepatitis A und B sowie Tollwut wurde er sogar extra geimpft. 

Von Patricia Chadde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Nachrichten Wunstorf/Garbsen/Seelze/Barsinghausen - Kirchengemeinden gründen einen Verband

Mit der Gründung eines Verbands wollen sieben Kirchengemeinden im Süden des Kirchenkreises Neustadt-Wunstorf ihre Zusammenarbeit auf eine neue Basis stellen.

25.02.2018

Familienservice-Team besucht ab März Neugeborene und ihre Eltern. Für die Eltern gibt es Informationen, für die Kinder eine Mütze mit der Aufschrift „Seelzer Sonnenschein“.

25.02.2018

Der Ortsrat Letter hat in einer Sondersitzung am Dienstagabend die Vorlage der Stadtverwaltung zum Verkauf des Alten Rathauses mit den Stimmen der SPD-Fraktion abgelehnt. Weil die Vorlage nach Einschätzung von Ortsbürgermeister Rolf Hackbarth fehlerhaft ist, hat er die Kommunalaufsicht eingeschaltet.

24.02.2018