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Umland Seelze Nachrichten Wiederentdeckte Urkunde: Bereits 800 Jahre Lohnde
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08:06 08.02.2011
Ein Gedenkstein an der Mechthildstraße erinnert an die 750-Jahr-Feier in Lohnde von 1992. In diesem Jahr könnte ein weiterer Stein hinzukommen. Quelle: Walter Bartels

Als die Lohnder vor 19  Jahren das Jubiläum ihres Ortes feierten und auch eine Chronik erstellt wurde, beriefen sie sich auf eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1242 als erste zeitlich gesicherte urkundliche Erwähnung.

Gerald Bredemann, Archäologe aus Seelze und heimatkundlich stark interessiert, hat zahlreiche Schriften gewälzt und wurde schließlich in einem 1896 veröffentlichten Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim fündig: In einem Dokument aus dem Jahr 1211 wird ein Grundstücksverkauf bezeugt, einer der betroffenen Höfe liegt in „Lonae“ – nach heutiger Schreibweise Lohnde. „Das Buch ist hier nicht zur Kenntnis genommen worden“, sieht Bredemann den Grund dafür, dass 1992 letztlich fälschlicherweise ein Jubiläum gefeiert wurde. Auf die Urkunde von 1211 verweist im übrigen auch der bekannte Namenskundler Professor Jürgen Udolph in einem seiner Werke aus dem Jahr 1998 – ohne, dass dies vor Ort registriert wurde.

Die Originalurkunde liege laut Bredemann möglicherweise noch in Hildesheim – falls sie überhaupt noch existiere. „Ich habe aber keine Zweifel, dass Lohnde mindestens 800 Jahre alt ist.“ Daraus, dass Lohnde als Dorf bezeichnet wird, schließt Bredemann, dass die Siedlung 1211 mindestens zehn Gehöfte umfasste. „Lohnde muss damals schon eine beträchtliche Größe gehabt haben.“

Bei seiner Recherche entdeckte Bredemann noch zahlreiche weitere Urkunden aus dem Mittelalter. „Bisher waren 37 Exemplare bekannt, jetzt sind es 78“, sagt er. Die meisten seien auf Latein abgefasst, einige auch auf Niederdeutsch. Aus Siegelfragmenten hat er außerdem das Wappen des adeligen Geschlechts „van Lone“ rekonstruiert – es zeigt einen Windhund. Von der Familie in Erinnerung geblieben ist vor allem Mechthild, an die außer einer Straße in Lohnde auch eine Grabplatte in der St.-Martin-Kirche in Seelze erinnert.

Lohndes Ortsbürgermeister Wilfried Nickel hatte bereits über Stadtarchivar Norbert Saul von Gerald Bredemanns Forschungsergebnissen erfahren. Ihm schwebt eine Feierstunde „800 Jahre Lohnde“ vor. „In der SPD-Ortsratsfraktion sind wir uns schon einig, dass wir was machen wollen.“ Die Beratung im Ortsrat stehe noch aus. Ganz so groß wie 1992 werde die Veranstaltung aber wohl nicht werden: „Damals hing ganz viel Arbeit dran.“

Frank Walter

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