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Seelze Nutrias sind Gefahr für Hochwasserschutz
Umland Seelze Nutrias sind Gefahr für Hochwasserschutz
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15:46 11.02.2019
Matthias Ludowig (links) und Alfred Harmes sehen freilaufende Hunde als Gefahr für viele Wildtiere. Quelle: Thomas Tschörner
Harenberg

Freilaufende Hunde sind nach Einschätzung von Matthias Ludowig, Mitpächter der Jagdreviere Harenberg und Letter, ganzjährig eine Gefahr für das Wild. „Das Wild wird bei der Aufzucht und Pflege gestört“, sagt der Harenberger Landwirt. Er sei immer erstaunt, dass viele Leute meinen, sie könnten ihren Hund kreuz und quer durch die Landschaft laufen lassen. „Ich versuche immer, die Leute nett anzusprechen.“ Doch nicht alle seien einsichtig. Häufig erhalte er die Antwort, dass er ja auch dort langgehe. Als Jäger habe er aber bestimmte Aufgaben, wie das Unterhöhlen von Bahndämmen, Kanalböschungen und Wegen durch Kaninchen und Nutrias zu verhindern.

Wildernder Hund reisst Reh

Erst vor kurzem habe er ein totes Reh entdeckt, das von einem Hund verfolgt und schließlich gerissen wurde. Anschließend hätten sich Füchse über den Kadaver hergemacht. Ludowig appelliert deshalb an Hundehalter, ihren Vierbeiner nicht permanent frei laufen zu lassen. Spaziergänger sollten auf den Wegen bleiben und nicht kreuz und quer durch die Landschaft laufen. „Ich beobachte zudem, dass viele Leute ihren Hund nicht unter Kontrolle haben – da geht der Hund eher mit Herrchen spazieren als umgekehrt.“ Freilaufende Hunde seien aber durchaus auch selbst in Gefahr und könnten sich mit vom Fuchs verbreiteten Krankheiten anstecken, etwa mit Räude, Staupe und dem Fuchsbandwurm. Wenig Unrechtsbewusstsein hätten Städter auch damit, die Feldwege zuzuparken. Land- und forstwirtschaftlicher Verkehr würden so behindert. Ludowig betont, dass er durchaus unterscheide. „Ich würde nie einen darauf ansprechen, wenn ich sehe, dass er seinen Hund im Griff hat.“

Zwar gebe es mit den Wildschongebieten speziell ausgewiesene Bereiche, in denen ganzjährig Hunde an der Leine zu führen sind. Doch viele Halter würden dies nicht beachten. „Ich denke manchmal, das darf doch wohl nicht wahr sein.“ Ähnliche Erfahrungen hat auch der von der Stadt Seelze als Ehrenbeamter bestellte Feld- und Forsthüter Alfred Harmes gemacht, der für den Bereich Letter-Süd, Harenberg und Velber zuständig ist. Harmes weist nicht nur auf die Brut- und Setzzeit vom 1. April bis 15. Juli hin, sondern auch auf das Rauchverbot.

Die Biberratte, auch Nutria genannt, kommt ursprünglich aus Südamerika. Quelle: privat

Kaninchen und Nutria unterhöhlen Dämme

Eine Aufgabe der Jäger im Seelzer Stadtgebiet ist auch, Bahndämme und Böschungen vor der Unterhöhlung durch Tiere zu schützen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sowie die Deutsche Bahn forderten die Jagdpächter immer wieder dazu auf, Kaninchen und Nutria zu bejagen. Während es aktuell nur eine geringe Kaninchenpopulation gebe, sei die Nutria ein großes Problem für den Hochwasserschutz und landwirtschaftliche Fahrzeuge. Das auch als Biberratte bekannte Tier grabe in Uferböschungen seine Wohnhöhlen, die dadurch instabil werden können. Würden diese unterhöhlt, könnten die schweren landwirtschaftlichen Fahrzeuge einbrechen. Wegen der starken Ausbreitung dürften Nutrias ganzjährig bejagt werden, sagt Ludowig. Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 24320 Nutrias erlegt, so viele wie nie zuvor.

Ein Waschbär läuft durch einen kleinen Bachlauf im Wisentgehege in Springe. Quelle: Archiv

Waschbären sind geschickte Räuber

„Das nächste große Problem ist der Waschbär“, sagt Ludowig. Die Tiere seien geschickte Räuber, die sich zudem stark vermehrt hätten. Leidtragende seien viele Vogelarten, deren Gelege von den Tieren ausgeräumt würden. Auch in den Städten seien die geschickten Kletterer inzwischen aktiv. Die starke Verbreitung des Waschbären zeige sich auch an der Zahl der erlegten Tiere: In Niedersachsen wurden 2018 rund 15.800 Waschbären zur Strecke gebracht, etwa 3850 mehr als im Vorjahr.

Wildschweine sind in Seelze kein großes Problem

Wildschweine habe es früher in Seelze kaum gegeben. Inzwischen seien sie aber hin und wieder anzutreffen. Im Hegering Kirchwehren wurden 2018 insgesamt 63 Wildschweine geschossen. In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr knapp 70.000 Tiere zur Strecke gebracht, deutschlandweit mehr als 800.000. Die Tiere übertragen die afrikanische Schweinepest. Doch Ludowig hält den Aktionsradius der standorttreuen Tiere für zu gering, um für die Ausbreitung der Tierseuche allein verantwortlich zu sein. „Der Mensch ist mit unvorsichtigem Verhalten der größte Überträger, etwa indem er als Auto- oder Lastwagenfahrer aus großer Entfernung mitgebrachtes, infiziertes Fleisch wegwirft.“ Dieses wird dann von den Wildschweinen vor Ort aufgenommen, die dann die Krankheit übertragen können.

Wildschweine sind an manchen Orten zu einer Plage geworden. Quelle: Archiv

Von Thomas Tschörner

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