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Seelze Schlafende Rüben und saufende Pferde
Umland Seelze Schlafende Rüben und saufende Pferde
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13:45 30.07.2018
Die Blätter "schlafender" Rüben hängen schlapp herunter. Quelle: Patricia Chadde
Seelze

Die Redewendung kennt eigentlich jeder: „Der kann ja saufen wie ein Pferd“. Auch wenn es bei dem Spruch eher um stattliche Promille-Zufuhr als um Trinkwasser geht, bleibt die Frage: Was schlürft denn so ein Gaul an einem heißen Sommertag weg? Während Fohlen mit bescheidenen zehn bis 15 Litern Wasser auskommen, benötigen schwer arbeitende Großpferde 80 Liter. Wer diese Menge in Eimer ranschleppen muss, wird sich bedanken und kann sich freuen, dass er keine Kuh hat. Denn das Milchvieh kommt auf 110 Liter am Tag. Da sind die Tierhalter im Vorteil, die einen Goldhamster haben. Der stammt ursprünglich aus dem eher trockenen Syrien und nimmt die überlebensnotwendige Flüssigkeit überwiegend über Saftfutter auf. So heißen Futtermittel mit hohem Wassergehalt. Neben Gras und Rüben haben auch Obst und Gemüse einen hohen Wassergehalt, so dass der Goldhamster nur ein paar Milliliter am Tag aus der Trinkflasche nippeln muss.

Wieviel Wasser jede Gartenpflanze genau benötigt, wird kaum ein Kleingärtner in Millilitern bemessen. Gewöhnlich wird die Versorgung mit einer Mischung aus Erfahrung und Augenschein geregelt. Nach den ergiebigen Niederschlägen im Sommer 2017 verwundert jetzt der Anblick von Maisblättern, die sich nach innen rollen oder schlappen Blättern an der Tomatenpflanze. Bei diesen Anzeichen für Wassermangel wird es höchste Zeit, Nachschub zu liefern, ob mittels Gießkanne, Rasensprenger oder Beregnung, abhängig davon welche Stückzahl auf welcher Fläche versorgt werden muss. Nachvollziehbar, dass frisch gepflanzte Bäume eher Trockenstress haben als tief wurzende, alte Bäume. Ein Grund, weshalb Letters Ortsbürgermeister Rolf Hackbarth (SPD) darum bittet, bei Bedarf auch den Straßenbaum vor der Haustür zu gießen.

Während manche Pflanze gegenüber Trockenstress besonders empfindlich ist, hat die Zuckerrübe eine raffinierte Überlebenstechnik, die „schlafen“ genannt wird. Sollte über die Rübenblätter mehr Wasser verdunsten, als die tief liegenden Feinwurzeln aus dem Boden aufnehmen können, bekommt auch die Zuckerrübe schlappe Blätter. So hat sie gegenüber trockenen Phasen eine größere Toleranz als beispielsweise Brunnenkresse. Der Haken: Wenn die Rübe schläft, wächst sie auch nicht. Ihre Entwicklung stagniert.

Ob die teilweise herbstlich gefärbten Bäume wie Ahorn oder Birke, die zwischen den Straßenbäumen mit saftig grünen Kronen gerade ein armseliges Bild abgeben, noch Knospen bilden konnten, wird erst das kommende Frühjahr zeigen. Bleibt noch die Frage, wieviel Flüssigkeit denn so ein Schluckspecht benötigt. Hühner hätten jedenfalls pro Tag gerne die Menge eines gut gefüllten Glases von 0,3 Liter, sonst treten sie in den Eierlegestreik. 

Von Patricia Chadde

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