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Seelze Milder Winter schont Wildtiere
Umland Seelze Milder Winter schont Wildtiere
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00:18 10.01.2019
Rehe haben aktuell in Seelze wenig Probleme mit dem Winterwinter. Quelle: Aiko Sukdolak
Seelze

In Seelzes freier Wildbahn sucht man Vögel wie Kiebitz und Star derzeit vergebens. Der aus Döteberg stammende Tierfotograf Aiko Sukdolak, muss sich noch bis zum Frühjahr gedulden. Denn als sogenannte Kurzstreckenzieher verbringen diese Vögel den Winter lieber in wärmeren Gefilden, wie dem Mittelmeeraum und Westeuropa. Langstreckenzieher wie Nachtigall, Storch und Kuckuck legen sogar noch weitere Wege Richtung Süden zurück.

Aber wie ergeht es derzeit heimischen Wildtieren, die während der Winterzeit nicht für einige Wochen oder Monate auswandern, sondern ganz normal vor Ort weiterleben? Schließlich liegen die regionalen Tagestemperaturen überwiegend im Plusbereich, auch nächtlicher Bodenfrost kam noch nicht häufig vor, von einer dichten Schneedecke ganz zu schweigen. Daher haben Seelzes Wildtiere derzeit nichts auszustehen –und Sukdolak findet noch Motive. Gilt die kalte Jahreszeit eigentlich als „Flaschenhals“, bei dem nur die gesunden, starken Tiere trotz der typischen Kälte und des Futtermangels überleben, sind die Anforderungen derzeit nicht besonders hoch.

Der Dachs hält Winterruhe. Wacht er auf, findet er derzeit noch ausreichend Nahrung. Quelle: Aiko Sukdolak

Heimische Säugetiere, wie der Dachs, halten Winterruhe. Wachen sie auf und kriechen aus ihrem Bau, finden sie derzeit immer noch genug zu fressen, was auch an ihrer flexiblen Ernährungsform liegt. Denn diese Marderart frisst zwar Aas, Würmer, Insekten, und Kleinsäuger. Aber auch Beeren und Körner zählen zum Spektrum ihres Speiseplans. Der Nachwuchs des Grimbarts kommt erst zum Ende des Winters im beginnenden Frühjahr auf die Welt. Ist die Nahrungssituation über einen längeren Zeitraum knapp, werden die Jungtiere einfach länger gesäugt.

Fledermäuse halten dagegen Winterschlaf, wobei sämtliche Lebensfunktionen stark reduziert werden. Statt 600-mal schlägt ein Fledermausherz während dieser Ruheperiode nur noch zehnmal pro Minute. Auch die Atemfrequenz sinkt entsprechend ab. Dank ihres extrem gedrosselten Stoffwechsels leben Fledermäuse während des Winterschlafes von ihren angefutterten Fettreserven. Allerdings registrieren die Tiere trotzdem alles, was in ihrer Umgebung geschieht. Kommt es im Verlauf des Winters zu Störungen, kann die Fettreserve für das mehrmalige Hochfahren des Stoffwechsels nicht mehr ausreichen. Das kann an einem kargen Sommer liegen, der wenig Möglichkeit zum Anfuttern des Specks bot, aber auch an einer sehr langen Kälteperiode. Weil Insekten im Winter schwer oder gar nicht zu finden sind, können Fledermäuse aufgrund der Störungsfolgen verhungern. Da die meisten Arten geschützte Höhlen, alte Stollen und andere unterirdische Verstecke zur Überwinterung nutzen, ist die Gefahr einer Störung eher gering. Dabei ist auch eine hohe Luftfeuchtigkeit für das Überleben wichtig. Spaziergänger können auf angemessenes Verhalten achten, denn auch ausgefaulte Baumhöhlen sind ein beliebtes Winterquartier für manche heimische Fledermaus.

Rehe und Wildschein haben dagegen keine Probleme. Sie finden ausreichend Nahrung. Erst bei einer länger anhaltenden, geschlossenen Schneedecke wird ihre Situation prekär. Dann kann das Aufscheuchen des ruhenden Wildes die Tiere zu viel Kraft kosten. Was Tierschützer und Förster bei dem aktuell noch milden Winter eher besorgt, ist die hohe Überlebensrate von schädlichen Insekten, Parasiten und Krankheitserregern. Aber vielleicht gibt es ja doch noch Schnee und Eis, denn bis zum kalendarischen Winterende am 22. März sind noch zehn Wochen Zeit.

Von Patricia Chadde

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