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Seelze Rat stimmt für Bauvorhaben in Letter
Umland Seelze Rat stimmt für Bauvorhaben in Letter
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16:07 28.09.2018
Zahlreiche Bürger verfolgen auf der oberen Sitzreihe den Verlauf der Ratssitzung. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze

Mit großer Mehrheit hat der Rat der Stadt Seelze am Donnerstagabend für den Abriss des Alten Rathauses in Letter und den Bau neuer Wohnungen auf dem Grundstück am Bürgermeister--Röber-Platz gestimmt. Bürger zeigten sich in der Einwohnerfragestunde enttäuscht und reagierten teilweise wütend.

Die Stadt hatte nach einem Bieterwettbewerb das Alte Rathaus samt rund 4400 Quadratmeter großem Grundstück für 860.000 Euro an die Wohnungs-Genossenschaft Herrenhausen (WGH) verkauft, nachdem über das Schicksal des Gebäudes jahrelang diskutiert worden war (siehe Kasten). Die WGH will auf dem Areal in Letters Ortsmitte in vier Gebäuden insgesamt 38 Wohnungen schaffen. In der Ratssitzung am Donnerstagabend warb Bürgermeister Detlef Schallhorn noch einmal für das Projekt. In der Region sollten 28.000 neue Wohnungen bis 2028 entstehen, dies erhöhe auch den Druck auf Seelze. „Es wird nicht anders als über eine verdichtete Bebauung gehen“, sagte der Bürgermeister. Dies entspräche auch einem bereits vor einigen Jahren gefassten Beschluss des Rates. „Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung“, sagte Schallhorn. Die WGH sorge für die geforderten 56 Stellplätze. Ein Mann rief unter Applaus dazwischen, dass die Bürger die Verdichtung nicht wollten und die von ihnen gewählten Politiker den Wählerwillen zu befolgen hätten und nicht ihren eigenen. Der Erste Stadtrat Karsten Balzer betonte, dass es jetzt erst um den Auslegungsbeschluss ginge. Weitere Bedenken und Einwände müsse der Rat im weiteren Verfahren abwägen. Balzer warnte davor, alles schlecht zu reden. Seit 1997 werde diskutiert, nun sei eine Entscheidung gefallen und es gelte, nach vorn zu blicken. „Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft gestalten“, forderte Balzer die Bürger auf.

In der Einwohnerfragestunde zeigten sich die Bürger allesamt ablehnend. Kritik gab es an der dreigeschossigen Bauweise, der drohenden Fällung von Bäumen und der Größe der geplanten Wohnanlage. Eine Frau bedauerte den Abriss des historischen Gebäudes. Die Stadt solle versuchen, dass die WGH das Alte Rathaus erhalte und draus ein Bildungshaus mache. Befürchtet wurde von einer Anwohnerin zudem, dass die direkten Nachbarn durch die Zufahrt zur geplanten Tiefgarage gestört würden. Die Notwendigkeit der verdichteten Bebauung ließ ein Mann generell nicht gelten: „Warum wird in Seelze-Süd nicht mehr gemacht, wieso wird das jetzt in Letter reingequetscht?“

Letters Ortsbürgermeister Rolf Hackbarth rügte, dass die Dreigeschossigkeit der geplanten Häuser zuvor von keinem politischen Gremium befürwortet worden sei. Die interessierten Unternehmen hätten bei der Verwaltung angefragt und von dort die Zusage für die Möglichkeit des Baus dreigeschossiger Häuser erhalten. Die Fläche um das Alte Rathaus sei die grüne Lunge Letters. „Wenn man den Plan genau liest, sieht man, dass 70 Prozent der Bäume gefällt werden.“ Er rechne damit, dass Bürger gegen das Projekt klagen würden – unter anderem wegen der Höhe und der Parkplätze, sagte der Ortsbürgemeister. SPD-Ratsherr Hans Pandzioch sprach von „Bunkern mit Fenstern“. Er sah in den Plänen einen Kulturverlust: Vor wenigen Jahren habe die Stadt noch einen Schaukasten für Vereine abgelehnt, weil dieser nicht ins Straßenbild passe.

Bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung sprach sich der Rat mit großer Mehrheit für das Bauvorhaben aus.

Über das Gebäude wurde jahrelang diskutiert

Der Rat hatte 2015 den bedingungslosen Verkauf des Alten Rathauses beschlossen –als Teil des Konsolidierungskonzeptes für die sogenannte Stabilisierungshilfe des Landes von rund 22,3 Millionen Euro. Bei einem Bieterverfahren sollten die Teilnehmer erklären, was mit dem Gebäude und dem Grundstück passieren soll. Als Bewertungskriterien waren unter anderem das Mindestgebot, die Art der geplanten Wohneinheiten, die Außenanlagen, verkehrliche Erschließung sowie der Erhalt des Gebäudes festgelegt worden. Über das Alte Rathaus, dessen Sanierungskosten von rund 1,5 Millionen Euro die Stadt nicht aufbringen konnte, war seit 1997 immer wieder diskutiert worden. Ideen, mit einem städtebaulichen Wettbewerb das Gebäude oder zumindest die Fassaden mithilfe von Investoren zu erhalten, hatten sich als nicht realisierbar erwiesen.

Von Thomas Tschörner

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