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Seelze Seelzer trifft Spielkameradin nach 72 Jahren wieder
Umland Seelze Seelzer trifft Spielkameradin nach 72 Jahren wieder
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15:15 09.07.2018
Peter Güllner und Maria Kowasch, geborene Richter, treffen sich nach über 70 Jahren wieder. Quelle: Sabine Brakhan
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Seelze / Beckern / Hameln

Im Wintergarten seines 1966 erbauten Reihenhauses sitzt der Seelzer Peter Güllner und ist „wunschlos glücklich“. Beachtlich, wenn man seine Lebensgeschichte erfährt. Denn die ersten beiden Jahrzehnte seines Lebens waren von einem Überlebenskampf geprägt. Güllner, Jahrgang 1941, wurde wie viele andere Kinder dieser Zeit, im ersten Fronturlaub seines Vaters nach Kriegsbeginn gezeugt. Bei der ersten Begegnung mit seinem Vater Georg ist er schon vier Monate alt. Seine Eltern betreiben ein Gasthaus im niederschlesischen Beckern, das bis Juni 1945 in Familienbesitz ist. Nebenan lebt mit Maria Richter eine tolle Spielkameradin. Mit fünf Jahren sieht er sie zum letzten Mal, dann trennen die Folgen des Krieges die beiden.

Nun hat der heute 77-jährige Seelzer seine Spielfreundin aus Kindertagen bei einem Vertriebenen-Treffen in Hameln zum ersten Mal wiedergesehen. Denn während die kleine Maria gleich in Leipzig, der späteren DDR landete, erwischt Güllners Mutter mit Sohn Peter und seiner schwerkranken Schwester Monika den letzten Zug, der erst westlich der Neiße wieder anhält. „Alle Deutschen in meinem Heimatort mussten auf Befehl der russischen Machthaber weiße Binden tragen und waren dadurch quasi als Freiwild gekennzeichnet“, erinnert sich Güllner an die gefährliche Zeit unmittelbar nach Kriegsende in seinem heute zu Polen gehörenden Heimatort. Als bei Görlitz der Fluss überquert und damit das künftig zu Polen gehörende Gebiet verlassen wird, werfen alle ihre weißen Binden hinaus: „Der Bahndamm sah aus, als hätte es geschneit“, erinnert sich Güllner.

Erstes Quartier in Seelze

Am 14. September 1946 erhält die dreiköpfige Familie beim Seelzer Landwirt Heimberg in der Bremer Straße ein Quartier. „Das hat uns das Leben gerettet“, sagt Güllner. Hier gibt es täglich einen Liter Milch und wöchentlich einen Korb Kartoffeln. Von seiner Einschulung am ersten April 1947 gibt es noch ein Foto. Doch ganz sorglos ist das neue Leben in Seelze nicht: 30 Mark Rente reichten nicht für den dreiköpfigen Haushalt. Zum geringen Einkommen kommt der Schmerz um die Toten. Der Vater Georg war gefallen, die älteste Schwester Sigrid im Alter von zwei Jahren den Folgen einer Pockenimpfung gestorben, die jüngste Schwester Roswitha, Jahrgang 1943 wie auch die Großmutter noch in Beckern dem Hungertyphus erlegen.

Güllners Mutter muss arbeiten, um die Familie ernähren zu können. Während sie ganztags in den Werken von Riedel de Haen arbeitet, wird ihr zehnjähriger Sohn zum Schlüsselkind und ist damit auf sich gestellt. Doch Dank Handelsschule, kaufmännischer Lehre und Abendschule findet er einen sicheren Arbeitsplatz bei Continental und erarbeitet sich die finanzielle Grundlage, um zu heiraten, ein Haus zu bauen und zwei Kinder groß zu ziehen.

Das alles erzählt Peter Güllner seiner Kinderfreundin Maria, als sie sich am 17. Juni 2018 beim Vertriebenen-Treffen für die aus Schlesien in Hameln nach 72 Jahren erstmalig wieder begegnen. An vielen Punkten ähneln sich beider Biografien, doch Maria flüchtete vor 30 Jahren ein zweites Mal. Nämlich aus der DDR in die Bundesrepublik. Demnächst wollen die ehemaligen Nachbarskinder mal telefonieren – sie lebt jetzt in Solingen, er in Seelze. Das Erinnerungsfoto von ihrem Wiedersehen bekommt natürlich einen Ehrenplatz im Album.

Von Patricia Chadde

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