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Umland Sehnde Nachrichten Kleines Öhr war schon in Eisenzeit besiedelt
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00:17 29.10.2017
Archäologin Ute Bartelt zeigt, wo in der Herdgrube mal ein Rennofen war. Quelle: Katja Eggers
Sehnde

Ute Bartelt, Kommunalarchäologin bei der Region Hannover, wertet die Funde als Relikte, die auf Siedlungs- und Produktionstätigkeit hinweisen. Dort, wo am nördlichen Ortsausgang Sehndes derzeit das Neubaugebiet Kleines Öhr entsteht, habe es früher demnach eine Art vorgeschichtliches Gewerbegebiet und eine hofartige Anlage gegeben, erklärte Bartelt vor Vertretern der Stadt, der Medien und vor interessierten Sehndern.

Die Funde würden daraufhin deuten, dass das Areal von der vorrömischen Eisenzeit in den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt bis in die Zeit der Völkerwanderungen im fünften oder sechsten Jahrhundert nach Christus besiedelt war. "Das heißt, dass es an dieser Stelle mindestens über 800 Jahre Besiedlung gab, allerdings wohl nicht an einem Stück", erklärte die Archäologin. Erwartet hatte sie derartige Siedlungsspuren nicht. "Die Funde sind eine echte Überraschung, eigentlich ist der Boden dafür dort zu feucht", sagte sie.

Dass im Kleinen Öhr einst Menschen gesiedelt haben, belegen auch ein halbes Dutzend Überreste von Grubenhäuser. Diese waren etwa sechs bis zehn Quadratmeter groß, reichten bis zu einem Meter tief in den Boden und wurden für handwerkliche Tätigkeiten genutzt. Die Experten hatten bei ihren Ausgrabungen zudem Spuren der Pfosten von vier kleinen Speicherbauten entdeckt. "Darin wurde unter anderem Getreide gelagert", erklärte Bartelt.

In den Gruben haben die Experten zudem allerlei Tonscherben von Vorratsgefäßen gefunden. "Insgesamt dürften das ein paar Kisten voll Keramik sein", sagte die Archäologin. Während einige Scherben eine recht dicke Wand haben und vermutlich von tonnenförmigen Gefäßen stammen, gehören die kleineren Scherben laut Bartelt eher zu einem feineren Geschirr. Die Archäologin präsentierte zudem sogenannte Spinnwirtel. "Die sind aus Ton gebrannt und wurden früher zum Verspinnen von Wolle eingesetzt", sagte Bartelt. In den Grubenhäusern habe demnach auch Textilproduktion stattgefunden.

Dass im Kleinen Öhr in frühgeschichtlicher Zeit Eisen produziert wurde, belegen derweil Schlackereste und Überbleibsel von Rennöfen in freigelegten Siedlungs- und Abfallgruben. In zwei Fällen konnten auch noch die Herdgruben der Öfen erfasst werden. Rennöfen wurden ab 800 von Christus in Norddeutschland zur Eisenverhüttung genutzt, übrig blieb am Ende die Schlacke. Reste davon reichte Bartelt am Mittwoch auch unter den Anwesenden herum.

Die Experten haben jeden der Funde in Einzeltüten gesteckt, nummeriert und dokumentiert. "Das sind alles wichtige Puzzleteile, um die Geschichte zu rekonstruieren", betonte Bartelt. Dies sei umso wichtiger, weil die Ausgrabungsstätte nach dem Abrücken der Grabungsfirma wieder zerstört werde. Alles in allem haben die Mitarbeiter dort circa 1000 Funde zusammengetragen. Sie werden später im Landesmuseum in Hannover archiviert.

Im Baugebiet Kleines Öhr laufen die archäologischen Arbeiten derzeit noch weiter. Sie sollen Ende November abgeschlossen sein. Das Baugebiet mit seinen 57 Grundstücksplätzen ist mittlerweile in die Vermarktung gegangen. Eine Verzögerung der Erschließung gibt es laut Godehard Kraft, Sachgebietsleiter bei der Stadt, wegen der Ausgrabungen nicht.

Fotostrecke Sehnde: Kleines Öhr war schon in Eisenzeit besiedelt

Von Katja Eggers

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