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Nachrichten Jagdgenossenschaft entsetzt über Verkauf von Moor
Umland Sehnde Nachrichten Jagdgenossenschaft entsetzt über Verkauf von Moor
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00:40 20.04.2018
Die Stadt Sehnde will ihre Flächen im Altwarmbüchener Moor verkaufen. Quelle: Marta Krajinović
Sehnde

 Die Ankündigung von Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke (CDU), die in städtischem Eigentum befindlichen Flächen im Altwarmbüchener Moor verkaufen zu wollen, hat bei der Jagdgenossenschaft „Das Große Freie im Altwarmbüchener Moor“ Empörung ausgelöst. „Wir sind entsetzt“, sagt der Vorsitzende Hartmut Völksen. Der Vorstand habe bereits vor fünf Jahren „und danach wiederholt“ bei der Stadt angefragt und sein Kaufinteresse an den Moorparzellen bekundet. Warum nun plötzlich ein Verkauf im Bieterverfahren erfolgen soll, sei überhaupt nicht nachvollziehbar. „Auch die politischen Gremien wurden über den beabsichtigten Verkauf nicht informiert“ sagt Völksen, selbst Ratsmitglied, stellvertretender Bürgermeister und Parteifreund Lehrkes. Das widerspräche allen politischen Gepflogenheiten, wenn nicht sogar kommunalen Vorschriften.

Noch vor vier Wochen, unmittelbar vor der Hauptversammlung, habe die Stadt der Genossenschaft schriftlich mitgeteilt, dass ein Verkauf derzeit keine Priorität habe und deshalb nachrangig bearbeitet werde, kritisiert Vorstandsmitglied und Schriftführer Jan Eike Busse. Darüber hinaus hätte die Genossenschaft in dem Bieterverfahren, das keinen Mindestpreis vorsieht, vermutlich gar keine Chance, meint Kassenwart Andreas Eckerlin: „Wir sind nicht bereit und können auch gar nicht Höchstpreise für Naturschutzflächen bezahlen.“

Die Genossenschaft sei von einem Anerkennungswert oder maximal dem Richtwert für deren Traditionsflächen im „Großen Freien“ ausgegangen. Man fühle sich der Hege und Pflege sowie dem Naturschutz verpflichtet. „Dafür haben wir Rücklagen gebildet, um die Flächen in die Genossenschaft zu bekommen und sie damit dem freien Markt zu entziehen“, sagt Eckerlin.

Beim Bürgermeister stößt der Vorstoß der Jagdgenosenschaft auf Unverständnis. Er habe ihr mitgeteilt, dass der Verkauf von Moorflächen zwar nicht oberste Priorität habe, man das Thema mit einem öffentlichen Verkauf aber angehen wolle, sagt Lehrke: „Das haben wir der Genossenschaft schon im Februar mitgeteilt.“ Nun bereite er einen Beschluss vor, über den der Rat entscheiden müsse.

„Wir können nicht einfach Grundeigentum übertragen oder zu vergünstigten Preisen verkaufen“, betont Lehrke. „Es geht ja um Steuergelder.“ Es dürfe nicht der Eindruck von Kungelei oder Vetternwirtschaft bei Geschäften mit Ratsmitgliedern entstehen. Deshalb habe die Verwaltung außer der Veröffentlichung auf der städtischen Internetseite inzwischen alle bekannten Interessenten angeschrieben – als erstes die Genossenschaft. 

Völksen hofft nach eigenen Worten dennoch auf „Einsicht der Stadtverwaltung und eine gütliche Einigung“. Verschiedene Flächen der Stadt würden Naturschutzverbänden und anderen ehrenamtlichen Vereinigungen unentgeltlich oder zu Sonderkonditionen zur Verfügung gestellt, sagt Lehrkes Stellvertreter: „Dies muss doch auch im Europäischen Schutzgebiet Natura 2000 im Altwarmbüchener Moor zugunsten der Genossenschaft möglich sein.“ Denn die Genossenschaft wolle das Gebiet pflegen und schützen.

Von Oliver Kühn

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