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Umland Sehnde Nachrichten Sehnder beim Digitalfunk Vorreiter in der Region
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16:54 24.02.2018
Stadtbrandmeister Jochen Köpfer (links) und sein Stellvertreter Diethelm Huch (rechts) nehmen die Geräte im Empfang. Quelle: Stadtfeuerwehr Sehnde
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Sehnde

 Seit der Expo 2000, spätestens aber zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wird über die Einführung von Digitalfunk bei den Feuerwehren debattiert. Nun soll es in der Region Hannover tatsächlich ernst werden – und neun der 13 Sehnder Ortsfeuerwehren übernehmen dabei eine Vorreiterrolle. „Wir sind das Pilotprojekt, sozusagen die Versuchskaninchen“, sagt Stadtbrandmeister Jochen Köpfer.

Hintergrund dafür ist, dass die Region Hannover sozusagen ein „weißer Fleck“ in Sachen Digitalfunk ist und die Feuerwehren noch analog funken – während benachbarte Landkreise wie Peine und Hildesheim bereits auf Digitalfunk umgestellt haben und somit keine Kommunikation untereinander möglich ist. Bei Kastastropheneinsätzen wie kürzlich beim Hochwasser im Hildesheimes Raum ein handfestes Problem.

25 Einsatzkräfte aus den Ortsfeuerwehren Bilm, Höver, Ilten, Sehnde, Klein Lobke, Müllingen-Wirringen, Bolzum, Rethmar und Haimar haben jetzt den ersten Digitalfunklehrgang der Region im Feuerwehrhaus Ilten erfolgreich abgeschlossen. Nur Wassel, Wehmingen, Dolgen und Evern müssen noch warten. Digitalfunk ist nicht nur kostengünstiger, sondern auch abhörsicher und mit besserer Sprachqualität. Elf Handfunksprechgeräte im Wert zwischen je 600 und 900 Euro hat die Stadt angeschafft und nun an die Einsatzkräfte übergeben.

Damit dürften bald Zustände zu Ende gehen, wie sie der Stadtbrandmeister erst kürzlich wieder erlebt hat: Da musste Köpfer, bis dahin noch mit einem alten, analogen Gerät ausgerüstet, extra von Ilten nach Mehrum in den Landkreis Peine fahren, um mit den dortigen Kollegen sprechen zu können. Dabei ging es um die Gefahr, dass ein Ölfilm auf der Aue nach Sehnde schwappen könnte. „Mit Digitalfunk hätte ich das von Ilten aus erledigen können“, erklärt der 50-Jährige. Auch für die Klein Lobker dürften Einsätze wie bei der Hochwasserhilfe in Hildesheim im Vorjahr künftig deutlich unkomplizierter werden. Gleiches gilt für die Kommunikation mit der Polizei und den Rettungsdiensten, die ebenfalls schon digital funken.

Darüber hinaus böten die Digitalfunkgeräte weitere Vorteile, erläutert Köpfer. Bei Großeinsätzen oder Unwetterkatastrophen breche der analoge Funkverkehr derzeit noch oft zusammen, wenn viele Teilnehmer gleichzeitig funkten. Beim Digitalfunk könnten die Kapazitäten dagegen problemlos erweitert werden – und es könne auch „niemand mehr reinquatschen“, freut sich der Stadtbrandmeister.

Aber nicht nur für die Einsatzkräfte sei der Lehrgang Neuland gewesen. Auch für manchen Ausbilder läge die Schulung bereits Jahre zurück, entsprechend müssten sich diese ebenfalls noch einmal mit der neuen Generation der Geräte vertraut machen. „Deshalb waren auch gleich vier Ausbilder bei uns“, sagt Köpfer. Unter Leitung von Günther Hoins aus Lehrte wurden den Teilnehmern rechtliche Grundlagen sowie physikalische und netzspezifische Grundlagen vermittelt.

Auch wenn das „Zeitalter des Digitalfunks“ nun endlich in der Region Hannover beginne, wie es der stellvertretende Regionsausbildungsleiter Jürgen Menzel bezeichnete, wird es bis zum vollständigen digitalen Funkverkehr in der Region noch etwas dauern. Das wird erst möglich sein, wenn die noch im Bau befindliche Regionsleitstelle der Feuerwehr Hannover fertig ist – eventuell schon der zweiten Jahreshälfte.

Pressesprecher in sozialen Medien geschult

Nicht nur beim Digitalfunk wird die Stadtfeuerwehr Sehnde professioneller – auch die Pressesprecher sind bei einem Seminar mit der Rolle der sogenannten „sozialen Medien“ wie etwa Facebook, WhatsApp und Twitter bei der Krisenkommunikation geschult worden. Damit sollen sie die „Fäden der Kommunikation“ in der Hand behalten, wie es Dozent Andreas Listing vom Journalistenzentrum Wirtschaft und Verwaltung formulierte. Denn immer öfter filmten Schaulustige mit dem Smartphone und stellten die Videos anschließend ins Internet – häufig mit Emotionen und Polemik statt Fakten. „Aus einem Schneeball entsteht in kürzester Zeit eine Lawine, die sich sogar gegen die Rettungskräfte wenden kann“, verdeutlicht Regionspressewart Armin Jeschonnek. Bei dem Seminar hätten die Teilnehmer gelernt, einen möglichen „Shitstorm“ erst gar nicht entstehen zu lassen und die Social-Media-Kanäle in der Krisenkommunikation richtig zu nutzen. Als Einsatzszenario wurde ein Chemieunfall in einer Schule durchgespielt, bei dem Eltern ihre Sorgen und deren Kinder ihre Fotos im Internet gepostet hatten.ok

Von Oliver Kühn

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