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00:37 21.05.2018
Der Kirchturm ist zur Entlastung des Kirchenschiffs mit einem frei schwebenden Gerüst versehen worden. Quelle: Oliver KÜhn
Ilten

 Seit dem Mittelalter ragt der Kirchturm an der Barockkirche Ilten wie eine Trutzburg in den Himmel. Das Gemäuer ist noch intakt – doch das Dach auf der Spitze ist das letzte Mal vor dem Zweiten Weltkrieg gründlich saniert worden. Wann das war, weiß das niemand mehr, denn die Kirchenakten sind während des Krieges verbrannt. Doch fest steht, dass das Dach immer undichter wurde. Jetzt wird die Schiefereindeckung komplett erneuert. 140 000 Euro sind dafür veranschlagt. Für die Gemeinde ist es eine der größten Sanierungen überhaupt. „Das ist eine Jahrhundertmaßnahme“, umschreibt es Kirchenvorsteher Sievert Herms.

Der Wetterhahn auf der Spitze ist zuletzt vor 40 Jahren ausgebessert worden. Quelle: Oliver KÜhn

Der 32 Meter hohe, denkmalgeschützte Turm stammt etwa aus dem 13. Jahrhundert, erläutert Julia Meinecke, Architektin des Amtes für Bau- und Kunstpflege bei der Landeskirche Hannover. Eine Schiefereindeckung halte im Schnitt zwischen 70 und 90 Jahre und werde deshalb tatsächlich nur einmal in einem Jahrhundert erneuert. Weil viele Schindeln durchlöchert oder lose seien, habe man den Bereich am Fuß des Turms bereits seit eineinhalb Jahren mit Flatterband und einem Warnschild abgesichert, sagt Herms. Denn die Wiese davor werde von den Iltenern gern als Abkürzung zur Bushaltestelle genutzt. Vor der Entscheidung über eine Grunderneuerung des Dachs habe die Gemeinde keine Sofortmaßnahmen bezahlen wollen.

Erstmals habe man 2013 nach den verheerenden Hagelschäden Holzlatten unterhalb der Ziegel verlegt. „Aber es gab dennoch zunehmende Schäden“, verdeutlicht Herms. Doch die teure Sanierung habe „wie ein Damoklesschwert“ über der Gemeinde gehangen. Als zudem der Holzwurm im Gebälk festgestellt wurde, habe sich die Landeskirche schließlich für eine Grundsanierung des Turms entschieden.

Nach fast zweijähriger Planung übernimmt sie nun 90.000 Euro der Kosten, der Kirchenkreis Burgdorf die restlichen 50.000 Euro. „Wir sind froh, dass uns die Landeskirche beim Denkmalschutz unterstützt“, sagt der Kirchenvorsteher erleichtert. Aber auch die staatliche Denkmalpflege sei beteiligt gewesen. Bei der fast zweijährigen Planung habe es auch kritische Stimmen gegeben, räumt Herms ein. Nach dem Motto, warum denn die Orgel für 300 000 Euro saniert werden soll und nicht der Turm. 

Zimmermeister Manfred Lüters erhält von den Jahrhunderte alten Eichenstämmen so viel wie möglich. Quelle: Oliver KÜhn

Das Alter der Eichenstämme schätzt Zimmermeister Manfred Lüters auf 300 bis 400 Jahre. Sie sind damit deutlich älter als die 1723 erbaute Kirche. Die Konstruktion mit Holznägeln sei aber in weiten Teilen noch tragfähig: „Wir erneuern nur das Nötigste.“ Denn der Eingriff in die historische Bausubstanz soll so klein wie möglich bleiben. Aber auch das riesige Gerüst sei eine Herausforderung an die Konstruktion gewesen, erläutert Herms. Denn weil es für das angrenzende Kirchenschiff keine Belastung darstellen durfte, sei es an dieser Seite sozusagen frei schwebend aufgestellt worden. Das habe eigens ein Statiker überprüft. 

Derzeit sind Zimmermeister Lüters und seine beiden Kollegen noch mit der Ausbesserung der Balken beschäftigt. Nach Pfingsten sollen die Schieferarbeiten beginnen. Bis Mitte Juni soll die Dachsanierung dann abgeschlossen sein, sagt Herms. Dann dauere es noch einmal vier Wochen, das Gerüst abzubauen, sodass etwa Mitte Juli alles erledigt ist. Von innen ist die Iltener Barockkirche bereits vor einigen Jahren erneuert worden, vor allem das Deckengemälde aus der Barockzeit. Auch die Außenwände hatten anschließend einen neuen Anstrich erhalten.

Was steckt in der Kugel auf der Kirchturmspitze?

Auf der Spitze des Kirchturms thront nicht nur der Wetterhahn. Direkt darunter ist eine Kugel, in der die Vorgänger des jetzigen Kirchenvorstands verschiedene Archivalien gesteckt haben. Was genau dort zu finden ist, ist aber unklar. „Die Kugel wurde das letzte Mal 1978 bei Dacharbeiten geöffnet“, weiß Julia Meinecke, Architektin des Amtes für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche Hannover. Ob dort auch eine Kapsel mit zeitgeschichtlichen Dingen eingebettet ist, könne sie dagegen nicht sagen. Meinecke holt derzeit Angebote für eine Öffnung der Kugel ein. Diese könnte schnell mehrere Tausend Euro kosten, weil dafür die ganze Konstruktion abgebaut werden und die Kirchengemeinde Ilten diese im Gegensatz zur Dachsanierung selbst bezahlen müsste. Kirchenvorsteher Sievert Herms will deshalb erst einmal abwarten. Weil die Spitze nach der Dachsanierung vermutlich für einige Jahrzehnte nicht mehr begehbar ist, würde er jedoch gern ein Zeitzeugnis hinterlassen. Als Beispiel nannte er etwa einen USB-Stick und ein Foto des neuen Kirchenvorstands.ok

Von Oliver Kühn

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