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Sehnde Alkoholfahrt trägt Vater riesigen Ärger ein
Umland Sehnde Alkoholfahrt trägt Vater riesigen Ärger ein
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14:06 26.07.2018
Das Familiengericht in Lehrte überprüft nun das Sorgerecht des 54-jährigen Vaters. Quelle: Archiv
Wassel

Es war am 10. Dezember vergangenen Jahres, einem Sonntagnachmittag gegen 16.15 Uhr. Da setzte sich ein 54-Jähriger mit seiner 15-jährigen Tochter ins Auto, um sie von Sehnde zu seiner geschiedenen Frau nach Gleidingen zu bringen. Doch das war keine gute Idee. Der Sehnder hatte 1,75 Promille Alkohol im Blut und baute bei starkem Schneetreiben in Wassel einen Unfall. Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung hat das Amtsgericht Lehrte den geständigen und bislang unbescholtenen Mann nun zu einer Geldstrafe über 1500 Euro sowie einem Fahrverbot von 14 Monaten verurteilt. Doch damit nicht genug: Amtsgerichtsdirektor Robert Glaß hat den Fall an das Familiengericht übergeben, dass nun überprüfen soll, ob der Sehnder noch weiter in der Lage ist, sein Sorgerecht auszuüben.

Der Vater zeigte sich vor Gericht reuig und zerknirscht. „Das ist Scheiße gelaufen“, sagte der Mitarbeiter eines Logistikunternehmens wörtlich. Er hatte in Wassel in der Rethener Straße am Ortsausgang bei dichtem Schneegestöber einen Mercedes übersehen, der gerade rückwärts aus seiner Einfahrt fuhr und hinten rechts Reifen gerammt.

Die beiden Insassen bestätigten, dass die Sicht sehr schlecht gewesen sei und sie den Angeklagten und seinen Golf nicht gesehen hätten. „Ich habe nur einen Knall gehört“, sagte der 52-jährige Mercedesfahrer. Verletzt wurde bei dem Unfall aber niemand, doch der Schaden liegt allein bei dem Mercedes der E-Klasse bei rund 15.000 Euro.

Warum er denn an einem Sonntagnachmittag schon 1,75 Promille hatte, wollte Richter Glaß von dem Angeklagten wissen. Er habe zum Mittagessen mit Freunden drei große Bier, zwei Glas Rotwein und einen Obstler getrunken, entgegnete der 1,89 Meter große und 87 Kilogramm schwere Angeklagte. Glaß rechnete ihm jedoch vor, dass er bei diesen Angaben auf höchstens 1,34 Promille hätte kommen können – er müsse also mehr getrunken haben. Ein Gutachter hatte dem 54-Jährigen denn auch eine lallende Aussprache, einen schwankenden Gang und eine verzögerte Reaktion attestiert. Sonst habe er trotz seiner starken Trunkenheit aber keine auffälligen Erscheinungen gezeigt.

Der Sehnder räumte daraufhin unumwunden ein, dass er nicht mehr hätte fahren dürfen. Warum er es dennoch tat, wisse er heute nicht mehr. Seine Tochter habe auch nichts zu seinem Alkoholgehalt gesagt, vielleicht sei es ihr auch gar nicht aufgefallen. Dass er seit dem Unfall „nicht mehr ein so gutes Verhältnis“ zu der 15-Jährigen habe, belaste ihn sehr.

Glaß sagte klipp und klar, dass es nicht angehen könne, tagsüber volltrunken Kinder zu fahren und zu gefährden. Er habe seine Akte deshalb an das Familiengericht weitergegeben und ein Sorgerechtsverfahren eingeleitet. Dies muss ergeben, ob der 54-Jährige seine Tochter weiterhin alle zwei Wochen bei sich haben darf.

Auf den 54-Jährigen kommen jetzt aber nicht nur juristische Unannehmlichkeiten zu, sondern auch massive finanzielle. Denn außer der Geldstrafe muss er auch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) ablegen, im Volksmund Idiotentest genannt, ohne den er seinen Führerschein nicht zurückbekommt. Dieser koste nach Aussage von Richter Glaß alleine 800 Euro. Dazu kommen Verfahrens- und Anwaltskosten, sehr wahrscheinlich eine Regressforderung der gegnerischen Versicherung über den Schaden von 15.000 Euro, Kosten für den Gutachter und die Blutprobe und später bei erfolgreicher MPU auch für den Führerschein – alles in allem rund 20.000 Euro.

Dabei verdient der Sehnder nur zwischen 1250 und 1380 Euro im Monat, von denen er 273 Euro Unterhalt zahlen muss. „Trotzdem können Sie von Glück sagen, dass sie noch so glimpflich davongekommen sind“, resümierte Glaß. Das war dem Angeklagten am Prozessende deutlich klar: „Das ist ’ne Hausnummer.“ Er nahm das Urteil aber noch im Gerichtssaal an.

Von Oliver Kühn

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