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Sehnde Sehnde: Aktion Rucksack bleibt ehrenamtlich
Umland Sehnde Sehnde: Aktion Rucksack bleibt ehrenamtlich
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00:16 10.02.2019
Dennis Giesemann (von links) und Birgit Terliesner von der Sparkasse Hannover, die Gleichstellungsbauftragte Jennifer Glandorf und die ehrenamtliche Leiterin der Aktion Rucksack, Vivien Köhne, zeigen die Begrüßungsrucksäcke für die Sehnder Neugeborenen. Quelle: Sandra Köhler
Sehnde

Seit zehn Jahren gibt es die Aktion Rucksack, bei der alle Familien mit Neugeborenen in Sehnde besucht werden und einen Rucksack mit Informationen und kleinen Geschenken bekommen. Angedockt an das Bündnis für Familie, ist das Projekt zu 100 Prozent ehrenamtlich. Und das soll auch so bleiben, wie Koordinatorin und Ideengeberin Vivien Köhne sagt: „Viele Städte organisieren so etwas über die Frühen Hilfen, bei uns ist der Ansatz ein anderer“, erklärt die studierte Sozialpädogogin. „Wir wollen Willkommen heißen, nicht kontrollieren.“ Köhne war im vergangenen Jahr beim Neujahrsempfang für dies bürgerschaftliche Engagement geehrt worden.

Mehr als 80 Prozent der Familien – insgesamt sind es etwa 200 im Jahr – nehmen die Besuchstermine wahr, den sie in einem von Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke und der Gleichstellungsbeauftragten Jennifer Glandorf unterzeichneten Glückwunschschreiben vorgeschlagen bekommen. Dabei kämen die Ehrenamtlichen mit den Besucherinnen oft tief ins Gespräch, freut sich Köhne. „Das wäre anders, wenn es über die Stadt liefe“, ist sie überzeugt. Auch wenn jede Familie mit Säugling nur einmal besucht werde: „Wenn wir das Gefühl haben, da sei noch etwas anders nötig, stecken wir auch schon mal einen Flyer in den Briefkasten.“

Zehn lebenserfahrene Frauen helfen

Das ist in den Rucksäcken: Der Inhalt reicht von Informationsbroschüren rund ums Kind bis zum Luftballon. Quelle: Katja Eggers (Archiv)

Zehn Frauen zwischen Ende 30 und Mitte 70 versehen das Ehrenamt aktuell. „Wenn Frauen vorher komplett berufstätig waren, die Familie hierher zieht, um sich ein Nest zu bauen, muss sie erst einmal ankommen.“ Dabei könnten die lebenserfahrenen Helferinnen unschätzbare Hilfe bieten: „Die wissen, wo es einen Kinderarzt gibt oder Babykurse.“

Auch die Informationsbroschüren, die sich neben kleinen Geschenken von Sehnder Firmen und Institutionen in den roten Rucksäcken befinden, sind entsprechend ausgewählt. Sie beschreiben die Entwicklung von Babys im ersten Lebensjahr, zeigen die Vielfalt der Familienstadt Sehnde und geben praktische Hilfen, wenn es um Fragen wie Kindergeld und Beantragen eines Passes für den Nachwuchs oder auch einen Notarzt geht. Die Sparkasse Hannover hat für dieses Jahr wieder 150 Rucksäcke im Wert von 675 Euro gesponsert. „Das ist ein tolles ehrenamtliches Unterfangen, dass wir gern unterstützen“, sagt Vertriebsdirektorin Birgit Terliesner.

Doch die Helferinnen erfahren auch einiges. Etwa welches Krankenhaus zur Entbindung aktuell gefragt ist oder dass Kinder nicht wie noch vor zehn oder 20 Jahren die ersten zwei oder drei Jahre Zuhause verbrächten, sondern frühzeitig in Kinderkrippen angemeldet würden. „Und wenn die Fachstelle wegen der Kindertagesstättenbedarfsplanung einen Fragebogen in Umlauf bringt, nehmen sie den auch mit zu den Besuchen“, verdeutlicht Köhne.

Rucksäcke enthalten viele Informationen

In jedem der Rucksäcke befinden sich Kleinigkeiten, die eine Familie mit Kind gut gebrauchen kann. Von der Quietscheente über Pixiebücher und Waschlappen bis hin zum Rabattgutschein für ein Abendessen für die Eltern – und Wollsöckchen. „Es ist schon toll, dass Marina Holler alle neugeborenen Sehnder bestrickt“, sagt die Projektkoordinatorin dankbar.

Was aus den jüngsten Neubürgern wird, das erfahren die Ehrenamtlichen der Aktion Rucksack vielfach beim Sommerfest, zu dem alle Familien eingeladen werden. „Die Familien kommen schnell ins Gespräch und erkennen sich auf der Straße wieder“ freut sich die Gleichstellungsbeauftragte Jennifer Glandorf. In diesem Jahr findet das Fest am 31. August statt.

Frauen wünschen sich Männer fürs Team

Im zehnten Jahr besuchen Ehrenamtliche der Aktion Rucksack Familien mit Neugeborenen. „Das Interesse ist groß“, sagt Koordinatorin Vivien Köhne: „Wir erreichen fast alle Familien.“ Im Jahr 2017 gab es in Sehnde nach Auskunft der Gleichstellungsbeauftragten Jennifer Glandorf 209 Geburten und 195 Besuche, im Vorjahr 195 Geburten und 196 Besuche – das ist seit dem Start mehr als eine Verdreifachung. Insgesamt waren es in den zehn Jahren 1372 Besuche.

Angesichts dieser hohen Nachfrage schafften es die Ehrenamtlichen bei vier Besuchsterminen pro Woche nicht, die Familien aufzusuchen, wenn die Kinder acht bis zehn Wochen alt sind, sagt Köhne: „Wenn wir aber erst da sind, wenn die Kinder fünf Monate alt sind, ist ganz viel Vernetzung, um die es uns eigentlich geht, bereits erfolgt.“ Deshalb müsse man überlegen, wie die Besuche wieder näher am Geburtstermin heranrücken. Ein zusätzlicher Besuchstag in der Woche könnte ein Anfang sein. Deshalb seien weitere Ehrenamtliche willkommen: „Wir hätten auch gerne Herren im Team.“

Von Sandra Köhler

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