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Sehnde Umgang mit Grün stößt bei vielen sauer auf
Umland Sehnde Umgang mit Grün stößt bei vielen sauer auf
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15:36 24.07.2018
Solch blühende und gut gepflegte Pflanzinseln wollen alle Anwohner erhalten wissen. Quelle: Oliver Kühn
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Sehnde

Wie geht es mit dem Grün im Wohngebiet rund um die Straßen Am Rothbusch und Am Weißdornbusch weiter? Darüber haben rund 30 Anwohner unter Leitung von Ortsbürgermeister Helmut Süß vor Ort mit Sabine Gambig vom städtischen Fachdienst Grünflächen und Umwelt diskutiert. Die Verwaltung hatte dort teils Bäume entfernt, Hochbeete verändert und Grünflächen in Parkplätze umgewandelt. Letzteres stößt bei den meisten Anwohnern auf Unverständnis, während es einige begrüßen. Ein gemeinsamer Nenner war jedoch, dass die Pflege oftmals sehr zu wünschen übrig lasse. Gambig hat alle Hinweise auf die rund 30 Flächen akribisch notiert und will nun gemeinsam mit den Anliegern ein Konzept erarbeiten, wie man künftig mit der Grünpflege in dem Quartier umgehen will.

Verwinkelte Straßen und Bäume in Hochbeeten sollen den Verkehr beruhigen. Doch die Grünflächen sind pflegeintensiv. Quelle: Oliver Kühn

Gambig erläuterte, dass das in den Achtzigerjahren entwickelte Wohngebiet mit seinen verwinkelten Straßen zur Verkehrsberuhigung und Hochbeeten zur Begrünung ein typisches Modell seiner Zeit sei. „Aber die Zeiten haben sich geändert“, betonte Gambig. Die Holzpalisaden zum Abstützen der Beete seien in schlechtem Zustand und deshalb an verschiedenen Stellen bereits durch Betonpfeiler ersetzt worden. Viele Pflanzbeete seien zudem zu klein, sodass Baumwurzeln das Pflaster angehoben hätten und damit Stolperfallen durch Unebenheiten entstanden seien. „Der Personalstand in der Verwaltung ist dagegen nicht mit den Neubaugebieten mitgewachsen, dadurch ist die Pflege ins Hintertreffen geraten“, räumte Gambig ein. Ziel sei es daher, Baumscheiben und Hochbeete insgesamt pflegefreundlicher zu gestalten. „Dass es für die Pflege kein Budget gibt, geht gar nicht“, kritisierte indessen Anwohner Reinhard Golenia.

„Wir haben einen massiven Pflegerückstand“, wurde Anwohnerin Sigrid Hartmann deutlicher. Äste fielen auf das Auto, und inzwischen pflege sie die Baumscheiben und Beete selbst. „Das kann aber doch nicht der Sinn sein, wir werden alle älter“, sagte sie. Die Anregung, 1-Euro-Kräfte zur Grünpflege einzusetzen, nahm Gambig nicht auf: Das sei nicht möglich, weil diese eine Konkurrenz zum ersten, also regulären Arbeitsmarkt der freien Wirtschaft wären. Ortsbürgermeister Süß griff vermittelnd ein und betonte, dass die Begehung nur eine erste Ideensammlung sei.

Wirkt ungepflegt: An vielen Stellen haben die Wurzeln der Bäume das Pflaster hochgehoben. Quelle: Oliver Kühn

Anwohner Ralf Neumann, pensionierter Fachdienstleiter der Sehnder Verwaltung, sprach jedoch von hausgemachten Problemen: „Warum wurden die Holzpoller noch nicht durch Beton ersetzt?“ Das Tempo beim Entfernen der Bäume nehme zu, kritisierte er. Das verleite zum Schnellerfahren. Dabei sei der Rothbuschweg als Spielstraße angelegt worden. „Was ist dann mit der nächsten Generation mit kleinen Kindern? Ich erkenne da kein System“, sagte Neumann. Anlieger Wilfried Langfeldt spielte den Bumerang allerdings zurück und sagte, dass viele Anwohner selbst rasten. Auch Anwohnerin Sabine Alten monierte, dass seit drei Jahren Bäume und Pflanzinseln verschwänden: „Das darf so nicht weitergehen.“

Gambig versuchte den Ärger der Sehnderin zu beschwichtigen und betonte, dass die Bäume zwar nicht durch eine Satzung geschützt, Nachpflanzungen aber eine „Selbstverpflichtung der Stadt“ seien. Damit scheint die Verwaltung nach dem Anwohnerprotest jetzt umzuschwenken. Nach Informationen dieser Zeitung scheint das ursprüngliche Konzept anders ausgesehen zu haben: Im Sinne der Pflegeleichtigkeit viele Bäume wegzunehmen und Beete zu pflastern.

An einigen Stellen wurden Pflanzinseln entfernt, um Parkplätze zu schaffen - einige Anwohner finden das gut, viele andere nicht. Quelle: Oliver Kühn

Der Fall ist durchaus komplex: So erinnerte der zweite stellvertretende Ortsbürgermeister Ralf Marotzke daran, dass das Entfernen von Pflanzinseln einstimmig im Ortsrat beschlossen worden sei. Bäume seien teils geschädigt, das Pflaster durch Baumwurzeln teils hochgekommen und damit Stolperfallen. An solchen Stellen soll nach Aussage Gambigs das Pflaster entfernt werden, um die Fläche für die Bäume zu erweitern und mit bienenfreundlichen Blumen einzusäen. Zudem werde der Rothbuschweg im Winter mit Salz gestreut, sodass dort an vielen Stellen nichts richtig anwachse, verdeutlichte Marotzke. Und auch die Einstellung der Feuerwehr habe sich verändert. „Das Wohngebiet ist zu eng geworden, das sollte man mitbedenken.“

Von Oliver Kühn

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