Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sehnde Brände halten Feuerwehren der Region in Atem
Umland Sehnde Brände halten Feuerwehren der Region in Atem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 08.07.2018
Ein Blick von oben offenbart das Ausmaß des Flächenbrandes in der Wedemark. Quelle: Polizei
Hannover

Die andauernde Trockenheit und die drohenden Flächenbrände in der Region machen erfinderisch. So hat ein Landwirt aus Bilm bei Sehnde ein Güllefass in eine provisorisches Löschfahrzeug umfunktioniert. 6000 Liter Wasser fasst der Behälter, berichtet Tim Herrmann von der Feuerwehr Sehnde. Die sollen als Erste-Hilfe-Löschmittel im Fall eines Feuers bis zum Eintreffen der Feuerwehr dienen. „Ein anderer Landwirt hat einen Traktor bereitgestellt, mit dem Brandschneisen eingefahren werden können“, sagt Herrmann.

Die Sorge in der Ortschaft ist groß: Drei mal hat es in dieser Woche bereits zwischen Bilm und Wassel auf Stoppelfeldern gebrannt. Auch in Lehrte, Gehrden, der Wedemark und Sehnde mussten die Freiwilligen Feuerwehren ausrücken. Ob weggeworfene Zigarettenstummel, heißgelaufene Erntemaschinen oder Glasstücke, die bei Sonne zum Brandglas werden – die Einsatzkräfte sind in Alarmbereitschaft: „Die Trockenheit ist eine Herausforderung“, sagt Herrmann. „Bei einer Einsatzalarmierung sprechen sich die Ortsbrandmeister durchgehend ab. Schon ein kleiner Böschungsbrand kann sich in kürzester Zeit ausbreiten.“

Eine der schlimmsten Trockenperioden

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) erleben Teile Deutschlands derzeit eine der schlimmsten Trockenperioden seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen vor mehr als 55 Jahren. Die Flächenbrände fördern noch weitere Gefahren zu Tage: In Rostock gab es am Dienstagabend einen ungewöhnlichen Vorfall. Ein brennender Vogel löste ein Feuer auf einem Feld aus. Nach Polizeiangaben hatte das Tier auf einer Bahn-Oberleitung gesessen, als es zu einem Kurzschluss kam.

Im Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) haben am Donnerstag mehrere Explosionen von Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg die Löscharbeiten bei einem Waldbrand erschwert. Der Einsatzleiter habe die rund 60 Feuerwehrleute zurückziehen müssen, um ihr Leben nicht zu gefährden.

Einen ähnlichen Vorfall gab es am Dienstagmorgen zwischen Brelingen und Wiechendorf in der Wedemark: Durch die Hitze der Glut explodierten gleich mehrere im Erdreich vergrabene Patronen aus dem Zweiten Weltkrieg. Für Jörg Laes vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen warnt weniger vor der Gefahr durch mögliche Flächenbrände, als vor dem Umgang mit Munitionsresten: „Unsere Arbeit ändert sich durch die Trockenheit nicht“, sagt er. „Wird Munition gefunden, rücken ein Sprengmeister und ein Munitionsfacharbeiter an. Dann wird entschieden, ob die Weltkriegsreste transportfähig sind oder vor Ort gesprengt werden müssen.

Feuerwehr warnt vor Brandgefahr

Die Feuerwehren warnen vor akuter Waldbrandgefahr. Wegen dauerhaftem Sonnenschein, hochsommerlichen Temperaturen und keinem Regen in absehbarer Zeit in Sicht sollten bestimmte Brandschutzregeln zwingend befolgt werden. Zudem gibt es auch gesetzliche Bestimmungen.

Feuer und Grillen im Wald: Grundsätzlich ist das Grillen und offenes Feuer im Wald strengstens verboten.

Rauchen im Wald: Von März bis Oktober ist das Rauchen im Wald ebenfalls verboten. Bei der Fahrt durch den Wald oder am Waldrand gilt: Bloß keine Zigarettenasche aus dem Fenster schnippen.

Generell Grillen: Das gehört im Sommer dazu. Um die Brandgefahr jedoch zu reduzieren, sollte der Grill auf festem, nichtbrennbarem Untergrund kippsicher stehen. Eine sichere Entfernung zu Waldflächen und Büschen sollte selbstverständlich sein und bei starkem Wind ist höchste Vorsicht geboten.

Parken: Der Katalysator eines Autos kann sehr heiß werden und trockenes Gras entzünden. Nur ausgewiesene Parkflächen sind zu benutzen, niemals ein Fahrzeug auf einem Waldweg abstellen, denn neben der Selbstentzündungsgefahr kann das bei Bränden auch die Feuerwehr zusätzlich bei der Anfahrt behindern.

Gartenarbeit: Vorsicht ist bei dieser Trockenheit auch beim Abflammen von Unkraut geboten - vor allem in der Nähe von Hecken und Buschwerk.

Glasflaschen und Scherben: Glasflaschen, aber vor allem auch Scherben sollten im Hochsommer nicht liegengelassen werden. Sie könnten als Brennglas wirken.

Kinder: Auch der Nachwuchs sollte über die erhöhte Waldbrandgefahr informiert werden.

Notruf: Wenn es brennt, dann sofort die 112 rufen. Dabei nicht vergessen, auch den eigenen Standort zu benennen.

Von Manuel Behrens

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Flächenbrände nehmen kein Ende: Innerhalb von drei Tagen hat zum zweiten Mal ein abgeerntetes Feld an der Kreisstraße 147 zwischen Bilm und Wassel Feuer gefangen. Die Ursache ist unbekannt.

05.07.2018

Eine Radtour durch die Sehnder Ortsteile plant Regionspräsident Hauke Jagau für den 26. Juli – mitradeln ist dabei ausdrücklich erwünscht. Die Tour führt zum Dorfladen, zur Brauerei und zu Holcim.

05.07.2018

Die Schmierereien im Bahntunnel an der Chausseestraße verschwinden: Bei einer Graffiti-Ferienpassaktion haben elf Kinder und zwei Heranwachsende die Wände mit bunten Sehnde-Motiven besprüht.

04.07.2018