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Springe Kita-Platzvergabe: Neues Punktesystem ärgert die Eltern
Umland Springe Kita-Platzvergabe: Neues Punktesystem ärgert die Eltern
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19:01 15.03.2019
Um die Vergabe der Kita-Plätze gerechter zu machen, wurde das Punktesystem eingeführt. Dabei müssen sich Eltern auch neu bewerben, wenn ein Einrichtungswechsel von Krippe zur Kita ansteht. Quelle: Patrick Pleuel/dpa
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Gerade erst hat der Rat sie nach langer Debatte beschlossen – da sorgen die neuen Regeln für die Kitaplatz-Vergabe für Ärger: Zahlreiche Eltern beklagen sich über wenig transparente Bewertungen des Arbeitswegs. Die Stadt will die Politik nun zum Nachbessern auffordern – und nicht nur bei diesem Aspekt.

Punktesystem bezieht bei Kita-Platzvergabe auch Fahrtzeiten mit ein

„Wir müssen da dringend dran arbeiten“, sagt Bürgermeister Christian Springfeld. Das Problem: Laut neuer Satzung, die für die Vergabe der nach wie vor deutlich zu wenigen Kita-Plätze ein Punktesystem vorsieht, bekommen Eltern unter anderem einen Punkt für „nachgewiesene Fahrtzeiten“ zur Arbeit „von regelmäßig mehr als 45 Minuten“. In der Praxis führt das zu Unmut – denn berechnet wird nur die reine Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Wer einen Teil des Weges zu Fuß geht (etwa zum Bahnhof), bekommt diesen Abschnitt nicht angerechnet.

Nutzer umweltfreundlicher Verkehrsmittel im Nachteil

Generell sind so Nutzer umweltfreundlicherer Verkehrsmittel im Nachteil – denn meist dauert die reine Fahrt mit dem Auto länger. Hinzu kommen Probleme mit dem plausiblen Nachweis der tatsächlichen Fahrtzeit. Je nach Tageszeit und Verkehrslage dauern per Routenplaner berechnete Fahrtwege deutlich länger – das gilt insbesondere, wenn man etwa nach Hannover einpendelt. Kompliziert wird es auch beim Thema Außendienst: Wer oft zu verschiedenen Zielen unterwegs ist, muss seine durchschnittliche Fahrzeit in der Woche berechnen.

Auch Wechsel von Krippe zu Kita mit neuen Kriterien geregelt

Springfeld betont, die entsprechende Regel sei „politisch gewollt“ und bringe naturgemäß zahlreiche Debatten über Einzelfälle mit. Er will die Lage nun „neu bewerten, neu sortieren“ – auch bei einer anderen von der Politik nachgeschobenen Regelung: Die besagt, dass sich Eltern auch ganz neu bewerben müssen, wenn ihr Kind innerhalb einer Einrichtung von der Krippe in den Kindergarten wechselt. So sollen die Chancen für alle gleich sein – etwa für die, die neu zugezogen sind oder gar keine Krippe besucht haben. Springfeld sieht das kritisch: „Für die Gefühlslage des Kindes ist es schwierig, wenn es die Einrichtung, die Erzieher, die Kinder kennt und dann quasi rausfliegt.“ Man habe bei der Premiere für die neuen Kriterien „nicht jeden Einzelfall auf dem Schirm gehabt“, räumt auch Fachbereichsleiterin Hanna Kahle ein: „Es ist schwer, Gerechtigkeit für alle zu ermöglichen. Wir sehen da noch Überarbeitungsbedarf.“

Erste Runde der Platzvergabe abgeschlossen

Die erste Runde der Platzvergabe ist inzwischen abgeschlossen. Rund 500 Eltern hatten sich laut Kahle für einen Kita-Platz beworben. Und klar ist: Es stehen wieder deutlich zu wenig Plätze zur Verfügung. Wie viele genau fehlen, dazu will sich Kahle derzeit noch nicht äußern. „Der Stand ändert sich täglich.“ Zahlreiche Eltern hätten sich bereits bei der Stadt und den Kitas gemeldet, weil sie keinen Platz bekommen haben. „Sie müssen die zweite Runde abwarten, die im Mai beginnt.“

Von Saskia Helmbrecht