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Springe Sprachförderung: Viele Kitas müssen im ersten Jahr ohne Konzept improvisieren
Umland Springe Sprachförderung: Viele Kitas müssen im ersten Jahr ohne Konzept improvisieren
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00:18 16.07.2018
Deutsch lernen – Defizite beheben: Für die Sprachförderung sind ab August die Kindergärten zuständig. Doch diese sind momentan oft weder personell noch konzeptionell schon startklar. Quelle: FOTO
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Springe

Wir eröffnen diesen Text mit einer guten Nachricht: Am 1.  August starten die Kindergärten im Stadtgebiet mit der Sprachförderung für angehende Grundschüler. Und: Das Land gibt Millionen aus, damit die Kitas Personal einstellen können.

Doch wer hinter die Kulissen schaut, der merkt: Ein Plan, der gut gemeint ist, kann manchmal richtig weit weg sein von einem, der auch gut gemacht ist. Bislang hatten sich in Niedersachsen Grundschullehrer gezielt um die Sprachförderung der Kinder gekümmert. Das neue Kita-Gesetz, dessen prominenteste Folge die Beitragsfreiheit ab drei Jahren ist, ändert das nun. Und das ist gut so, da sind sich die meisten Verantwortlichen einig.

Wer dieser Tage mit denen spricht, die die ganze Sache umsetzen sollen, der merkt schnell, wie diese Menschen um diplomatische Formulierungen ringen. Dabei geht es nicht darum, wie sinnvoll der Plan ist: „Man kann gar nicht früh genug mit dem Thema Sprachförderung anfangen“, bestätigt etwa Springes Fachbereichsleiterin Hanna Kahle. Aber: Der 1. August, das lässt sie durchblicken, ist im speziellen Fall doch wieder etwas früh. Zwar bekomme man Geld vom Land – doch so kurzfristig Personal zu bekommen, das sei schwierig.

Erstes Jahr irgendwie meistern

Zumindest die Frist, ein verpflichtendes Konzept vorzulegen, habe das Land um ein Jahr verlängert. Das heißt aber auch: Dort geht man davon aus, dass das erste Jahr in den Kitas auch ohne Konzept irgendwie funktioniert. Kahle hofft bei diesem Punkt zumindest auf Synergieeffekte unter den einzelnen Trägern: „Es macht Sinn, nach dem Motto zu handeln: ein Stadtgebiet – ein Konzept.“ Einer, der etwas deutlicher wird, ist Kahles Vorgesetzter – Bürgermeister Christian Springfeld. Für ihn sind Dinge, die das Land entscheidet und die die Kommune vor Ort ausbaden muss, sowieso schon ein rotes Tuch. Auch er lobt die Sprachförderung. Und kritisiert, das Land übertrage „eine weitere Aufgabe auf die ohnehin schon arg gebeutelten Kitas“. Dass sich das Land vor ein paar Tagen dann mit einer langen Pressemitteilung selbst ein wenig für die Personalzuschüsse an die Kitas feierte, regt Springfeld auf: Die gesetzliche Zahlungspflicht „als tolle ,Ausschüttung' des Landes darzustellen ist schon einigermaßen dreist, zumal die Kitas nach meiner Kenntnis froh gewesen wären, etwas mehr Vorlaufzeit für diese neue Aufgabe zu haben“, sagt der Bürgermeister.

Nadine Heese ist Sprecherin beim DRK Region Hannover, das im Springer Stadtgebiet gleich neun Kindertagesstätten betreibt. „Wir begrüßen, dass die Sprachförderung zurück in die Einrichtungen geht“, sagt sie. Momentan befinde man sich in Sachen Konzept in Abstimmung mit der Region Hannover. DRK-Geschäftsführer Thomas Riechel-Rabe bestätigt Springfelds Aussage. „Ein Jahr Vorlaufzeit wäre schön gewesen“, lässt er sich zitieren. Doch so geht man nicht nur beim DRK ohne Konzept in das neue Angebot – sondern ebenfalls weitgehend ohne Personal, das die Sprachförderung umsetzen kann. Soweit möglich wolle man in Zeiten des Fachkräftemangels natürlich Mitarbeiter suchen, sagt Heese. „Aber das wird schwierig sein.“ Man prüfe, was man mit dem vorhandenen Personal auffangen könne. Dass sich dieses über die Extra-Arbeit freut, ist kaum vorstellbar.

Das Land gibt 32,5 Millionen Euro

Insgesamt stellt das Land 32,5 Millionen Euro zur Verfügung, damit örtliche Kita-Träger zusätzliches Personal für die Sprachförderung einstellen können. In Springe sind neben der Stadt und dem DRK auch Elterninitiativen und die Kirche als Träger von Kindertagesstätten aktiv. Die Millionensumme wird auf die einzelnen Jugendamtsbezirke verteilt: Für das Umland der Landeshauptstadt stehen allein für die von der Region Hannover betreuten Kommunen 1,78 Millionen Euro zur Verfügung.

„Die Landesregierung stärkt die Arbeit der Fachkräfte für gute Deutschkenntnisse der Kindergartenkinder durch zusätzliche Gelder“, sagt Kultusminister Grant Hendrik Tonne. „Durch mehr Personal oder zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen kann die alltagsintegrierte Sprachförderung nah an den Kindern weiter intensiviert werden.“ zett

Von Christian Zett

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