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Springe Ehemalige Theater-Lehrerin tritt zum Jubiläum am OHG wieder auf
Umland Springe Ehemalige Theater-Lehrerin tritt zum Jubiläum am OHG wieder auf
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19:45 06.09.2018
Mehr als 30 Jahre lang haben Ingrid Klimke-Schmoll und ihre Ehemann Hubert Klimke im Otto Hahn-Gymnasium unterrichtet. Quelle: Saskia Helmbrecht
Springe/Völksen

Fallen die Namen „The Wall“, „Joseph“ oder „Grease“, wird in einem Atemzug der Name Ingrid Klimke-Schmoll genannt. 36 Jahre lang hat die Völksenerin im Otto-Hahn-Gymnasium unterrichtet. Von den anfänglichen Kammerspielen haben sich ihre Musicals zu professionellen Großprojekten entwickelt. „Bei jeder Inszenierung lernt man mehr und wagt bei der nächsten Produktion eben auch mehr, man bleibt nicht stehen, die Ansprüche wachsen“, sagt Klimke-Schmoll.

Nicht nur mehr Schüler und Lehrer haben sich in den vergangenen Jahren an den Aufführungen beteiligt, auch die technische Ausstattung ist gewachsen – und damit die Qualität. Für Klimke-Schmoll stand fest: Wenn das OHG am Sonnabend seinen 50. Geburtstag feiert, will sie noch mal mitmischen. Die 73-Jährige möchte mit einem Chor, bestehend aus rund 40 ehemaligen Schülern, auftreten. Fast zehn Jahre nach ihrem Ruhestand wird sie wieder auf der Bühne stehen. „Die Schule war mein zweites Zuhause.“ Gemeinsam wollen sie drei Stücke aus dem Repertoire spielen – Lieder, die sich die Ehemaligen gewünscht haben. Welche das sind, will Klimke-Schmoll noch nicht verraten.

„Die Schule war mein zweites Zuhause“

Für die große Feier am Sonnabend ist sogar ein Jubi-Musical geplant. Verschiedene Songs aus den letzten sechs Musicals sollen dann noch

inmal erklingen und eine eigene, neue Geschichte erzählen.

Das letzte Musical von Klimke-Schmoll war 2008 „Romeo und Julia“, nach „The Wall“ (2005), „Grease“ (2002) und „Joseph“ (1998). Und die Völksenerin ist überzeugt: Keine Aufführung brauche sich vor dem Vergleich mit den kommerziellen Darbietungen zu scheuen. Ganz im Gegenteil: „Es war sogar so, dass die letzte Produktion des OHG durch die Spielfreude der jungen Menschen einen speziellen Zauber ausstrahlten, der den Routineaufführungen in kommerziellen Theatern weit überlegen war.“ Das Stichwort: Authentizität. Am Ende der Proben habe jede Rolle genau zum Schüler gepasst.

Und der Anspruch bei ihren Castings sei immer hoch gewesen, weiß Klimke-Schmoll. „Wenn man mit den Proben beginnt, geht man nicht davon aus, dass die Schüler perfekt für eine Rolle sind. Was spannend war: Diese Schüler gab es am Ende immer.“ Und wenn eine Rolle nur von einem Erwachsenen dargestellt werden konnte, wurden eben die Lehrer zu Schauspielern und Sängern auf der Bühne. „Und die haben selbst viel Spaß dabei gehabt.“

OHG-Produktionen kamen besser an als Profi-Aufführungen

Die OHG-Stücke liefen sogar parallel zu Profi-Aufführungen. „Wir hatten viele Zuschauer, die beides gesehen haben und am Ende die OHG-Produktion besser fanden. Die jungen Leute haben eben ein ganz anderes Feuer.“ Sie sei aber auch „unheimlich anspruchsvoll“, räumt die Völksenerin schmunzelnd ein. „Anders kommt man nicht zum Erfolg.“ Trotz Stress und großer Nervosität vor jeder Aufführung – anschließend hätten die Schüler wieder mitgemacht. Alleine für „Joseph“ gab es 14 Aufführungen. „Und es war immer voll, die Besucher kamen von überall her und waren überrascht, was wir hier auf die Beine gestellt haben.“

Ziel der Schule war es, präsenter in der Stadt zu sein und sich positiv zu zeigen. Dass Lehrer für einen langen Zeitraum einen Bereich prägen, sei von Vorteil. „Ich habe 1973 angefangen und hatte daher die Möglichkeit dazu.“ In den ersten fünf Jahren hatte Monika Langrehr Zeichen in der musikalischen Abteilung gesetzt, danach inszenierte Ute Schwieger 30 Jahre lang zahlreiche Theateraufführungen.

Musiktheater kam besonders gut an

Neben dem Sprechtheater sei es vor allem das Musiktheater gewesen, das immer wieder gut ankam. Heidi Köhler und Hans Stahmer etwa inszenierten das Singspiel „Bastien und Bastienne“ und das „Bandl“ von Mozart in den ersten Jahren des OHG. Ab 1973 übernahm dann Klimke-Schmoll die Bühne und brachte einige Stücke auf die Bretter, etwa eine Parodie der Oper „Der Freischütz“ oder eine selbst erfundene „Comedy für Männerchor“. Mitte der 80er-Jahre begannen sich die Musicals zu etablieren, mit „Teens 1“ und „Teens 2“ gab es auch die ersten Erfolge, das Stück wurde im Ballhof in Hannover aufgeführt. Ab Mitte der 90er-Jahre folgte der große Sprung zu umfangreichen Produktionen. „Toll ist, dass es da keinen Einbruch gibt und es immer noch so toll weiterläuft.“ Heute mangele es immer noch an männlichen Schauspielern, während sich zahlreiche Mädchen um die Rollen bewerben und Schlange stehen.

Ob der Ehemaligen-Chor wirklich das letzte Projekt von Klimke-Schmoll ist, bleibt abzuwarten. Seit vielen Jahren überlegt die 73-Jährige, „West Side Story“ in Springe zu inszenieren.

Von Saskia Helmbrecht