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Springe Hierhin können die Insekten in Springe kommen
Umland Springe Hierhin können die Insekten in Springe kommen
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17:50 03.08.2018
Platz für Flockenblumen, Beinwell und Malven: Zur Freude der Nabu-Mitglieder Michael Borgolte (links) und Bernd Gallas hat die Stadt eine Rasenfläche im Rathauspark zur Blühwiese umgestaltet. „Wir sind sehr dankbar für dieses Projekt.“  Quelle: Foto
Springe

Es sind nur 400 Quadratmeter. „Die haben aber einen wichtigen Symbolcharakter“, sagt Nabu-Mitglied Michael Borgolte. Die Stadt hat sich bereit erklärt, ein Rasenstück am Rathaus nicht mehr regelmäßig zu mähen, sondern es als Blühwiese freizugeben: Zwischen dem hohen Gras stehen jetzt zahlreiche Sommerblumen, hier summt und brummt es kräftig.

Zwar gelten seit einigen Jahren Insektenhotels als schick, was viele allerdings nicht wissen: „Es gibt Insekten, die nicht mal 200 Meter weit fliegen können. Wenn die ganz in der Nähe nichts zu fressen finden, nützt das beste Hotel nichts“, klärt Borgolte auf. Und es reiche auch nicht, wenn im Frühling ein kräftiger Baum blüht: „Natürlich muss es auch danach mit Pollen und Nektar weitergehen.“

Wer Steinflächen, einen immer perfekt gemähten Rasen oder unkrautfreien Garten liebt, lädt fast keine Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge zum Besuch ein. „Gärten und Grünflächen in Springe nehmen einen erheblichen Anteil der Siedlungsfläche ein“, sagt Borgolte. „Verglichen mit der ausgeräumten Landschaft besteht dort für die Stadt und den Bürger die Möglichkeit, unsere heimische Flora und Fauna zu schützen und zu bewahren.“

Vor knapp zwei Jahren saßen Nabu-Mitglieder erstmals mit Bürgermeister Christian Springfeld zusammen und fragten, ob die Stadt ein Zeichen in Richtung Insektenfreundlichkeit setzen könne. Im vorigen Jahr wurde die Wiese hinterm Rathaus dann nur noch zweimal gemäht, in diesem Jahr ist sie in vier Stufen mit Blühsaatmischungen versehen worden. „So sammeln wir Erfahrungen“, sagt der Naturschutzbeauftragte der Region, Bernd Gallas.

Neben Bürgermeister Springfeld ist der Nabu auch Tiefbauamtsleiter Gerd Gennat dankbar für das Blühexperiment. Denn es sei nicht so, dass die 400 Quadratmeter große Fläche jetzt ohne Pflege auskomme: Mindestens im Herbst muss die Wiese geschnitten werden, und damit sich nicht noch weiterer Dünger anreichert, muss das Mähgut anschließend abgeräumt werden. In wenigen Jahren ist die nächste Blühmischung erforderlich, und „Verdränger“ wie Sauerampfer oder Hochstauden und nachwachsende Büsche und Bäume müssen von Hand entfernt werden.

Die ökologische Katastrophe

Fast 560 Wildbienenarten gibt es in Deutschland. „Über die Hälfte ist in ihrem Bestand gefährdet“, sagt der heimische Experte Michael Borgolte.

Als ausgestorben oder bestandsgefährdet gelten außerdem 17 Prozent der Schmetterlinge, 29 Prozent der Schwebfliegen, 32 Prozent der Raubfliegen, 35 Prozent der Heuschrecken, 37 Prozent der Laufkäfer und 87 Prozent der Wasserkäfer. „Der Insektenschwund führt zu einer ökologischen Katastrophe“, warnt Borgolte. Schließlich dienen Insekten als Nahrung von zahlreichen Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien. Auch etwa 90 Prozent aller Pflanzenarten weltweit sind für die Bestäubung auf die Arbeit von Insekten angewiesen.

„Und sie sind auch als Regulatoren unersetzlich: Insekten sind wichtige Nützlinge in der Forst- und Landwirtschaft, da durch sie die Ausbreitung schädlicher Insekten eingedämmt wird. Die Larven der Florfliegen beispielsweise können pro Entwicklungsphase bis zu 500 Blattläuse oder Milben verzehren.“

An einer anderen Stelle des Kreislaufes ist die Arbeit von Insekten ebenfalls unerlässlich: Damit Pflanzenreste und Tierleichen im Boden vergehen, braucht es Insekten als Verwerter.

„Springe blüht auf“

Auch wer nur einen kleinen Garten oder Balkon besitzt, kann viel tun, um Insekten Lebensraum zu schenken – davon sind der Naturschutzbund Springe und das Niedersächsische Forstamt Saupark überzeugt und starten die Mitmach-Kampagne „Wir bringen unsere Stadt zum Blühen“. Auftakt ist eine Infoveranstaltung am Sonnabend, 25. August, im Marstall (Jagdschloss). Experten werden in ihren Referaten über die Bedeutung von Insekten sprechen, den Rückgang der Blühpflanzen in Zahlen fassen und bürgerfreundliche Tipps für kleine Verbesserungen geben.

Von Marita Scheffler

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