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Springe Hospiz macht Schule
Umland Springe Hospiz macht Schule
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00:29 17.06.2018
Die Grundschüler in Bennigsen freuen sich schon darauf, dass aus ihren Blumentöpfen eine Sonnenblume wächst. Quelle: foto: Helmbrecht
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Bennigsen

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ändert sich das Leben von dem einen auf den anderen Tag – für die Angehörigen bricht eine Welt zusammen. Während die Erwachsenen versuchen, ihre Trauer und den Schmerz zu verarbeiten, geht die traumatische Erfahrung auch an den Kindern nicht vorbei. Die Eltern müssen also nicht nur selbst den Tod verkraften, sondern gleichzeitig für ihre Kinder da sein. Um die Familien zu unterstützen und Kinder behutsam ans Thema heranzuführen, bietet der Hospizverein das Projekt „Hospiz macht Schule“ an.

Eine Woche lang haben sich die Drittklässler der Grundschule Bennigsen mit Themen wie Krankheit, Verlust und Sterben beschäftigt. „Am ersten Tag ging es um Werden und Vergehen und wir haben uns die Entwicklung eines Schmetterlings angesehen“, berichtet Inge Barthes.

Pantomine und Tanz

Jeweils vier Kinder wurden von einem Vereinsvertreter über die gesamte Woche betreut. Pantomimisch konnten die Kinder verarbeiten, was sie erlebt haben. Einer Krankenschwester konnten sie sogar Fragen stellen: Was ist Krebs, und wo kommen die Krankheiten her, wollten die Kinder wissen. Gemeinsam haben sie dann überlegt, was sie glücklich macht und in welchen Situationen sie traurig sind. Schließlich durften die Schüler eine Pflanze umtopfen – später wächst aus den Samen eine Sonnenblume. „Zum Schluss haben wir einen Tanz entwickelt, bei dem symbolisch ein Sack über die Schulter und damit die Last von sich geworfen wurde“, sagt Christina Kratochvil. „Viele Eltern schonen ihre Kinder, lassen sie außen vor und wollen sie von solchen Themen aus Schutz fernhalten“, weiß Barbara Hartmann.

Jetzt konnten die Kinder gemeinsam mit dem Hospizverein die Erfahrungen aufarbeiten. „Wir fangen hier schon sehr viel Trauer auf.“

Vertrauensverhältnis aufgebaut

Bis zum Ende der Woche haben die Kinder ein Vertrauensverhältnis zu den Erwachsenen aufgebaut und waren traurig, als sie die Schule wieder verließen. „Manche Erfahrungen lagen schon lange zurück, sind aber jetzt wieder ins Bewusstsein gelangt.“ Es gehe darum, den Tod nicht zu „verniedlichen“ oder zu „enttabuisieren“. „Es geht darum, zu vermitteln, dass zum Leben der Tod dazugehört.“

Ein Kind etwa hatte sogar in dieser Woche den Großvater verloren, ein anderes trauerte um seinen toten Hund. In diesen Fällen sei es besonders wichtig, auf die Kinder einzugehen. „Und bei uns haben sie die Möglichkeit, alle Fragen zu stellen, bei denen sie vielleicht wissen, dass diese Fragen die Eltern zu Hause traurig machen würden und sie sich daher nicht trauen.“

Zum Abschluss haben sie ihren Eltern und Großeltern die Ergebnisse ihrer Projektwoche vorgestellt. Den Erwachsenen wurde zudem der Film „Wie ist das mit dem Tod?“ aus der Reihe „Willi wills wissen“ gezeigt, den ihre Kinder in der Schule gesehen haben. „Der Film ist eine Mischung aus Emotionen und sachlichen Informationen, um dem Thema etwas die Schwere zu nehmen.

Die Geschichte

„Hospiz macht Schule“ wurde 2006 von einer Arbeitsgruppe entwickelt, die die alte BAG Hospiz e.V. 2005 konstituierte und die von der Hospizbewegung Düren koordiniert wurde. Seit dem Jahr 2008 wird das Projekt von der Bundes-Hospiz-Akademiebundesweit bekannt gemacht, fortentwickelt und über einen speziellen Befähigungskurs an die Ehrenamtlichen der durchführenden Hospizvereine und -träger weitergegeben.

Von Saskia Helmbrecht

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