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Springe Karl Haverkamp bekommt Verdienstmedaille
Umland Springe Karl Haverkamp bekommt Verdienstmedaille
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18:48 27.07.2018
Karl Haverkamp bekommt von der stellvertretenden Regionspräsidentin Petra Rudszuck die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Quelle: Foto: Szabo
Springe

Die Medaille wird jenen verliehen, die sich in besonderer Weise für das Allgemeinwohl einsetzen. Seit 1979 engagiert sich Haverkamp für den Naturschutz und war Gründungsmitglied der Nabu-Ortsgruppe Springe, in der er seit 1992 als Beiratsmitglied im Vorstand mitwirkte. Bis heute ist er im Verein aktiv.

Im Juni habe der Springer von der Ehrung erfahren: „Da kam plötzlich ein Brief von der Staatskanzlei“, erinnert er sich. Darin: Die Mitteilung, dass er vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet wird. Seinem Einsatz sei es zu verdanken, dass die Nistkästen rund um Springe gegen Waschbären sicherer gestaltet wurden, sagte die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck in ihrer Rede. Für sie sei es eine ganz besondere Preisverleihung – und die tierreichste. Denn zu den vielen Gästen gesellten sich nicht nur zwei Hunde, sondern auch ein Mauersegler, den Sylvia Stern, Haverkamps langjährige Begleiterin, derzeit liebevoll aufpäppelt.

Universitäten profitieren von ihm

Seit 1981 beobachtet und dokumentiert Haverkamp zudem die Bestandsentwicklung des Siebenschläfers als Nachmieter in den Nistkästen. Seine akribische und herausragende Dokumentation habe inzwischen Eingang in Projekte an Universitäten, Forstämtern und bei den Naturschutzbehörden gefunden. Nicht minder beeindruckend sei die Jugendarbeit, die Haverkamp seit vielen Jahren leistet. Mit Kindern, Schulklassen und Jugendgruppen organisierte er zahlreiche Wanderungen und spannende Naturerkundungen. 1983 bis 2000 war Haverkamp Beauftragter für das Hubertusfest im Wisentgehege und ist bis heute Initiator zur Anpflanzung von Streuobstwiesen.

Rudszuck würdigte in ihrer Rede Haverkamps Lebenswerk. Noch als Schüler musste er in den Krieg ziehen, später geriet er in Gefangenschaft. Trotz der Widrigkeiten sei Haverkamps beruflicher Lebenslauf beeindruckend.

Ein „wandelndes Lexikon“

Unter den Gästen war auch der stellvertretende Bürgermeister aus Springe, Heinrich Freimann. Haverkamp sei mit seinem Fachwissen ein „wandelndes Lexikon“ und in Sachen der Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein Vorbild für die Jugend, sagte Freimann.

Haverkamp habe die Natur im Herzen, sagte der Leiter des Niedersächsischen Forstamtes Saupark, Christian Boele-Keimer. Das Forstamt profitiere von der exzellenten Zusammenarbeit. „Er gibt uns den Kompass über die Arbeit im Wald“, und betonte Haverkamps Vorbildfunktion. Ein passionierter Tüftler sei Haverkamp, der sich viel einfallen ließe, um die Niskästen vor den Waschbären zu schützen. Haverkamp vermittle zudem Liebe und Respekt vor Tieren.

Auch Haverkamp richtete Dankesworte an die zahlreichen Gäste: „Es ist die Zeit, von der Sie in 50 Jahren sagen, dass es die gute alte Zeit war. Nutzen Sie diese“, zitierte der Geehrte die Worte seines damaligen Lehrers. Das Gleiche träfe nun auf die gegenwärtige Generation zu.“50 Jahre im Namen des Naturschutzes, viel Bewegung und wunderschöne Erfolgserlebnisse“ – die Zeit habe ihm viel Freude bereitet, sagte Haverkamp. Besonders am Herzen läge ihm die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die immer mit viel Begeisterung dabei waren. Nun hoffe er, dass sie diese beibehalten werden und in der Zukunft auch etwas für den Umweltschutz tun. Dankesworte richtete Haverkamp an seine Familie und Freunde. Ihnen gebühre eine besondere Anerkennung, denn ohne ihre Unterstützung – allen voran die seiner Frau – sei der Erfolg nicht möglich gewesen. Und für diese Menschen nehme er den Verdienstorden stellvertretend entgegen.

Doch nicht nur dem Wald widmet Haverkamp seine Aufmerksamkeit. Inzwischen richtet sie sich auch auf den kleinsten aller Lebewesen: den Mikrokosmos der Einzeller. Unter dem Titel „Tanzt das Pantoffeltierchen“ widmete er sich dem Lebensraum im Wassertropfen. Und nebenbei stellt der passionierte Naturforscher in Eigenregie mehr als 4000 Nistkästen her. Ein Exemplar davon überreichte er jetzt Rudszuck und Gisela Röwe von der Stadt Hannover. Und Haverkamp lud die beiden auch gleich zur gemeinsamen Nistkastenkontrolle ein. Natürlich gemeinsam mit Kindern.

Von Patricia Szabo