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Springe Frauen diskutieren über ihre Rolle in der Lokalpolitik
Umland Springe Frauen diskutieren über ihre Rolle in der Lokalpolitik
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19:36 10.03.2019
Im Anschluss an die Diskussion bekommen alle Teilnehmerinnen eine Rose und können sich über politische Förderprogramme informieren.
Springe

Wie steht es heute um das Engagement der Frauen in der Lokalpolitik? Wo liegen die Schwierigkeiten? Und was halten die Frauen eigentlich von dem neuen Paritätsgesetz? Diese und viele weitere Fragen beantworteten nun im Rahmen einer Diskussionsrunde die Ratsfrauen Katrin Kreipe (SPD), Ann-Kristin Nikolay (CDU), Ursula Schulz-Debor (Grüne) sowie Friderike Schwabe (FDP). Sie alle sind in der Lokalpolitik aktiv und setzen sich für die Belange der Bürger ein.

Anlässlich des 100-jährigen Frauenwahlrechts hatten Springes Gleichstellungsbeauftragte Lena Rödiger und die Vorsitzende des Frauentreffs Angelika Strohecker eingeladen, um über Frauen in Springer Kommunalpolitik zu sprechen.

Elf von 36 Ratsleuten weiblich

Im Vorfeld hatte Strohecker im Stadtarchiv gestöbert und berichtete, was sich seit 1945 in Springe getan habe: Mit Hilde Rose (SPD) und den parteilosen Marie Hüper und Elisabeth Rokahr stellten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gleich drei Frauen zur Wahl. Bei 19 Gemeindevertretern sei dies eine Quote von 15,8 Prozent gewesen, sagte Strohecker. Ausschließlich männlich seien die politischen Vertreter zwischen den Jahren 1956 und 1964 gewesen. Erst 1981 habe die Frauenquote in der lokalen Politik erneut die 15-Prozent-Marke erreicht. Mit der Gebietsreform in den 1970er-Jahren erhöhte sich die Anzahl der Gemeindevertreter auf 31, während die Zahl der politischen Vertreterinnen stets zwischen vier und sieben schwankte. Seit 2016 sind elf von 36 Ratsleuten weiblich. Damit spiegelt die Zahl von 30 Prozent den bundesdeutschen Schnitt.

Politik war stets Thema in der Familie

Offen berichteten die Politikerinnen darüber, wie sie zur politischen Arbeit kamen. Ihr Vater habe sie dazu bewogen, sagte Nikolay. Die Politik sei in der Familie stets ein Thema gewesen. Und weil es laut der Studentin in der Stadtpolitik an Frauen und jungen Leuten mangele, wurde sie umgehend in den Rat gewählt. Anfangs sei sie das „Küken“ gewesen. Inzwischen sei sie aber eingearbeitet und: „Ich werde gehört.“

Dass die familiäre Prägung eine große Rolle spielt, wurde auch bei den anderen Politikerinnen deutlich. Schwabe ist nach eigenen Angaben über ihre politisch engagierte Mutter aktiv geworden. In der Kommunalpolitik sei man im Gegensatz zur Bundespolitik „nah am Bürger“, sagte sie. „Aber man braucht einen langen Atem“, ergänzte Schulz-Debor.

Mehrbelastung kostet Kraft

„Politik wird vornehmlich von Männern gemacht“, sagte Rödiger, die die Veranstaltung moderierte. Die Gleichstellungsbeauftragte wollte wissen, wie sich traditionelle Rollenbilder auf die Arbeit auswirken. „Es liegt an der Mehrbelastung“, war sich Sabine Schiepanski (parteilos) sicher. Aufgrund der Mehrbelastung sei die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischer Arbeit, die viel Kraft kosteten, kaum zu stemmen.

Familiengründung sei auch für Nikolay ein Thema: „Ob ich dann Zeit habe, mich politisch zu engagieren, steht in den Sternen“, sagte sie. Schließlich seien Familie, Arbeit und Hobby schwer miteinander zu vereinbaren. „Man braucht das Rückgrat des Partners, sonst geht es nicht“, ergänzte Kreipe, die als Mutter mit der politischen Arbeit in Springe begann. Rödiger stellte die Frage in den Raum, ob Familie, Soziales, Kultur die Themengebiete seien, die von Frauen leichter zu besetzen wären. Es sei „typisch“, dass die Frauen die sogenannten weichen Ausschüsse besetzten, sagte Schulz-Debor. Kreipe erinnert sich: „Die Tatsache, dass ich in den Finanzausschuss wollte, irritierte manche Herren.“ Thematisiert wurde auch das in Brandenburg verabschiedete Paritätsgesetz, nach dem Männer und Frauen die gleiche Anzahl an Plätzen erhalten.

Kreipe: Paritätsgesetz ist auf Grundgesetz angewendet verfassungswidrig

„Auf das Grundgesetz angewendet, ist das Paritätsgesetz verfassungswidrig“, sagte Kreipe. Laut der SPD-Politikerin hätte das Gesetz zunächst vom Bundestag verabschiedet werden müssen. Für die Parteien bedeute es, dass sie die Kandidaten nicht mehr frei aufstellen können, und schließlich ginge es primär darum, die Menschen zu begeistern. Anders sieht es Schulz-Debor. Das Gesetz sei ein guter Weg, um Frauen in die Ämter zu bekommen. Auf Dauer funktionierten, laut Schulz-Debor, Quotenregelungen aber nicht.

„Quo vadis, Springe?“, fragte Rödiger abschließend und schlug vor, 100 Jahre in die Zukunft zu blicken und über gesellschaftliche Veränderungen zu sprechen. „Wir sind im Umbruch“, war sich Schulz-Debor sicher. Laut Kreipe sei die Teilhabe vorhanden: „Die Frauen haben inzwischen genug Selbstbewusstsein entwickelt“, sagte sie. 

Von Patricia Szabo