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Springe Mehr Springer bewaffnen sich
Umland Springe Mehr Springer bewaffnen sich
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19:41 06.01.2019
Echt oder eine Attrappe? Auf den ersten Blick kann das selbst ein Fachmann bei einer Waffe nur schwer erkennen, sagt Udo Helms. Quelle: Marita Scheffler
Springe

Springe rüstet auf: Die Zahl der Deisterstädter, die einen kleinen Waffenschein besitzen, hat sich innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt. Einen sprunghaften Anstieg gab es nach der Silvesternacht in Köln (2015/2016), im vorigen Jahr folgte eine zweite Antragswelle.

Udo Helms, der sich bei der Stadt ums Waffenrecht kümmert, macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Entwicklung Sorgen bereitet: „Aus meiner Sicht ist es ein Sicherheitsproblem, wenn immer mehr Leute eine Waffe tragen.“ Jemand, der sich bedroht fühle und eine Pistole hervorziehe, erreiche kaum, dass sich seine Mitmenschen sicherer fühlen: „Das Gegenteil ist der Fall. Die Situation wird gefährlicher für alle.“ Anders ausgedrückt: „Je mehr Waffen hier im Umlauf sind, desto schwieriger wird es – vor allem für die Polizei.“ Private Waffen würden keine Probleme lösen, beweise ein Blick in die USA.

Mit kleinem Waffenschein darf man Waffen verdeckt führen

Der kleine Waffenschein berechtigt dazu, Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen verdeckt zu führen. Benutzt werden dürfen sie nur im Notfall. Der Besitzer muss volljährig, zurechnungsfähig und zuverlässig sein.

Nicht zu verwechseln ist der kleine Waffenschein mit der Waffenbesitzkarte: Die erhalten nur Jäger und Sportschützen. Knapp 600 gibt es davon in Springe. Alle müssen ihre Eignung regelmäßig nachweisen. Die richtige Waffenbesitzkarte, mit der man scharfe Waffen sichtbar tragen darf, erhalten nur Personenobjektschützer. „Ein handverlesener, sehr, sehr kleiner Kreis“, betont Helms.

Die Zahl der Kleine-Waffenschein-Besitzer im Stadtgebiet liegt seit dem vergangenen Jahr im dreistelligen Bereich. Genaue Angaben möchte Helms nicht machen, „um nicht zu verunsichern. Ich kläre jeden Antragsteller umfangreich auf.“

Auch „unechte“ Waffen sind gefährlich

Mindestens 15 Minuten lang muss sich der Interessent anhören, was er mit der Waffe tun darf und was nicht. Er wird gewarnt, dass viele Gas- und Schreckschusswaffen aussehen wie die Originale – selbst Helms kann sie auf den ersten Blick nicht unterscheiden. Und sie hören auch, dass auch die „Unechten“ teilweise mit Gas, Pfeffer oder einer Knallpatrone feuern können und deshalb keinesfalls ungefährlich sind. Außerdem fragt der Verwaltungsmitarbeiter, warum sein Gegenüber aufrüsten möchte.

Viele entscheiden sich nach Gespräch gegen die Waffe

Mindestens jeder dritte Antragsteller sehe im Aufklärungsgespräch ein, dass er gut ohne kleine Waffe weiterleben könne, bilanziert Helms. Seine „Neukunden“ seien zwischen 18 und 90 Jahre alt und in der großen Mehrzahl Deutsche. Bei zwei von drei Waffenfreunden handelt es sich um Männer.

Für jeden Waffenbesitzer wird eine Akte angelegt. Das Ausstellen des kleinen Waffenscheins kostet rund 50 Euro. Mindestens alle drei Jahre fallen weitere Gebühren an.

Wer sich unsicher fühlt, dem empfiehlt Helms Pfefferspray oder einen Selbstverteidigungskurs: „Das ist effektiver.“ Er selbst lebe ohne Waffe oder Spray sehr gut: „Wer sich die Zahl der Übergriffe, zu denen es hier kommt, mal genauer anschaut, der stellt fest: Wir können uns zu Recht sehr sicher fühlen.“

Von Marita Scheffler