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Springe Museum eröffnet DDR-Ausstellung
Umland Springe Museum eröffnet DDR-Ausstellung
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17:19 11.03.2019
Im Partnerlook: Harald Malz und der ehemalige KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann tragen die gleiche Kopfbedeckung. Quelle: Patricia Szabo
Springe

Dort steht Lenin. Und Ernst Thälmann ist auch schon da, während im Radio das „Lied von der Partei“ zu hören ist. Am Sonntag wurde die neue DDR-Ausstellung „Schlaglichter auf Staat und Alltag“ im Museum eröffnet, die sowohl an schöne als auch an unschöne Dinge aus dem Alltag erinnern soll, sagte Museumschefin Heidi Dopheide in ihrer Begrüßung.

30 Jahre sei das Ende der DDR nun her, sagte Stefan Meyer, Leiter des Museums Eulenburg. Gerade weil die Diktatur vor allem der jungen Generation nur noch aus Erzählungen und Büchern bekannt sei, sei die Ausstellung besonders wichtig. Dabei geht es bei den Exponaten nicht nur um das Regime, sondern auch um den Alltag. „Leute in eine Richtung zu manipulieren ist stets ein Teil des Alltags gewesen“, erklärte Meyer.

Auch die Staatsform und das Wirtschaftsleben unterschieden sich deutlich von dem der Bundesrepublik, und diese „nahmen wirtschaftliche Kollateralschäden in Kauf“. Näher beleuchtet wird außerdem die Bedeutung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). „Wer sich der SED widersetzte, den traf die volle Härte.“

Mit Stacheldraht, Warnschildern und Grenzpfosten werden in der Ausstellung die beinahe unüberwindbaren Grenzanlagen dargestellt. „Besuchte man drüben Freunde und Bekannte, sind auch diese in die Mangel genommen worden“, berichtete Meyer.

Auch viele Alltagsgegenstände gehören zur Ausstellung. „Alles hatte seine spezielle Ästhetik, die in Westdeutschland gern belächelt wurde. Günstig musste es schließlich sein, denn ein großer Teil der Wirtschaftsleistung ging an das Militär“, so Meyer. Das plötzliche Ende der DDR wird in der Schau aber nur kurz angerissen.

Erinnerungen an die DDR hat auch Harald Malz von den Springer Literaten. Einer Begegnung „in der Zone“ widmete er sogar eine seiner Erzählungen. „Ich hatte in den Siebzigerjahren einen Freund, der Verwandte in der DDR hatte“, erzählte er. „Dieser hatte lange Haare und große Ähnlichkeit mit Karl Marx.“ Als Malz und sein Freund seine Familie besuchten und an einem Bahnhof hinter der Grenze ankamen, sei dieser von mehreren Schulklassen bevölkert worden. Als sein Freund sich aus dem Fenster lehnte, riefen die Kinder: „Guckt mal! Karl Marx“ und winkten. Der Tumult habe so viel Aufmerksamkeit geweckt, dass der Vorfall sogar der lokalen Parteileitung gemeldet worden war.

Die Ausstellung ist bis zum 5. Mai mittwochs, donnerstags und sonntags jeweils von 10.30 bis 16 Uhr zu sehen. Gruppen können weitere Termine vereinbaren.

Von Patricia Szabo