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Springe Praxisschließungen drohen: Hausärzte finden kaum Nachfolger
Umland Springe Praxisschließungen drohen: Hausärzte finden kaum Nachfolger
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19:32 12.03.2019
Viele Ärzte müssen ihre Praxen schließen, weil sie keine Nachfolger finden. Am größten sind die Lücken in ländlichen Regionen – nicht nur wie hier in einer Praxis in Parchim. Auch in Springe ist die Lage angespannt. Quelle: Foto: Jens Büttner/Picture alliance/dpa
Springe

Verstärkung ist in Sicht: Zwei neue Hausärzte werden sich zum 1. April in Springe niederlassen, das bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN). Die Stellen waren monatelang unbesetzt. Doch die nächste Praxisschließung steht bereits Ende des Monats an.

Lange einen Nachfolger gesucht

Ärztin Rita Melles wird ihre Praxis an der Ellernstraße zum 31. März schließen – aus persönlichen Gründen, wie die 60-Jährige erzählt. Mehr als ein halbes Jahr lang habe sie vergeblich nach einem Nachfolger gesucht. „Die Resonanz war gering.“ Vor fünf Jahren übernahm sie spontan die Praxis von Barbara Brinke, „auf den letzten Drücker“. Die Entscheidung fiel innerhalb von drei Tagen. „Das war damals schon reiner Zufall.“ Umso schwerer war es jetzt, ihre Patienten auf andere Hausärzte im Stadtgebiet zu verteilen. Und: „Einige Ärzte haben bereits das Rentenalter deutlich überschritten.“

Zwei Hausärzte werden in zwei Praxen ihren Dienst beginnen

Laut Kassenärztlicher Vereinigung betreut ein Hausarzt 1581 Springer. Insgesamt gibt es derzeit 19 Hausärzte im Stadtgebiet. Vor genau einer Woche wurden die eineinhalb Stellen nun an zwei Ärzte, aufgeteilt in zwei Praxen, vergeben. Eine halbe Stelle hat die Praxis von Dr. Kai Pietschker und Carsten Dillner in Eldagsen bekommen. „Die Lage ist angespannt“, räumt Pietschker ein, der auch einige Patienten von Melles übernommen hat. „Die Planungszahlen sind falsch“, kritisiert er. Denn eigentlich müsste sich die Situation ja jetzt entspannen, wenn zwei neue Hausärzte nach Springe kommen. Demnach wäre die Stadt laut Rechnung der Kassenärztlichen Vereinigung ausreichend versorgt. Allerdings, sagt Pietschker, werde bei den Landärzten einfach vorausgesetzt, dass sie von morgens bis abends durcharbeiten. „Dabei haben wir Familie“, betont Pietschker. „Und das zehrt, man braucht eigentlich viel mehr einen Ausgleich.“ Pietschker ist 62 Jahre alt – hat aber bereits einen Nachfolger für seine Praxis. Die andere Stelle wurde nach Informationen dieser Zeitung an eine Praxis nach Völksen vergeben.

Beruf des Landarztes nicht attraktiv

Wenn die Ärzte recht haben, die Lage „angespannt“ ist und mehr Ärzte benötigt werden, wie Pietschker sagt, sei es aber schwierig, überhaupt noch Ärzte für die Region zu gewinnen, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung, die für niedergelassene Ärzte in Praxen zuständig ist.

„Zurzeit zeichnet sich verstärkt ab, dass Ärzte sich nicht in ländlichen Regionen niederlassen wollen. Auch kleinstädtische Bereiche scheinen für den Ärztenachwuchs nicht mehr attraktiv“, sagt Haffke.

Work-Life-Balance heiß das Zauberwort

„Bei der Besetzung von Arztsitzen heißt das Zauberwort Work-Life-Balance‘“, sagt er und nimmt damit auch Bezug auf die Kritik von Pietschker. Heißt: Wie häufig hat man Bereitschaftsdienst am Abend oder am Wochenende? Wie sieht das Schul- und Betreuungsangebot vor Ort aus und kann man mit anderen Ärzten in der Region gut kooperieren? Hinzu kommt, dass aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Ärzte in Niedersachsen (aktuell 54,1 Jahre) immer mehr Ärzte ihre Praxis aufgeben, so Haffke. Bislang sei es der KVN aber gelungen, den Bedarf „in den problematischen Regionen aufzufangen“. Gleichzeitig wurden spezielle Fördergebiete ausgeschrieben, wozu Springe allerdings nicht gehört, da der Versorgungsgrad vor Besetzung der beiden Stellen bei 104 Prozent lag.

Von Saskia Helmbrecht