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Nachrichten Wechsel bei Integrationsarbeit erntet Kritik bei Diakonie
Umland Springe Nachrichten Wechsel bei Integrationsarbeit erntet Kritik bei Diakonie
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20:14 14.03.2019
Eine Frau aus Eritrea lässt sich regelmäßig von Ulrike Schilling im Gemeindesaal der Christ-König-Gemeinde beraten. Quelle: foto: Juliet Ackermann
Springe

Bei der Integration geht es darum, Migranten in den gesellschaftlichen Alltag einzugliedern – sei es in sprachlicher, sozialer oder beruflicher Hinsicht. Anerkannte Geflüchtete mit einer Aufenthaltserlaubnis werden in Springe seit Januar im Projekt InjuF von der gemeinnützigen Gesellschaft Labora betreut. Dort sollen sie Berufs- und Lebensperspektiven erhalten.

Von 2016 bis 2018 war es die Diakonie Hannover-Land, die Geflüchtete vor Ort bei Fragen rund um ihre Integration betreute. Nachdem die Region umstrukturiert und in sechs Bereiche unterteilt wurde, wechselte der Träger – seit Jahresbeginn ist es nun die gemeinnützige Gesellschaft Labora, die auch in Springe für das Thema zuständig ist.

Diakonieverband kritisiert den Wechsel in der Integrationsarbeit

Imke Fronia vom Migrationsfachdienst des Diakonieverbands Hannover-Land kritisiert das: „Ich glaube, dass es für die Ratsuchenden schwierig ist, sich auf neue Berater einzulassen.“ Sie könne nicht nachvollziehen, warum das Jobcenter so entschieden habe. „Es ist total unverständlich für uns. Für uns als Verband ist das eine Riesenkata-strophe.“ Sie kritisiert, dass Laien die Entscheidung über die Zuteilung getroffen hätten. Diese hätten unterschätzt, welche Auswirkungen das habe. Die Folge aus ihrer Sicht: „Integrationswege können nicht beendet werden.“ Der nachfolgende Träger müsse Infrastrukturen neu aufbauen. In den Augen von Fronia handelt es sich um eine „Verschwendung von Steuergeldern“.

Labora: Es braucht Zeit, um Strukturen aufzubauen

Labora-Leiterin Daniela Möhlenbrock sagt: „Wir hatten nie die Absicht, einen Träger von hier zu verdrängen, der hier gute Arbeit geleistet hat. Wir sind ein Opfer der Umstände.“ Es brauche Zeit, um Strukturen aufzubauen, sagt sie – und betont zugleich: „Wir haben Strukturen.“ Problematisch sei, dass das Projekt auf zwei Jahre ausgelegt ist. „Wir werden die zwei Jahre optimal nutzen, damit die benötigte Hilfe ankommt.“ Hierzu arbeite man eng mit der Stadt zusammen.

Sprechstunden der Integrationsberater von Labora zweimal die Woche

Zweimal in der Woche bietet Integrationsberaterin Ulrike Schilling nun seit Mitte Januar eine Sprechstunde im Gemeindesaal der Christ-König-Gemeinde an: dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14.30 bis 16.30 Uhr. Die Öffnungszeiten sind mit dem städtischen Fachdienst Soziales abgestimmt – so bieten die Flüchtlingssozialarbeiter Peter Wiedenbeck und Dorothea Leimbach ebenfalls dienstags und donnerstags sowie auch freitags im Museum auf dem Burghof den Beratungsservice an.

Beratungsthemen mit städtische Flüchtlingsarbeitern überschneiden sich

Laut Leimbach überschneiden sich die Beratungsthemen beider Institutionen – etwa zur Vermittlung von Sprachkursen oder bei Hilfestellung bei Anträgen –, eine Leistungskonkurrenz gebe es jedoch aufgrund unterschiedlicher Zielgruppen nicht: Labora hat sich auf die Integration ins Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt spezialisiert und wendet sich an Geflüchtete mit einer Aufenthaltsgenehmigung, die Leistungen nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III, Arbeitsförderung) beziehen. Da Labora einen Kooperationsvertrag mit dem Jobcenter habe, gebe es keine Schweigepflichtbindung.

Teilung der Versorgungsinfrastuktur nicht nachvollziehbar

Die städtischen Flüchtlingsarbeiter richten ihr Angebot dagegen an Geflüchtete, die Leistungen nach SGB II (Grundsicherung) beziehen. Diese Teilung der Versorgungsinfrastruktur ist nach Angaben vom Leimbach für viele ihrer Klienten jedoch nicht nachvollziehbar und schwer zu kommunizieren. Was den Austausch mit dem neuen Träger der vom Bund geförderten Integrationsberatung anbelangt, sagt Leimbach: „Der Draht mit der Diakonie war heißer.“ Das hänge damit zusammen, dass es sich nun um einen grundsätzlich anderen Auftraggeber handelte und sich das Beratungsangebot weiter entwickeln müsse. „Da ist noch Luft.“

Zu der vorherigen Integrationsbeauftragten Friederike Hoffmann, die nach wie vor auch Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Laatzen-Springe ist, sei die Verbindung durch weiterreichende Angebote wie den Nachbarschaftsladen, den Kirchenkreis und das Flüchtlingsangebot enger gewesen.

Mit Flyern auf Beratungsangebot aufmerksam machen

Um möglichst gut an Kontakte anknüpfen zu können, steht die neue Integrationsberaterin Ulrike Schilling nach eigenen Angaben in regelmäßigen Austausch zu ihrer Vorgängerin. Mit ausgelegten Flyern soll auf das Angebot aufmerksam gemacht werden. „Es läuft an. Ich baue nach und nach auf“, sagt Schilling, die Nachfrage wachse. In persönlichen Gesprächen kläre sie, welche beruflichen Qualifikationen die Flüchtlinge aus ihren Heimatländern mitbringen. Außerdem hilft sie bei Bewerbungen, Behördengängen und Anträgen zum Beispiel für das Jobcenter oder die Arbeitsagentur.

Derzeit seien es sechs Teilnehmer, die regelmäßig zu ihrer Sprechstunde kämen – zusätzlich zur „Laufkundschaft“, also zu Klienten, die sie einmalig aufsuchten. Um Geflüchteten entgegenzukommen, bietet Schilling nach eigenen Angaben Termine über die Sprechstunden hinaus an. Sie geht davon aus, dass die Zahlen deutlich steigen werden – in Barsinghausen hatte sie zuvor parallel 100 Fälle zu bearbeiten. Doch das Angebot müsse erst anlaufen. Vieles ergebe sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Bedarf sei in jedem Fall vorhanden.

So funktioniert Arbeitsmigration

Die gemeinnützige Gesellschaft Labora mit Hauptsitz in Peine berät seit Januar 2016 geflüchtete Menschen. Sie ist konfessionslos, hat jedoch vier Gesellschafter der katholischen Kirche. Dadurch ergab sich in Springe die Möglichkeit, Räumlichkeiten der Christ-König-Kirche zu nutzen, wie Daniela Möhlenbrock erklärt.

Integrationsberaterin Ulrike Schilling bietet mit ihrer Stellvertreterin Julija Filimonova in Springe seit Mitte Januar zweimal in der Woche Beratungen an. Das Angebot mit dem Namen InjuF richtet sich an anerkannte Geflüchtete mit einer Aufenthaltserlaubnis im Alter von 16 Jahren bis hin zu Menschen kurz vor dem Rentenalter. Beratungsthemen betreffen mitunter die Entwicklung beruflicher Perspektiven, Unterstützung bei Bewerbungen und Antragstellungen sowie Beratung bei Fragen rund um das Thema Wohnen.

Zusammen mit Caritas Jugendsozialarbeit (CJS) Hannover, die Gehrden und Ronnenberg betreuen, bildet Labora eine Bietergemeinschaft, die durch das Jobcenter und die Region Hannover finanziert wird. Labora ist zudem für Barsinghausen und Wennigsen zuständig.

Von 2016 bis 2018 waren Geflüchtete in Springe bei Fragen rund um ihre Integration von der Diakonie Land betreut worden – gemeinsam mit den Kommunen Gehrden und Ronnenberg. Von den 18 Projekten der Region Hannover, die zwischen 2016 und 2018 in diesem Bereich angeboten worden sind, wurden nach Angaben von Imke Fronia fünf weitere bewilligt, die noch bis Ende 2020 laufen sollen.

Von Juliet Ackermann