Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Drei Zeichen gegen das Vergessen
Umland Springe Nachrichten Drei Zeichen gegen das Vergessen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 27.11.2015
Die Geschwister Abrahamson, an die die Stolpersteine erinnern, führten in Gestorf einen Laden. Strohmaier (2)
Gestorf

Seit dem Start von Demnigs Kunstprojekts im Jahr 1997 wurden mehr als 55 000 Gedenksteine in über 1600 Orten in 20 Ländern Europas verlegt. Die neuesten drei im Springer Ortsteil erinnern an die jüdischen Gemeindemitglieder Isaak, Bertha und Ella Abrahamson, die im dritten Reich verfolgt und getötet wurden. Sie lebten zuvor im Haus der heutigen Volksbank-Filiale.

Doch die Namen der drei Abrahamsons sollten nicht nur aus diesem Grund nicht vergessen werden. Als angesehene Bürger des Dorfs betrieben Isaak und seine beiden jüngeren Schwestern Bertha und Ella den größten Laden des Ortes. Als „ein Karstadt der damaligen Zeit“, beschreibt es heute Heimatbund-Mitglied Bernd Georg Höfer, der die Geschichte der Kaufmannsfamilie für diesen Anlass aufgearbeitet hatte. Während andere unter dem zunehmenden Druck des Nazi-Regimes ab 1933 emigrierten, blieb die Familie standhaft. Boykotte, Einschränkungen und Ablehnung zum Trotz blieben sie Gestorf treu. Bis zum 31. März 1942, als sie zusammen mit knapp 1000 anderen Menschen deportiert wurden. Sie wurden gezwungen, ihre Wertgegenstände abzugeben. Die Spur von Isaak, Bertha und Ella Abrahamson verliert sich schließlich im Warschauer Getto.

„Die Angehörigen haben keine Gräber, keinen Grabstein. So haben sie wenigstens einen Punkt, den sie ansteuern können“, beschreibt Demnig seine Motivation, die Stolpersteine zu verlegen. Schaut man in die Augen dieser Angehörigen, begreift man aber erst die Passion, mit der Künstler Demnig noch heute seine Aufgabe verfolgt.

So freute sich auch David Blank über die neue Gedenkstätte. Der Nachfahre von Albert Abrahamson, dem Bruder der drei Gestorfer Geschwister, war extra aus Israel angereist und sichtlich gerührt: „Jeder, der heute in die Bank geht, wird ab sofort daran erinnert, wer hier einmal wohnte. Meine Vorfahren waren die einzige jüdische Familie hier“, sagt Blank. Seine Angehörigen seien hier respektiert worden. Ältere Gestorfer hätten ihm davon erzählt, wie sie im Laden der jüdischen Familie Süßigkeiten kauften, sagt Blank nachdenklich.

Finanziert von der Volksbank Gestorf, war es doch die Idee von Ortsbürgermeister Dr. Eberhard Brezski, die ehemaligen Gemeindemitglieder für folgende Generationen zu verewigen. „Wer wissen möchte, wer er ist, muss wissen, woher er kommt, um zu sehen, wohin er will“, zitierte der Politiker. „Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.“

Von Leon Strohmaier

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Grundschule Eldagsen gibt es gravierende Hygienemängel. Schuld sind marode Wasserleitungen. Sie müssen zurzeit regelmäßig gereinigt werden, damit sich keine Legionellen bilden. Die Stadtverwaltung rät dazu, im kommenden Jahr 100 000 Euro zu investieren, um das Problem zu beheben.

23.11.2015

Seit 40 Jahren ist Karl-Hein Friedrich bei der Polizei, zehn Jahre davon war er Kontaktbeamte in Springe. Am Dienstag nun verabschiedet sich der 61-Jährige in den Ruhestand. Zeit für einen Rückblick.

22.11.2015

Sie darf den Traum vom Pop-Star noch ein bisschen länger träumen: Die 17-jährige Jamie-Lee Kriewitz aus Bennigsen hat bei der Talentshow "The Voice of Germany" die nächste Runde erreicht. Kriewitz setzte sich bei den sogenannten Battles gegen Kontrahentin Meike Rosendahl durch. 

25.11.2015