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Nachrichten Göbel-Debatte: Springe will „raus aus Lügenlampenhausen“
Umland Springe Nachrichten Göbel-Debatte: Springe will „raus aus Lügenlampenhausen“
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19:30 26.07.2018
Die Göbelbüste vor dem Springer Amtsgericht erinnert an den vermeintlichen Lampen-Erfinder Heinrich Göbel. Quelle: foto: Ralf T. Mischer
Springe

Der große Erfinder der Glühlampe war er wohl nicht. „Aber er hat den New Yorkern die Sterne gezeigt“, sagt Geschichtslehrer Roman Haak über Springes vermeintlich größten Sohn Heinrich Göbel. Zusammen mit seinen OHG-Schülern arbeitet Haak an den Erklärungstexten, die in den nächsten Monaten an allen Göbel-Denkmälern in der Deisterstadt angebracht werden sollen. Das Ziel von Bürgermeister Christian Springfeld: „Raus aus Lügenlampenhausen.“

Plaketten kommen im Dezember

Spätestens im Dezember sollen die Ergänzungsplaketten angebracht werden. Auf ihnen werden ein sehr kurzer Text und ein QR-Code stehen. Wer den einscannt (oder auf die angegebene Internetseite klickt), erfährt deutlich mehr: Vier bis fünf DIN-A-4-Seiten mit weitergehenden Informationen hätten die Oberstufenschüler aus den beiden beauftragten Geschichtskursen zusammengestellt, sagt Haak. „Die Inhalte sind weitestgehend fertig.“ Der jetzt folgende technische Teil sei aber knifflig: Die Webseite muss gebaut werden.

Göbels Leben wird kurz biografisch aufgearbeitet. Auch auf seine Erfindungen beziehungsweise Patente gehen die Schüler ein. Ein weiterer Abschnitt dreht sich um die Entwicklung der Glühbirne. Und dann kommt die Göbel-Legende: Was ist vom Kampf der Elektronikkonzerne und den Patentstreitigkeiten mit Thomas A. Edison überliefert? Und wie kam es dazu, dass der Auswanderer aus Springe im Dritten Reich plötzlich zu einem „wahren deutschen Genie“ erklärt wurde?

Geschichtslehrer Haak will die Texte und die technische Umsetzung demnächst zu Ende bringen und dann mit den Göbel-Freunden und -Kritikern abstimmen. Bürgermeister Christian Springfeld ist wichtig, dass auch der Stadtrat über die Aufarbeitung der Lokalgeschichte diskutieren kann und seinen Segen dazu gibt.

Springfeld: „Entspannter mit der Person umgehen“

Den ersten Kontakt zum Otto-Hahn-Gymnasium hatte der Verwaltungschef bereits Ende Januar aufgenommen – noch vor Göbels 200. Geburtstag im April –, aber auch klargestellt: Die Schüler dürften sich mit dem Thema Zeit lassen. „Ein Schnellschuss wäre nicht der Sache angemessen“, sagt auch Haak.

Springfeld geht es darum, einen Betrag zu leisten, dass in der Deisterstadt künftig entspannter mit der Person Heinrich Göbel umgegangen werden kann: „Es ist erstaunlich, wie viele Emotionen bis heute in dem Thema stecken.“ Auch Haak möchte auf keinen Fall „Göbel in die Pfanne hauen. Der war eine durchaus interessante Persönlichkeit“. Auch wenn er nicht reich oder ein Star geworden sei, so habe er doch eine erstaunliche Biografie. In den 1860er-Jahren war er abends wie ein Schausteller im Zentrum New Yorks unterwegs und zeigte Besuchern mit seinen auf einem Pferdewagen angebrachten Fernrohren den Sternenhimmel. Was Haak außerdem glaubt: „Er hat an der Erfindung der Glühlampe mitgearbeitet. Und das hat er auch, wenn sein Beitrag wohl eher bescheiden war.“

Angebracht werden sollen die Erklärungen an der die Kernstadt überragenden Göbelbirne, der Göbelbüste neben dem Amtsgericht sowie dem Göbel-Geburtshaus am Oberntor.

Von Marita Scheffler